2013_01_14

Bild: Jens Schulze

Im Schritttempo den inneren Frieden finden

Tagesthema 13. Juli 2013

Einen Streckennetz von Pilgerwegen quer durch Norddeutschland

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Pilger in einer Kirche. Bild: Jens Schulze

Wie sieht so ein klassischer Urlaubstag in Norddeutschland aus? Ganz klar, am Strand liegen, baden, Städtetour durch Stralsund, Hamburg oder Lübeck, flanieren an der Promenade von Kühlungsborn und Warnemünde, oder eine(s) der vielen Museen, Kirchen, Ausstellungen und Konzerten besuchen. Der eine oder andere Urlauber wird sich mit Sicherheit für einen langen ausgedehnten Spaziergang begeistern lassen. Wer sich dazu noch auf seine spirituellen Wurzeln besinnt, zur Ruhe kommen und seinen Glauben stärken möchte, der pilgert. Und das kann man im Norden auf vielen Strecken, kurzen und langen, durch pommersche Dörfer und niedersächsische Großstädte. Neben vier Jakobswegen, gibt es in Norddeutschland eine Vielzahl keiner Pilgerwege. Von Mecklenburg-Vorpommerns Grenze zu Polen bis nach Münster, unweit der niederländischen Grenze erstreckt sich das Pilgernetz. Den nördlichsten Punkt bildet Flensburg, wo es fließend nach Dänemark übergeht. Neben den klassischen Pilgerwegen, die zu Fuß bestritten werden, lassen sich auch Pilgerwege für Radfahrer finden. Ob eine Tagestour oder einen mehrtägigen Pilgermarsch – die Wegstrecken sind flexibel nutzbar. Pilgerstätten und Familienunterkünfte laden am Wegesrand den müden Pilger ein, die Nacht zu verbringen.

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Pilgern. Bild: Jens Schulze

Nur allzu gut kann man im Urlaub einige Tage der Ruhe, der Meditation, in der wunderschönen Natur und der menschlichen Begegnungen genießen und auch in Norddeutschland den herrlichen Pilgerwegen folgen. Dabei muss es nicht immer gleich der Weg nach Santiago de Compostela in Spanien sein. Pilgern durch Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig Holstein, Hamburg und Niedersachsen hat ebenso seine Reize. Die Via Baltica, die Via Jutlandica, die Via Scandinavica und der Baltisch-Mitteldeutsche Weg führen durch Norddeutschland. Letzterer teilt sich ab Rostock Richtung Süden, während die Via Baltica weiter westlich verläuft. Die Via Baltica lädt ein zu einer gelungenen Mischung aus einigen Tagen Pilgern durch das Hinterland und einem Abstecher und einer Auszeit an der Ostsee. Aus dem Baltikum kommend, ist die Insel Usedom der östlichste Wegepunkt der Via Baltica. Quer durch Mecklenburg-Vorpommern, über die Hansestädte Greifswald, einem Abstecher nach Stralsund, Rostock, Wismar, Lübeck und Hamburg. Fast 770 Kilometer Pilgerstrecke können zurückgelegt werden. Zwischen Wedel und Zeven in Niedersachsen vereint sich die Via Baltica mit der Via Jutlandica, dem von Dänemark südlich nach Norddeutschland verlaufende Pilgerweg. Die schönen Altstädte und Häfen, die quasi am Wegesrand liegen, laden ein zu regionalem Flair, historischen Bauwerken, zu Matjes und zu Marzipan.

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Jakobus. Bild: Jens Schulze

Der deutsche Abschnitt der Via Jutlandica verläuft von Flensburg nach Glückstadt über gut 180 Kilometer. Bis Stade, wo sich die Wege vereinen, sind es weitere 35 Kilometer. Die flache Landschaft Schleswig-Holsteins und das Wegende entlang der Elbe bilden eine abwechslungsreiche Pilgerstrecke. 2007 wurde diese Pilgerstrecke wieder eröffnet. 500 Jahre lang wurde die lange Tradition des Pilgerns auf diesem Weg nicht fortgeführt. Seit sechs Jahren ist der Übergang zwischen Dänemark und der Via Baltica wieder begehbar und das europaweite Netzwerk aus Pilgerwegen wird feiner und komplexer. Privatzimmer, Hotels, Jugendherbergen und Pilgerunterkünfte sind zahlreich auf den Strecken zu finden. Die Unterkünfte jedoch sind in den meisten Fällen nur mit Pilgerausweis zugänglich.

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Rast. Bild: Jens Schulze

Ein weiterer Jakobsweg führt von der Ostsee-Insel Fehmarn über Lübeck hinunter nach Hannover und weiter Richtung Mittel- und Süddeutschland – die Via Scandinavica. In Lübeck gliedert sich die Ost-Route der Via Jutlandica ein. Die Via Scandinavica fasst 550 Kilometer. Über die Hälfte des Weges führt durch Niedersachsen. Die Lüneburger Heide inbegriffen, bildet diese Pilgerstrecke, oder Teilabschnitte, je nach Urlaubsplanung, ein gelungenes Kontrastprogramm zum Strandaufenthalt. Wer einen kürzeren Weg sucht, wird auf dem Baltisch-Mitteldeutschen Weg, von der Hansestadt Rostock nach Perleberg im Norden Brandenburgs, fündig. Rund 170 Kilometer geht es erst südwestlich über Bützow weiter geradewegs in Südrichtung über Parchim nach Brandenburg. Einmal längs durch Mecklenburg, durch eine ländliche Region, mit kleinen Ortschaften und jeder Menge Kirchen.

Von Paula Mittermayer (aus: Wind und Weite)

Kleine Wege für Kurzpilger

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Kennzeichen der Pilger: Jacobsmuschel

Abseits der vier großen Jakobswege in Norddeutschland gibt es viele Strecken, die ebenfalls zum Pilgern einladen. Ein noch sehr junger Pilgerweg führt durch die Mecklenburgische Seenplatte, von Friedland nach Diemitz. 2011 wurde der 250-Kilometer lange Weg eröffnet. 15 Teilabschnitte, von zehn bis 70 Kilometern Länge können individuell gepilgert werden. Die Seenlandschaft wechselt sich ab mit dichten Wäldern und weiten Wiesen.

Wer sich im Urlaub für Niedersachsen entscheidet, kann zwischen Wildeshausen und Osnabrück den Pickerweg bestreiten. Gut 100 Kilometer geht es erst durch eine Wiesenlandschaft, später über die Erhebungen der Dammer Berge. Der Weg ist alternativ auch von Bremen aus gehbar, dann sind es gut 170 Kilometer.
Detaillierte Information und hilfreiche pdf-Broschüren über Strecken- und Teilstreckenverlauf sowie Unterkünfte der Jakobswege finden sich auf www.jakobswege-norddeutschland.de. Auf www.pilgern-im-norden.de sind die norddeutschen Strecken verzeichnet.

Wer sich über die kleineren Pilgerwege informieren möchte kann das unter www.pilgerweg-mecklenburgische-seenplatte.de und www.fernwege.de.

Aus: Wind und Weite

Von Socken bis zum begleitenden Buch: Angebote zum Pilgern

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Bild: misterQM / photocase.com

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