2013_05_28

JoeEsco / photocase.com

Diskussion um das „Grüne Band“

Tagesthema 27. Mai 2013

Ein Vorschlag zur Güte sollte den anhaltenden Widerstand gegen das Naturschutzgroßprojekt „Grünes Band Eichsfeld-Werratal“ brechen: Die Förderkulisse wurde von rund 13.800 Hektar auf 9.600 reduziert. Die Gegner wollen trotzdem nicht nachgeben.

Landwirte und Grundeigentümer wehren sich gegen Naturschutzgroßprojekt an der ehemaligen innerdeutschen Grenze

„Landschaftspflege ja - Naturschutzgebiet nein“

Nur wenige hundert Meter vom Rand des Dorfes Weißenborn bei Göttingen entfernt liegt der einstige Todesstreifen. Weizenfelder reichen bis an den inzwischen stark verwilderten Kolonnenweg. Zwischen Harz und Hainich gilt die ehemalige innerdeutsche Grenze als einzigartiger Biotopverbund - mit wertvollen Lebensräumen für gefährdete Tier- und Pflanzenarten. „Es ist schön hier. Und es ist auch schützenswert“, sagt Landwirt Jens Luthin. Aber ein Naturschutzgroßprojekt „Grünes Band Eichsfeld-Werratal“, das Bund und Länder unter Federführung der Heinz-Sielmann-Stiftung planen, lehnt er ab.

Seit mehr als einem Jahr gibt es Streit um das Programm. Landwirte und Grundeigentümer werfen der Sielmann-Stiftung Undurchsichtigkeit vor. „Wir wissen nicht, was kommt. Das sagt uns keiner“, moniert Luthin. Grundeigentümer Friedrich Ehbrecht ergänzt: „Das Schlimmste wäre ein Naturschutzgebiet.“

Anfangs seien sie von dem Programm begeistert gewesen, sagen Luthin und Ehbrecht. Allerdings seien sie davon ausgegangen, dass das vom Bund sowie den Ländern Thüringen, Hessen und Niedersachsen mit rund zehn Millionen Euro geförderte Naturschutzvorhaben allein die ehemalige Grenze betreffe. Über die tatsächliche Dimension seien sie erschrocken: Links und rechts des 130 Kilometer langen Streifens sei das Planungsgebiet „ausufernd“ groß.

„Es heißt schließlich Grünes Band 'Eichsfeld Werratal' und nicht nur Grünes Band“, sagt der Projektleiter der als Träger fungierenden Heinz-Sielmann-Stiftung, Holger Keil. Eine Beschränkung auf den Grenzstreifen sei aus Naturschutzsicht nicht zielführend. Zunächst habe die Stiftung 13.800 Hektar als Kerngebiet sichern wollen. Wegen des scharfen Protestes sei die Förderkulisse aber auf 9.600 Hektar reduziert worden.

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Wanderer gehen in Gerblingerode (Niedersachsen) an der Grenze zu Thüringen am "Grünen Band" auf der ehemaligen Panzerstraße. Bild: Swen Pförtner / epd-Bild 

Etwa 60 Prozent der anvisierten Schutzflächen seien bereits in Besitz unterschiedlicher Naturschutzorganisationen. Den Rest wolle die Sielmann-Stiftung über Ankauf, Pacht und Ausgleichszahlung einbeziehen, erläutert Keil. Landwirte und Eigentümer sollten freiwillig an dem Programm mitwirken. „Wir zwingen keinen, der nicht will“, betont er.

„Freiwilligkeit? Kalte Enteignung nennt man das“, kritisiert Luthin. Betroffen sei nicht nur das im Kerngebiet liegende, sondern auch das daran angrenzende Ackerland. Dieses könne dann ebenfalls nicht mehr intensiv bewirtschaftet werden, da Einträge wie Dünger und Pflanzenschutzmittel laut Bundesumweltministerium fern gehalten werden müssten. Zudem sei unklar, ob aus dem Projekt später ein Naturschutzgebiet werde. „Dann werden die Auflagen noch schärfer“, vermutet der 44-jährige Landwirt.

„Keiner kann sagen, was in 20 Jahren sein wird“, betont Sielmann-Projektleiter Keil. Klar sei aber: Wo Fördermittel fließen, solle auch eine möglichst langfristige Wirkung erzielt werden.

„Nicht mit uns“, sagt Luthin. Die von ihm vertretene Interessensgemeinschaft umfasst Landwirte und Eigentümer aus 43 Dörfern der betroffenen Bundesländer Hessen, Niedersachsen und Thüringen. Auf Kompromisse wollten sie sich nur bedingt einlassen: „Landschaftspflege ja. Naturschutzgebiet nein.“

Von Carsten Albert (epd)

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