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Bild: epd-Bild

Mutmach-Erlebnisse

Tagesthema 29. Mai 2013

Wie die Bibel bei Kindern den Glauben weckt

Seit altersher erzählen sich Menschen ihre Weggeschichten. Dabei war die mündliche Erzähltradition in allen Kulturen die Ursprungsform für die Weitergabe dessen, was Menschen miteinander, in ihrer unmittelbaren Umgebung erlebten, verarbeiteten und in Beziehung setzten. So auch ihre Geschichten in Beziehung zu Gott.

Diese Geschichten gibt es, unabhängig von mir als Erzähler und Hörer und gleichzeitig abhängig von mir als Hörer und Erzähler. Sie sind aufgeschrieben, und ich finde sie heutzutage in verschiedenen Büchern. Wenn ich ganz viel Glück habe, bekomme ich sie erzählt oder vorgelesen. Das ist wie Musik, die in mir zum Klingen gebracht wird und in mir erwacht die Sehnsucht, in dem Wissen was kommt und in dem Nichtwissen was kommt, in der Hoffnung, dass es gut ausgeht.

Im Erzählen von biblischen Geschichten machen sich Erzähler und Hörer gemeinsam auf den Weg in eine bekannte und unbekannte Welt. Sie erleben die Geschichten von Gottes Anfang mit der Welt, mit seiner Schöpfung, seinem Versprechen an Abraham, an dessen Kinder und Kindeskinder. Sie erleben den brennenden Dornbusch, die Geschichten mit David, mit Jesus und seinen Jüngern und dem Heiligen Geist und darin immer wieder die Brüche des Lebens und das Ankommen und Geborgensein bei Gott.

In mir ist die Sehnsucht, von meinem Glauben zu erzählen und in den Kindern ist die Sehnsucht, davon zu hören. Das Erzählen der biblischen Geschichten rahmt, jeweils unterschiedlich, unser Leben ein. „Steh auf und geh!“ Eine dichte Erfahrung erfüllt mich beim Erzählen dieser Szene. Das ist wie fliegen, so frei und leicht. Das ist noch mehr als die Bilder in meiner Phantasie. Das ist die Verkündigung der frohen Botschaft. Dieser Zuspruch gibt Mut aufzustehen und loszugehn – hinein ins Leben.

Bei uns im Kindergarten werden die Kinder nach jeder erzählten biblischen Geschichte eingeladen, ein Bild zu malen. Aus den intuitiven Bildern der Kinder weiß ich, was es heißt, den Himmel offen zu sehen oder wie erfüllt Johannes, Jesus und Gott im Jordan bei der Taufe Jesu standen. Und eigentlich hätte sich das Kind auch mit in die Szene malen können. In diesem Bild steckt eine alles in allem verbundene Leichtigkeit und Kraft. Im Erzählen biblischer Geschichten teilt sich der Glaube mit und bekommt eine Stimme – meine Stimme und fällt auf den Resonanzboden der Kinder, die dann ihre Stimme zum Ausdruck bringen können.

Reinhard Krüger ist Leiter des Markus-Kindergartens in Hannover, Diakon und Erzähler.

Wenn Gott ins Kinderzimmer kommt

Kinder lieben Bücher. Sie spiegeln ihre Welt, erklären Zusammenhänge, entführen in faszinierende Welten und zeigen neue Dinge. Schon Zweijährige können sich lange mit Büchern beschäftigen und werden nicht müde zu fragen:

„Was ist das?“ – auch, wenn die Antwort längst bekannt ist. Auch Themen rund um den Glauben können Eltern anhand von Büchern weitergeben. Die „Evangelische Zeitung“ hat ein paar von ihnen unter die Lupe genommen.

Viele Bücher für Kinder behandeln religiöse Themen

Kinder entdecken die Bibel

Im Erleben von Beziehungen, Orten und Zeiten erfahren Kinder Religion. Dazu gehören vor allem Rituale. Sowohl die eines Tages, als auch Rituale eines Jahres.

Die Geschichten der Bibel haben eine weite Reise hinter sich. Überall auf der Welt haben Menschen diese Geschichten immer wieder weitererzählt.

Seit vielen hundert Jahren schon. Kinder entdecken, wenn sie die Geschichten hören oder lesen: So etwas geschieht auch in meinem Leben – hier und heute noch.

Mehr über das Angebot der hannoverschen Landeskirche, wie Kinder ihren Glauben entdecken und leben können

Und was meinen Sie?

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Bild: misterQM / photocase.com

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So bleibt der Kontakt

Den Schöpfergott stellen sich die Kinder gerne als Baumeister der Welt vor. Daran machen sich im Jugendalter weitreichende Zweifel breit. Hat die Naturwissenschaft nicht längst bewiesen, dass bei der Weltentstehung alles ganz anders war?

In zahlreichen Biografien wird der „Abschied vom Kinderglauben“ beschrieben: Im Übergang zum Jugendalter, so haben es viele Menschen erfahren, hielt der Kinderglaube den kritischen Fragen nicht mehr stand. Vor allem die Erkenntnisse der Naturwissenschaft stellen sich dann besonders dem kindlichen Schöpfungsglauben in den Weg. Die Evolutionstheorie widerspricht dem Glauben, Gott habe die Welt in sieben Tagen erschaffen. Nicht zuletzt widerspricht aber auch die zunehmende Lebenserfahrung dem Glauben an einen Gott, der die Menschen vor allem Leid bewahrt und der alle Gebetswünsche erfüllt. In vielen Fällen wird von einem schmerzhaften Ablösungsprozess gesprochen.

Am Ende steht die Überzeugung, dass man eben gar nicht mehr glauben könne, weil die kindlichen Gottesbilder, besonders die Vorstellungen von Gott als Baumeister der Welt und als Schutzengel-Gott, von der Wissenschaft oder von der eigenen Erfahrung widerlegt werden. Natürlich ist der Abschied vom Kinderglauben für den christlichen Glauben eine besondere Herausforderung. Wenn der Glaube über die Kindheit hinaus tragfähig und überzeugend bleiben soll, dann muss dieser Glaube mitwachsen.

Aus dem Kinderglauben muss ein erwachsener Glaube werden. Beispielsweise gehört dazu die Einsicht, dass der biblische Schöpfungsglaube nicht bedeutet, dass man sich Gott wie einen Baumeister vorstellen muss. Glaube und Naturwissenschaft müssen einander nicht widersprechen. Die Natur kann man nicht nur mit den Augen der Wissenschaft betrachten, sondern man kann sich auch an ihrer Schönheit erfreuen. Beides schließt sich nicht aus. Ähnlich verhält es sich auch mit Glaube und Naturwissenschaft.

Solche Einsichten, die ein Erwachsenwerden im Glauben ermöglichen, stellen sich vielfach aber nicht von selbst ein. Voraussetzung dafür ist vielmehr eine religiöse Begleitung oder Bildung, die Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen die dafür erforderlichen Impulse geben kann. Schon im Epheserbrief (4, 13 f.) ist zu lesen, dass Christen urteilsfähig werden sollen und mündig in ihrem Glauben. Der Abschied vom Kinderglauben ist für Christen eine Herausforderung, aber eben zugleich ein notwendiger Schritt zum Erwachsenwerden im Glauben. Es ist wichtig, dass diese Einsicht auch Jugendliche erreicht. Der Abschied vom Kinderglauben muss nicht das Ende allen Glaubens sein.

Prof. Dr. Friedrich Schweitzer lehrt Praktische Theologie und Religionspä- dagogik an der Universität Tübingen