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Bild: epd-Bild / Norbert Neetz 

Arbeitshilfe zum Israelsonntag

Tagesthema 25. Juli 2013

Am 10. Sonntag nach Trinitatis ist Israelsonntag – dieses Jahr am 4. August 2013.

Was ist dies für ein Tag, den die christlichen Kirchen bereits seit Jahrhunderten feiern?

Schon der Name „Israel“ ist mehrdeutig. In der Bibel erhält der Patriarch Jakob den Namen Israel nach dem Kampf am Jabbok (Gen 32,29). Der Name des Patriarchen wird zum Namen des Volkes. So wird der vorstaatliche Stämmebund als „Israel“ bezeichnet, wie auch in der Königszeit das Reich Davids und Salomos. Nach dem Zerfall des Salomonischen Königreiches trägt das Nordreich diesen Namen, während das Südreich „Juda“ genannt wird.

Im jüdischen Kontext bezeichnet Israel dreierlei: das jüdische Volk Israel, das Land Israel und den 1948 gegründeten Staat Israel. In der christlichen Theologie bezeichnet Israel zum einen Menschen, die sich zum Judentum gehörig betrachten, zum anderen alles, was zur jüdischen Religion und Tradition in Geschichte und Gegenwart gehört. Er ist ein Ausdruck für „Juden“ und „Judentum“. „Israel“ ist also keine einheitliche Größe, sondern hat vielfältige unterschiedliche Ausprägungen.

Ebenso vielfältig wie der Name sind auch die Themen, die am Israelsonntag im Mittelpunkt stehen und sich im Laufe der Jahrhunderte verändert haben. Seit dem 8./9. Jahrhundert wurde in christlichen Kirchen regelmäßig der Zerstörung der beiden Tempel gedacht (586 v.d.Z. und 70 n.d.Z.). Lange standen dabei vor allem der neutestamentliche Bericht Lukas 19,41-48 und eine Ermahnung der Kirche im Mittelpunkt – allzu oft gepaart mit antijudaistischen Aussagen.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich mancherorts jedoch eine regelrechte Buß-Tradition. Andernorts warben die neugegründeten Judenmissionsgesellschaften für eine Mission unter Jüdinnen und Juden. Nach 1945 begann ein Umdenken: immer stärker rückte die Neubestimmung des christlich-jüdischen Verhältnisses in den Mittelpunkt. Die „bleibende Erwählung“ des jüdischen Volkes wurde anerkannt und bekannt, und das Judentum kam als „Wurzel des Christentums“ in den Blick. Das Evangelische Gottesdienstbuch (hg. v. d. Kirchenleitung der VELKD, 1999, S. 16) betont, dass die Christenheit „bleibend mit Israel als dem erstberufenen Gottesvolk verbunden“ ist. Dies solle in jedem Gottesdienst zum Ausdruck kommen – nicht nur, aber in besonderem Maße auch am Israelsonntag.

„Das Heil ist von den Juden“, so steht es in dem Predigttext, der dieses Jahr für den Israelsonntag vorgeschlagen ist: Johannes 4,19-26. In vielen Übersetzungen steht: „Das Heil kommt von den Juden“. Aber das ist missverständlich, als ob das Heil einmal von den Juden gekommen wäre, nun aber woanders läge. Nein, die Aussage im Predigttext ist diese: Das Heil „ist“ von den Juden, sagt Jesus. Nicht nur seiner Herkunft nach, sondern als bleibende Qualifizierung. Was dies für uns als Christinnen und Christen bedeutet, wird in der aktuellen Arbeitshilfe zum Israelsonntag auf unterschiedlichen Wegen entfaltet.

Der jüdische südafrikanische Künstler David Freund hat sich vom Predigttext inspirieren lassen und eigens für den Israelsonntag 2013 eine Grafik angefertigt. „Begegnung am Brunnen“ heißt es. Und um eine Begegnung auf Augenhöhe geht es. Hier ist kein predigender Jesus zu sehen, auch kein deutender Zeigefinger. Hier begegnen sich nicht ein Messias und eine marginalisierte Frau, sondern zwei Menschen auf Augenhöhe, ein Mann und eine Frau, deren Äußeres sich kaum unterscheidet. Eine Deutung dieses Bildes gibt es in der Arbeitshilfe, die zum Nach- und Weiterdenken einlädt.

Selbstverständlich enthält die Arbeitshilfe einen vollständigen Vorschlag für einen Gottesdienstablauf – mit Liedvorschlägen sowie einem ausformulierten Kollekten- und Fürbittengebet. Außerdem finden Sie dort je eine Auslegung des Predigttextes aus jüdischer und aus christlicher Sicht, eine fertige Lesepredigt und viele Hintergrund-Informationen zum Israelsonntag. Darüber hinaus beinhaltet die Arbeitshilfe auch drei Entwürfe für die Gestaltung thematischer Einheiten für Jugendliche und/oder Erwachsene – u.a. eine Bildbetrachtung zu der Skulptur „Das Wasser des Lebens“ von Stephen Broadbent und eine Anleitung für einen Bibliolog.

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Mit keiner anderen Religion hat der christliche Glaube so viel gemeinsam wie mit dem Judentum - haben doch beide ihre Wurzeln im biblischen Israel. Bis heute aber prägt die Geschichte christlicher Vorurteile und Feindschaft die Wahrnehmung des Judentums. Die Arbeit in den Kirchengemeinden hat deshalb eine wesentliche Aufgabe für ein erneuertes Verhältnis von Christen und Juden: Gottesdienst, Bibelauslegung und Unterricht sind die Orte, an denen sich eine neue Wahrnehmung bewährt.

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Dominus flevit - der Herr weinte

Was während des gesamten Kirchenjahres immer wieder aufleuchtet, wird in den evangelischen Kirchen einmal im Jahr explizit zum Thema gemacht: die Verbundenheit von Christen und Juden. Am Israelsonntag, dem 10. Sonntag nach dem Trinitatisfest, denken evangelische Christinnen und Christen an Israel als das von Gott bleibend erwählte Volk, an Gemeinsamkeiten von Christen und Juden und an die komplexe, vielfach mit Schuld beladene Geschichte der Kirchen im Umgang mit den jüdischen Gemeinden und dem Judentum.

Die Entwicklung des Israelsonntags zeigt die Problematik der Geschichte der Kirche in ihrem Verhältnis zum Judentum: Seit dem 16. Jahrhundert wurde der 10. Sonntag nach Trinitatis als Gedenktag der Zerstörung Jerusalems gefeiert, im 19. Jahrhundert warb und sammelte man an diesem Tag für die Mission unter Jüdinnen und Juden.

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