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Bild: Patrick Piel / epd-Bild

Von Solidarität in Hochwassergebieten beeindruckt

Tagesthema 17. Juni 2013

Die Hochwasserlage an der Elbe in Niedersachsen hat sich bereits entspannt, als der hannoversche Landesbischof Ralf Meister am Montag Hitzacker und Bleckede besucht. Er sei abseits der Dramatik gekommen, um zuzuhören, sagt der evangelische Theologe.

Theologe zum Zuhören in die Region gekommen

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Bischof Meister in Hitzacker, mit Pastor Jens Rohling (mit Krücken) und Samtgemeindebürgermeister Jürgen Meyer. Bild: Patrick Piel / epd-Bild  

Bei einem Besuch in den niedersächsischen Hochwassergebieten an der Elbe hat der hannoversche Landesbischof Ralf Meister am Montag den vielen Helfern gedankt. „Es ist ein großes Zeichen der Solidarität, dass die Menschen hier eingebracht haben, was sie konnten“, sagte der evangelische Bischof in Lübbow. In dem Ort bei Lüchow besichtigte Meister die Einsatzküche im Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr, die in den vergangenen beiden Wochen die Fluthelfer im Landkreis Lüchow-Dannenberg versorgt hat.

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Die Einsatzküche der Freiwillige Feuerwehr in Lübbow. Bild: Patrick Piel / epd-Bild  

Bis zu 12.500 Mahlzeiten am Tag seien in der Feldküche zubereitet worden, erläuterte Einsatzleiter Frank Stannek von der Kreisfeuerwehrbereitschaft. Sie habe an 13 Tagen unterstützt vom Roten Kreuz, Technischen Hilfswerk und vielen Ehrenamtlichen insgesamt 95.000 Essen ausgegeben. Bis zu 120 Menschen hätten bis in die Nächte für die Küche gearbeitet.

Der Bischof erkundigte sich nach Details. Wer war für die Logistik verantwortlich? Wo wurde eingekauft? Meister war nach seinen Worten vor allem als Zuhörer in die Region gekommen. Ihn interessierten Geschichten wie die der 82-jährigen Gisela Findling. Sie lebt bis heute in ihrem Geburtsort Lübbow und hat für die Großküche auf Zeit die Wäsche gewaschen. „Das ganze Dorf hat mitgemacht“, sagte sie. Zum Treffen mit dem Bischof hatte sie die kirchliche Urkunde mitgebracht, die Meister zu ihrer Diamantenen Hochzeit vor zwei Jahren unterschrieben hatte.

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Landesbischof Ralf Meister mit Landrat Jürgen Schulz (Landkreis Lüchow-Dannenberg). Bild: Patrick Piel / epd-Bild  

Bei sinkenden Pegelständen hat mittlerweile ein großer Teil der Einsatzkräfte die niedersächsische Elbregion verlassen. Doch noch haben Deichwächter ein Auge auf die durchweichten Dämme. „Ich bin erst heute hier, weil wir nicht mitten in der Dramatik die Solidarität und den Einsatz stören wollte“, erläuterte Meister. Inzwischen gebe es ein leises Aufatmen, sagte Lüchow Dannenbergs Landrat Jürgen Schulz (parteilos). „Aber wir haben immer noch ein gewaltiges Hochwasser.“

Meister besuchte auch die Elbstadt Bleckede und die historische Altstadtinsel in Hitzacker. Gemeinsam mit Hitzackers Gemeindepastor Jens Rohlfing und dem Samtgemeindebürgermeister der Elbtalaue, Jürgen Meyer (parteilos), warf er einen Blick über die Hochwasserschutzwand auf die Elbe. Meyer lobte den Besuch des Bischofs: „Es ist wichtig zu sehen, was die Menschen hier geleistet und erlitten haben.“

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Bischof Meister in der St Johannis Kirche in Hitzacker, mit Pastor Jens Rohling (Krücken) und Samtgemeindebürgermeister Jürgen Meyer Bild: Patrick Piel / epd-Bild  

