2013_05_14

Bild: Barbara Frommann / epd-Bild

„Es geht um Gleichberechtigung“

Tagesthema 13. Mai 2013

Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt über das neue Schulfach Islamische Religion

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Kultusministerin Frauke Heiligenstadt

Seit mehreren Jahren erprobt Niedersachsen an zahlreichen Schulen islamische Religion als Schulfach. Vom kommenden Schuljahr an will Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) die Pläne nun flächendeckend umsetzen. Gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen ist das Land damit Vorreiter unter den Bundesländern. Im epd-Gespräch erläutert die Ministerin die Hintergründe.

epd: Frau Heiligenstadt, die schwarz-gelbe Vorgängerregierung hat große Anstrengungen unternommen, einen flächendeckenden islamischen Religionsunterricht zum kommenden Schuljahr auf den Weg zu bringen. Wird es dabei bleiben?

Heiligenstadt: Ja, es wird in jedem Fall dabei bleiben. Wir werden zum kommenden Schuljahr in Grundschulen und im Sekundarbereich I flächendeckend an den allgemeinbildenden Schulen einen islamischen Religionsunterricht als ordentliches Unterrichtsfach aufsteigend anbieten, wenn sich ausreichend Schülerinnen und Schüler finden, die das Angebot annehmen wollen. Allerdings ist es kein schwarz-gelbes Projekt gewesen, diesen Unterricht einzuführen. Das rührt noch aus der vorherigen SPD-Landesregierung. Unter Ministerpräsident Sigmar Gabriel ist das Projekt 2002 gestartet worden. Und ich bin froh, dass die das Vorgängerregierung das weiterentwickelt hat und ich das jetzt verstetigen kann.

Genügend Lehrkräfte?

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Emin Alan unterrichtet 13 Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse  eines Gymnasiums im neu eingerichteten Fach "deutschsprachiger Islamunterricht". Bild: version / epd-Bild

epd: Wenn Sie 49.000 muslimischen Schülerinnen und Schülern einen Religionsunterricht anbieten wollen - haben Sie denn genug ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer dafür?

Heiligenstadt: Das hängt davon ab, an wie viel Schulen dieser Unterricht nachgefragt wird. Im Moment findet er nur an 48 der insgesamt 3.000 allgemeinbildenden Schulen statt. Wir wollen aber versuchen, den Bedarf insgesamt zu decken. Seit einigen Jahren werden für diesen Religionsunterricht Lehrerinnen und Lehrer aus- und weitergebildet, so dass ich ganz zuversichtlich bin.

epd: Rechnen Sie mit einem großen Interesse unter den Schülerinnen und Schülern?

Heiligenstadt: Es ist sicherlich sehr unterschiedlich. Wir haben viele Schulen, in denen muslimische Schülerinnen und Schüler bisher am evangelischen oder katholischen Religionsunterricht teilnehmen und keinen eigenen Bedarf geäußert haben. Das kann sich bei Einführung des islamischen Religionsunterrichtes allerdings ändern.

Bildungsauftrag wahrnehmen

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"Deutschsprachiger Islamunterricht" Bild: version / epd-Bild

epd: Gibt es besonders hervorstechende Regionen?

Heiligenstadt: In den Ballungsgebieten haben wir natürlich mehr Kinder mit muslimischer Religionszugehörigkeit als im ländlichen Raum. Im ländlichen Raum könnte es stellenweise daher an ausreichender Schülerzahl für die Einrichtung von islamischem Religionsunterricht fehlen, denn das Schulgesetz setzt dafür zwölf Schülerinnen und Schüler voraus.

epd: Aus welchem Grund starten Sie das neue Fach - geht es um Integration?

Heiligenstadt: Der Bildungsauftrag der Schule verlangt, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, nach ethischen Grundsätzen zu handeln sowie religiöse und kulturelle Werte zu erkennen und zu achten. Wir haben eine Veränderung in der Zusammensetzung unserer Gesellschaft. Und da geht es natürlich auch um die Gleichberechtigung aller Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen.

epd: Kann der geplante Staatsvertrag mit den Muslimen dem Unterricht weiterhelfen?

Heiligenstadt: Wenn islamischer Religionsunterricht ein normales Unterrichtsfach wird, dann bedeutet das zum Beispiel, dass es Noten gibt, und dass es versetzungsrelevant ist. Ich kann mir vorstellen, dass das in diesen Staatsvertrag integriert werden kann.

Aufwertung für Schülerinnen und Schüler

epd: Ist der Unterricht eine Aufwertung für die muslimischen Schülerinnen und Schüler?

Heiligenstadt: Er baut zumindest Benachteiligungen ab. Die Schülerinnen und Schüler sind ja mit dem regulären Unterrichtsfach jetzt in der Lage, andere Noten in anderen Fächern ausgleichen zu können.

epd-Gespräch: Michael Gra

„Recht auf Unterricht in der eigenen Religion“

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„Gerade als evangelische Kirche befürworten wir, dass jedes Kind das  Recht auf Unterricht in seiner eigenen Religion hat. Denn der Dialog unter den Religionen kann nur gelingen, wenn bereits Kinder und Jugendliche sowohl ihre eigene als auch fremde Religionen kennen lernen. Der offene Umgang mit Menschen anderer Religionen, ihre Achtung und ihr Schutz gehören zum Selbstverständnis des christlichen Glaubens. Deshalb haben wir als eine der ersten Schulen im Sekundarbereich I in Niedersachsen den islamischen Religionsunterricht eingeführt und werden uns an der Entwicklung eines Curriculums beteiligen.“

Oberlandeskirchenrätin Dr. Kerstin Gäfgen-Track

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Bild: misterQM / photocase.com

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Deutschsprachiger Islamunterricht. Bild: Barbara Frommann / epd-Bild