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Bild: religionen-entdecken.de/Kay Oppermann

 

„Religionen entdecken“ online

Tagesthema 28. Juli 2013

Neues Internet-Portal zur religiösen Bildung für Kinder

Der Evangelische Kirchenfunk Niedersachsen (ekn) im Interview mit den beiden Portal-Leiterinnen Christiane Baer-Krause und Barbara Wolf-Krause.

Wie ist dieses Portal entstanden?

Vor einigen Jahren habe ich Kindern im Zusammenhang mit einem Projekt schon einmal etwas über Weltreligionen berichtet. Dazu haben sie mich mit mehr Fragen überschüttet, als zu jedem anderen Thema zuvor. Viele dieser Fragen konnte ich gar nicht beantworten. Daher habe ich nach einem Angebot wie religionen-entdecken.de im Internet gesucht, auf das ich die Kinder hätte verweisen können. Ich habe aber nichts gefunden. Das Thema hat mich dann nicht wieder losgelassen. Und irgendwann entstand der Gedanke, selbst ein solches Projekt umzusetzen.

Was ist das Besondere an diesem Portal? Es gibt ja auch andere Kinderseiten, die sich mit Religionen für Kinder beschäftigen?

Ja, das ist richtig. Viele Glaubensgemeinschaften haben auf ihren Portalen auch einen Kinderbereich oder sogar eine eigene Seite für Kinder. Daneben gibt es Wissensseiten für Kinder, die auch die Religionen thematisieren – dann aber nur als ein Thema unter vielen. Neu ist mit religionen-entdecken.de ein Projekt für Kinder, das sich ausschließlich und sehr umfangreich mit den Weltreligionen beschäftigt. Ausführlich dargestellt sind bisher Christentum, Judentum und Islam. Über Buddhismus, Hinduismus und die Bahai-Religion ist auch schon einiges zu finden. Außerdem über das Alevitentum.
Aufgebaut ist die Seite nach den Kriterien von Seitenstark. Die Arbeitsgemeinschaft vernetzter Kinderseiten setzt sich seit zehn Jahren für einen hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandard in der Kinderseitenlandschaft ein.

Was ist das Ziel des Projektes?

Vor allem soll das Projekt natürlich Spaß machen. Darüber hinaus möchten wir Kinder aus verschiedenen Glaubensrichtungen und Denkrichtungen Wissen übereinander vermitteln, sie neugierig aufeinander machen und sie miteinander in Kontakt bringen. Dabei hilft uns die Anonymität des Internets, Berührungsängste abzubauen. Wir hoffen, damit Aggressionen vorzubeugen, die aus Angst vor Unwissenheit übereinander entstehen. Oberstes Ziel ist es, das friedliche Zusammenleben der Anhänger verschiedener Religionen zu fördern.

Was kann man alles auf dieser Seite erfahren und machen?

Auf religionen-entdecken.de können sich Kinder auf unterschiedlichste Weise mit dem Thema Religion beschäftigen. Außerdem geben wir ihnen Tipps zum sicheren Verhalten im Internet. Es gibt aktuelle Umfragen, Quiz, Spiele, ein vorab moderiertes Forum, einen Bereich für eigene Statements, Filme und vieles mehr. Alles ist mit einem umfangreichen Lexikon vernetzt. Darin können die Kinder stöbern und selbst entscheiden, wie intensiv sie sich mit einem Thema beschäftigen möchten. Außerdem können sie überall Fragen stellen, die unsere Experten dann beantworten. Wichtig ist uns auch, dass die Kinder nicht zu lange vor dem Computer sitzen und das reale Leben nicht vernachlässigen. Darum finden sie auf religionen-entdecken viele Ausflugstipps zu Synagogen, Moscheen, Tempeln, Kathedralen, Museen und anderen Religions-Orten, Buch- und Basteltipps, Rezepte und andere Anregungen. Sie können auch eigene Schulprojekte oder andere interreligiöse Aktivitäten selbst vorstellen und andere damit zum Nachmachen animieren.

Richtet sich das Projekt nur an Kinder?

Nein, auf religionen-entdecken.de finden auch Jugendliche und Erwachsene viele Informationen. Lehrern, Eltern und Erziehern stellen wir außerdem einen eigenen Bereich zur Verfügung, den sie als Ideenbörse für Projekte, Unterrichtsentwürfe, Hintergrundinfos, Buchtipps und anderes nutzen können. Einen Pressebereich gibt es dort auch. Und ein Grußwort von Helmut Schmidt. Außerdem stellen wir unsere Partner dort vor.

In diesem Projekt steckt viel Arbeit - wer engagiert sich?

Meine Kollegin Barbara Wolf-Krause und ich leiten das Projekt. Beim praktischen Aufbau der Seite haben uns rund 70 Menschen geholfen, darunter acht Experten der Religionen, Programmierer, Webdesigner, ein Filmteam vom evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen, eine Fotografin, Freunde, Studierende der Uni Kassel und natürlich unsere acht Entdeckerkinder. Sie sind auf vielen Fotos und in den Filmen zu sehen.