In der Kirche, die sich in der Vergangenheit kritisch zum weiteren Ausbau der Elbe geäußert hat, sieht der Bürgermeister auch in Zukunft einen Gesprächspartner. Es sei wichtig, jetzt die Hochwasserpolitik als Ganzes zu diskutieren, sagte er. Dabei spielten etwa Ausweichflächen für den Fluss eine Rolle. „Das wird eine kontroverse Diskussion.“

Erst seit Sonnabend dürfen Auswärtige die historische Altstadtinsel in Hitzacker wieder betreten. Die rund 280 Bewohner konnten am Freitag in ihre Häuser zurückkehren, die sie fast eine Woche lang zu ihrer Sicherheit verlassen mussten. Am Sonntag hat die Gemeinde das Mobiliar in die Kirche zurückgetragen, die ebenfalls leer geräumt war. In der direkt an der Hochwasserwand gelegenen Kirche erinnern leere Sandsäcke auf dem Altar mit der Aufschrift „Gott helfe uns. Amen“ an die angespannte Situation der letzten Tage.

Von Karen Miether (epd)

Kirchengemeinden entlang der Elbe feiern Gottesdienste

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Bischof Meister in Hitzacker, mit Pastor Jens Rohling (mit Krücken) und Samtgemeindebürgermeister Jürgen Meyer. Bild: Patrick Piel / epd-Bild  

Viele Kirchengemeinden entlang des niedersächsischen Elbufers haben am Sonntag besondere Gottesdienste gefeiert, während das Hochwasser langsam zurückging. In einem „AufräumgottesdienstW trugen die Kirchgänger in Hitzacker rund 300 Stühle wieder in die zuvor geräumte St. Johanniskirche. So wie die leere Kirche wieder mit Stühlen bestückt wurde, sei es auch darum gegangen, die Menschen wieder mit Hoffnung zu füllen, sagte der evangelische Pastor Jens Rohlfing am Sonntag dem epd.

Die St. Johanniskirche auf der historischen Stadtinsel von Hitzacker war 2002 und 2006 von den Elbhochwassern betroffen. 2011 und in diesem Jahr blieb die Altstadtinsel aufgrund einer Schutzmauer verschont. Die vor einer Woche evakuierten Anwohner in Hitzacker konnten bereits am Freitag in ihre Häuser zurückkehren. Ab Samstagabend durften bei einem Pegelstand von 7,42 Metern auch Nicht-Anwohner in die Stadt.

Der Adrenalinpegel sei in den vergangenen zehn Tagen mit den Wasserständen gestiegen und wieder gesunken, sagte Rohlfing. Derzeit verließen die ersten Helfer die Region und viele Bewohner spürten eine innere Leere. „Es kann sein, dass jetzt der Frust kommt, denn die Leute sitzen im Chaos“, sagte der Theologe.

„Für Dankgottesdienste ist es noch zu früh“

Christian Cordes

Der evangelische Superintendent Christian Cordes mahnte in der St. Jacobikirche in Bleckede bei Lüneburg, die Menschen müssten sich auf Veränderungen einstellen. „Unser Lebensstil und der Umgang mit der Elbe ist nicht gut.“ Das liege zunächst am Klimawandel und dem steigenden Energieverbrauch. Zudem habe die Elbe auch in der Region an Ausgleichsflächen verloren.

Gleichzeitig sei die Zeit der großen Sorge noch nicht vorbei, sagte Cordes. Anwohner müssten immer noch mit Evakuierungen rechnen. Immer noch stehe das Wasser hoch am Deich und berge Gefahr. „Jeder Regenguss schafft Unruhe.“ Für viele Menschen sei das Vertrauen in den Fluss und die Standfestigkeit der Deiche gebrochen.

In Hittbergen bei Lauenburg wurde ein geplantes Tauffest am Elbufer in die örtliche Kirche verlegt. In der St. Petrikirche in Neu-Darchau predigte Pastorin Daniela Hennings über die biblische Geschichte der Sintflut. Viele Menschen müssten nach Evakuierungen und geschlossenen Schulen und Kindergärten zunächst in den Alltag zurückfinden, sagte die Pastorin. „Für einen Dankgottesdienst ist es noch zu früh.“ 

epd

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