Ostern weist über die Wunde hinaus

Tagesthema 30. März 2013

Wunder (Ostersonntag)

„Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh´n“, „Wunder gibt es immer wieder“, „Wunder gescheh´n“ - Zara Leander, Katja Ebstein und Nena haben das Wunder in unseren Alltag gesungen. Dort können wir uns Orte des Wunders nicht aussuchen. Wir können nur unsere Sinne für das Unwahrscheinliche schärfen und es in unserem Alltag voller Hoffnung erwarten.

Noch einmal fällt der Blick in den sandgestrahlten Spiegel von Karfreitag. Alles matt. Nur in der Mitte ein Wort. „Wunde r“. An Karfreitag blieb der Blick an der „Wunde“ hängen. Doch es ist Ostern geworden. Zeit der Auferstehung. Aus der Wunde entsteht ein Wunder. An Jesus, der aus der Zuwendung Gottes lebte und sie anderen mitteilte, werden diese alltäglichen, doppeldeutigen Erfahrungen, die auch Zufälle sein könnten, eindeutig und glaubwürdig. Denn er verkündigt keine heile Welt. Die Wunden bleiben. Seine Wundmale waren nach seiner Auferstehung sichtbar, fühlbar für den zweifelnden Thomas. Doch Ostern weist über die Wunde hinaus und lässt das Wunder in den Blick geraten. Jesu Auferstehung stärkt uns, mit unseren Wunden umgehen zu können. Unser Leben ist vom Wunder überschrieben, nicht länger nur von der Wunde.

Ausschnitthaft wird es bleiben, denn der Spiegel bleibt an vielen Stellen matt. Doch die Wunder, von denen uns erzählt wird und die wir in unserem Leben entdecken, sind verheißungsvolle Zeichen, in die wir unsere Hoffnung einschreiben können. In den Spiegelminiaturen sehen wir Facetten unseres Lebens und erkennen, wie wir längst erkannt sind. „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.“ (1. Korintherbrief 13,12 )

Landesbischof Ralf Meister

Das Stichwort: Ostern

Ostern ist das älteste und wichtigste Fest der Christenheit. Es erinnert an die Mitte des christlichen Glaubens: die Auferstehung Jesu Christi von den Toten nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz. Das Osterfest ist daher ein Symbol für den Sieg des Lebens über den Tod. In der frühen Christenheit fanden oft Taufen an diesem Tag statt.

Im Jahr 325 bestimmte das Konzil von Nicäa den Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling als Ostertermin. Seither wird das Auferstehungsfest in den westlichen Kirchen zwischen dem 22. März und dem 25. April begangen. Die orthodoxen Kirchen, die sich nach dem alten julianischen Kalender richten, feiern meist an einem anderen Datum.

Ostern hat sich wohl aus dem jüdischen Passah-Fest entwickelt. Trotz der Loslösung vom Judentum blieben wichtige Parallelen bestehen: Passah, die Erinnerung an den Auszug der Juden aus Ägypten, liegt in zeitlicher Nähe zu Ostern. Viele Inhalte des Passah-Festes haben ein Gegenstück in der christlichen Symbolik. So erinnert das Osterlamm, das aus dem an Passah geschlachteten Lamm hervorgeht, an das Sühneopfer Jesu, der dem christlichen Glauben nach zur Erlösung der sündigen Menschen starb.

epd