Wer finanziert das Projekt?

Für den Aufbau des Projektes haben wir eine 50%-Förderung von der Bundesinitiative Ein-Netz-für-Kinder erhalten. Dahinter stecken das Bundesfamilienministerium und der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien. Kooperationspartnerin ist die Universität Kassel. Die Filme und einen Experternchat fördert die Hanns-Lilje-Stiftung. Außerdem hat uns das Gemeinschaftswerk für Evangelische Publizistik viele Bilder zur Verfügung gestellt. Und ein Preisgeld haben wir auch schon gewonnen: mit dem SUMA Award 2012.

Unterstützung des Projektes

Anfang 2014 läuft die Förderung über die Bundesregierung aus. Für die Zeit danach werden dringend neue Unterstützer gesucht. Für ein so hochgradig interaktives Angebot fallen nicht nur Kosten für die technische Pflege an. Unter anderem gilt es die Inhalte und Links auf dem Laufenden zu halten, die Fragen und Kommentare der Nutzer zu bearbeiten, die Experten und den Aufwand für neue Inhalte im Lexikon zu finanzieren und Etliches mehr.

Damit helfen Sie religionen-entdecken.de

Und was meinen Sie?

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Bild: misterQM / photocase.com

Wie finden Sie die Idee und Funktion des neuen Internet-Portals für Kinder und Erwachsene?

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„Religionen-entdecken.de legt Grundstein"

Die Gefahr eines weltweit religiös motivierten Zusammenstoßes unterschiedlicher Kulturen (clash of civilizations) besteht auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Dabei vermischen sich oftmals die Empörung über Armut und Neid auf den Wohlstand anderer mit religiösen Herrschaftsmotiven; religiöse Sendungsmotive vermischen sich mit exzessiven Herrschaftsmotiven. Die abwägenden und mäßigenden Stimmen der Vernunft haben es schwer, Gehör zu finden. Ein Appell an die Vernunft des einzelnen kann oftmals überhaupt nicht gehört werden.

Dergleichen gibt es im Verhältnis zwischen Hinduismus und Islam, so zwischen Islam und Judentum, so zwischen Christentum und Islam; und man kann nicht sicher sein, daß etwa die mörderische Feindschaft von Christen gegenüber dem Judentum mit Hitler endgültig untergegangen ist. Eine besondere Tragödie ist in der Tatsache begründet, daß die allermeisten Gläubigen der drei abrahamischen Weltreligionen voneinander nichts wissen. Sie haben über die gemeinsamen Wurzeln nichts erfahren, nichts über die vielen Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen der drei heiligen Bücher: Thora, Neues Testament und Koran. Rabbiner, Priester, Pastoren und Bischöfe, Mullahs, Imame und Ayatollahs haben den gläubigen Laien dieses Wissen weitestgehend vorenthalten. Sie haben uns im Gegenteil vielfältig gelehrt, über die anderen Religionen ablehnend und sogar abfällig zu denken.

Wer wirklich Frieden zwischen den Menschen will, der muß religiöse Toleranz und Respekt predigen. Respekt gegenüber der Religion des anderen setzt jedoch ein Minimum an Kenntnis voraus. Ich bin überzeugt, daß – über die drei abrahamischen Religionen hinaus – ebenso der Hinduismus, der Buddhismus oder der Shintoismus gleichen Anspruch auf Respekt und Toleranz haben.

Das Projekt “Religionen entdecken” versucht, dem Rechnung zu tragen. Jugendliche und Kinder, aber natürlich auch Erwachsene können Kenntnisse erlangen über die Werte und Verhaltensweisen Andersgläubiger. Damit legt das Projekt bewusst den Grundstein für ein in Zukunft hoffentlich besseres Verständnis verschiedengläubiger Menschen, für gegenseitigen Respekt und gegenseitige Toleranz im Interesse einer friedlicheren Welt. Das sollten wir alle unterstützen.

Grußwort von Bundeskanzler a. D. Helmut Schmidt, Mitherausgeber der Wochenzeitung DIE ZEIT

Religionen entdecken für Erwachsene

Internetpreis für Kinder-Portal

Das neue Kinder-Portal www.religionen-entdecken.de ist in Hannover mit dem „SUMA Award“ 2012 als herausragendes Projekt zur Wissensvermittlung im Internet ausgezeichnet worden. „Das Projekt hat überzeugt, weil es interreligiöse Verständigung bei denen fördert, für die es am wichtigsten ist: bei den Kindern“, sagte der Geschäftsführer des Vereins "SUMA", Wolfgang Sander-Beuermann, am Mittwoch dem epd.

Die Seite richtet sich vor allem an Kinder, aber auch an Pädagogen und Eltern. Sie ist noch im Aufbau und soll im ersten Halbjahr 2013 online gehen. Das Konzept sieht unter anderem ein Lexikon über sechs Weltreligionen vor. Nutzer können Fragen stellen, sich an einem Forum und an Ratespielen beteiligen. Zudem gibt es Buch-, Ausflugs-, und Spieletipps.

Zum Bericht über die Preisverleihung