2013_05_19

Bild: endofparadox / photocase.com

Der Heilige Geist kommt

Tagesthema 18. Mai 2013

Pfingstbotschaft des Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider

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Detail mit Pfingstmotiv in einem Kirchenfenster im Bremer Dom. Bild: epd-Bild

Pfingsten feiert die wunderbare Einkehr von Gottes Geist in den Geist von Menschen. Diese Einkehr bewirkt Befreiung und einen neuen Aufbruch:

Menschen werden dazu befreit, sich getrost und hoffnungsvoll den irdischen Realitäten zu stellen. Menschen lassen sich durch Existenzängste und Enttäuschungen nicht von neuen Aufbrüchen abhalten. Allen Anfechtungen und Bestreitungen zum Trotz predigen von Gottes Geist begeisterte Menschen öffentlich von der Liebe und Gegenwart Gottes. In Jesus Christus wird sie für alle Menschen erfahrbar. Von Gottes Geist Begeisterte treten öffentlich ein für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.

Nicht mit Gewalt und militärischer Kraft zieht Gottes Geist in uns Menschen ein, sondern sanftmütig und beharrlich. Dieser Geist überwindet reale und mentale Mauern zwischen Menschen und Völkern. Dieser Geist beflügelt Mut und Hoffnung vieler Christinnen und Christen auf Veränderung. Zum Beispiel, dass sich unsere Einstellung zum Luxus ändert: „Soviel du brauchst“ – mit dieser Losung erinnerte uns vor zwei Wochen der Deutsche Evangelische Kirchentag in Hamburg in vielen Veranstaltungen und Formen daran, dass Christinnen und Christen für eine „Ethik des Genug“ einstehen. Dieses fröhliche Fest des Glaubens und des fairen Streitens war ein kleines Pfingstwunder unserer Tage: Menschen ringen um große Fragen und um konkrete Antworten für ihr persönliches Leben und für gesellschaftspolitische Krisen in unserem Land und weltweit. Sie tun dies lebhaft und engagiert, aber friedlich und in großer Vielfalt. 

Diese Kultur des Umgangs miteinander, dieser Pfingstgeist besonderer Art, tut Menschen in allen Bereichen des Lebens gut – auch in Wahlkämpfen.

Gottes Geist will Befreiung und Aufbrüche nicht mit Gewalt erzwingen. So heißt es im Wochenspruch für die Pfingstwoche aus dem Buch des Propheten Sacharja:

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen,
spricht der HERR Zebaoth. (Sacharja 4,6)

Diese Mahnung gilt besonders und ganz konkret für die vielen schlimmen Kriegs- und Konfliktherde unserer Welt. Die brutale Gewalt in Syrien lässt unseren Atem stocken. Und uns wird neu bewusst, dass Heere und militärische Kraft keinen nachhaltigen Frieden bewirken können.

Darum bitten wir besonders an diesem Pfingstfest um Gottes Geist für die politisch Verantwortlichen, die Kämpfenden und alle Opfer in allen Kriegsregionen:

Komm, Heiliger Geist, Herre Gott,
erfüll mit deiner Gnaden Gut,
Deiner Gläub’gen Herz, Mut und Sinn,
dein brennend Lieb entzündt‘ in ihn‘.
(Evangelisches Gesangbuch 125, 1) 

Bewegung der Begeisterten

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Der britische Künstler Martin Donlin schuf dieses Kirchenfenster mit Pfingstmotiv für die Pfingstkirchengemeinde Frankfurt-Griesheim. Es wurde auf mundgeblasenes Sicherheitsglas geätzt und auflaminiert. Bild: epd-Bild / Falk Orth  

Pfingsten ist ein geheimnisvolles Fest. Wer weiß schon, was der Name bedeutet? Und wer kennt noch seinen gedanklichen Horizont?

Antworten auf die Frage, was Pfingsten heutzutage bedeute, sucht der braunschweigische Landesbischof in der Pfingstausgabe der Evangelischen Zeitung. Er erkennt, das die Gabe des Heiligen Geistes Grundlage aller ökumenischen Bewegung ist.

„Pfingsten zeigt, dass die Christusgeschichte nicht mit Himmelfahrt abgeschlossen ist. Sie setzt sich fort in der Glaubensgeschichte des Volkes Gottes und jedes einzelnen Glaubenden. Auf diese Weise ist Pfingsten nicht zuletzt ein ökumenisches Fest der Gemeinschaft. Gerade am Pfingstmontag haben die Kirchen in jüngster Zeit versucht, diesem Gedanken Ausdruck zu verleihen. So hat zum Beispiel das Zentralkomitee der deutschen Katholiken vor einigen Jahren den Vorschlag gemacht, den Tag als „Fest der Einheit der Christen“ zu begehen.“

Zur Pfingstbetrachtung in der Evangelischen Zeitung

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Pfingsten:
Der Kick des Heiligen Geistes

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Landesbischof Ralf Meister erklärt, warum Pfingsten der Geburtstag der Kirche ist.

Pfingsten

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Ausschnitt eines Mosaiks im Portal des Berliner Doms mit Darstellung einer Taube als Symol des Heiligen Geistes. Bild: epd-Bild  

Pfingsten ist nach Ostern und Weihnachten das dritte große Fest im christlichen Kirchenjahr. Die in diesem Jahr auf dem 19. und 20. Mai liegende Feier ist auch ein Symbol für Kreativität und Neuanfang. Den biblischen Berichten zufolge schenkt Gott seit Pfingsten seinen Geist nicht mehr einzelnen Auserwählten, sondern jedem Gläubigen. Pfingsten gilt daher vor allem als das Fest des Heiligen Geistes.

Der Name Pfingsten geht auf das griechische Wort "pentekoste" (der fünfzigste) zurück, weil das Pfingstfest seit Ende des vierten Jahrhunderts fünfzig Tage nach Ostern gefeiert wird. In Erinnerung an die Ausgießung des Heiligen Geistes wird Pfingsten auch als "Geburtstag der Kirche" und Beginn der weltweiten Mission verstanden.

Die Bibel schildert nach Jesu Tod am Kreuz, der Auferstehung Christi und Himmelfahrt eine neue Gemeinschaft der Jünger: "Sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an, zu predigen in anderen Sprachen", heißt es in der Apostelgeschichte. Auf die Pfingsterzählung des Neuen Testaments dürfte auch die Redewendung "Feuer und Flamme sein" für "begeistert sein" zurückgehen: Bei dem Treffen der Jünger "sah man etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden von ihnen ließ sich eine Flammenzunge nieder", heißt es.

Petrus rief der Überlieferung zufolge die Menschen daraufhin auf, Buße zu tun und sich auf den Namen Jesu Christi taufen zu lassen. Ihm folgten laut Pfingsterzählung an dem Tag rund 3.000 Menschen. Bis zum vierten Jahrhundert wurde an Pfingsten zugleich Christi Himmelfahrt gefeiert. Erst später entwickelten sich daraus zwei eigenständige Feiertage. Im Kirchenkalender endet mit Pfingsten die österliche Festzeit.

epd