Die Vielfalt des Wassers

Tagesthema 30. Juli 2013

Forscher rät zu „Kraneberger“

Leitungswasser kann in Deutschland nach Ansicht von Experten zumeist unbedenklich getrunken werden. Das niedersächsische Gesundheitsministerium warnte am Montag jedoch vor alten Bleileitungen. Hier lauere besonders für Kinder eine Gefahr.

Wer angesichts der Sommerhitze seinen Durst löschen möchte, kann zumeist unbedenklich Wasser aus der Leitung trinken. „Leitungswasser ist für die Gesundheit völlig ungefährlich“, sagte der Sozial- und Agrarwissenschaftler Hans-Jürgen Leist vom Ecolog-Institut in Hannover dem Evangelischem Pressedienst (epd). Dieser Meinung ist auch die niedersächsische Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD). Sie warnte am Montag allerdings vor alten Bleileitungen in Häusern, die bis Mitte der 1970er Jahre gebaut worden seien.

„Uns ist es besonders wichtig, Kinder vor Blei im Trinkwasser und den damit verbundenen Gesundheitsrisiken zu schützen“, sagte die Ministerin. Kinder seien besonders gefährdet. Um die Bevölkerung vor der schädlichen Wirkung zu schützen, sei der Grenzwert in den vergangenen Jahren schrittweise gesenkt worden. Vom 1. Dezember an gelte ein nochmals verschärfter Wert von 0,010 Milligramm pro Liter. „Damit erreichen wir, dass praktisch keine Bleirohre mehr in der Hausinstallation vorhanden sein dürfen“, unterstrich Rundt.

Blei könne schädigend auf das Nervensystem wirken und sich bei Kindern negativ auf die Intelligenz, das Lernvermögen und die Entwicklung auswirken. Das gelte auch für ungeborene Kinder. Deshalb müssten auch junge Frauen und Schwangere vor einer Bleiaufnahme geschützt werden. In Niedersachsen könnten Familien und junge Frauen ihr Trinkwasser kostenlos auf den Bleigehalt testen lassen.

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Mineralwasser aus der Flasche. Bild: epd-Bild

Nach Ansicht von Hans-Jürgen Leist ist der Anteil an Mineralien wie Magnesium und Kalzium im Leitungswasser sogar höher als in Flaschenwasser. Für das „Kraneberger“ sprächen außerdem die in Deutschland sehr niedrigen Belastungswerte und seine bessere Öko-Bilanz. Im Leitungswasser fänden sich weniger Sulfate und andere Schadstoffe als in vielen Mineralwässern.

In Flaschen abgefüllte Wässer seien zudem wegen Transport und Verpackung schlechter für die Umwelt: Der Energieaufwand für die 130 bis 140 Liter in Flaschen, die jeder Deutsche jährlich trinkt, sei höher als der für den jährlichen Gesamtwasserverbrauch pro Kopf, erläuterte der Wissenschaftler und Buchautor.

Pressesprecherin Meike Strenger vom Verband Deutscher Mineralbrunnen in Bonn sagte dagegen, es sei gesundheitlich nicht ganz unbedenklich, Leitungswasser zu trinken, zumal wenn es länger in der Leitung stehe: „Keime und Bakterien suchen sich immer einen Weg.“ So sei etwa der Perlator eine Quelle für zusätzliche Kontamination. Das räumte auch Leist ein. Er rät, Leitungswasser immer erst einige Sekunden laufen zu lassen, bis es kühl wird.

epd