2012_04_06

 Bild: SarahC. / pixelio.de

Das Kreuz

Tagesthema 29. März 2013
Karfreitag 5
Die Dornenkrone ist Bestandteil des Früchteteppichs in der Alten Kirche von Hünfeld-Sargenzell bei Fulda Bild: Norbert Neetz / epd-Bild

Die Karsamstagseinstellung

gorka-eckhard

Karsamstag. Der Tag der Zweifler und Verzweifelten. Der Tag, an dem die Jünger  Jesu vor den Scherben ihres Lebens stehen. Ihr gekreuzigter Herr Jesus Christus liegt im Grab. Mitbegraben sind ihre Hoffnungen, die sie mit dem Messias verbanden. Jahrelange Gemeinschaft, Aufbruchstimmung, Erfüllung der Verheißungen - alles vergeblich?

Mit diesen Karsamstagsjüngern sagen wir: Die Augen sind doch immer noch das
verlässlichste Sinnesorgan. Ich glaube nur, was ich sehe. Und tot ist tot. Schnell zurück ins Museum mit dem Glauben. Der ist was für Kinder und alte Leute. Aber nicht für mich. So ist das Leben: Wir werden geboren, schlagen uns so durch und müssen sterben. Machen wir uns nichts vor.

Vieles spricht für die Karsamstagseinstellung. Nachrichten von gierigen Menschen, von der Angst um die Endlichkeit des Lebens. Dort gibt es zähe Friedensgespräche und andernorts wird von unvorstellbarer Gewalt berichtet. Wir sammeln Festtagsrezepte und andere müssen stundenlang um Trinkwasser anstehen. Nachrichtenroutine in der Welt zwischen Geburts- und Todesanzeigen. Aber nun haben uns die über den Tod ihres Herrn verzweifelten Jünger eine weitere Nachricht zukommen lassen:

„Am ersten Tag der Woche kommt Maria von Magdala früh, als es noch finster war, zum Grab und sieht, dass der Stein vom Grab weg war. Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem andern Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Da ging Petrus und der andere Jünger hinaus, und sie kamen zum Grab. Es liefen aber die zwei miteinander, und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst zum Grab, schaut hinein und sieht die Leinentücher liegen; er ging aber nicht hinein. Da kam Simon Petrus ihm nach und ging in das Grab hinein und sieht die Leinentücher liegen, aber das Schweißtuch, das Jesus um das Haupt gebunden war, nicht bei den Leinentüchern liegen, sondern daneben, zusammengewickelt an einem besonderen Ort. Da ging auch der andere Jünger hinein, der zuerst zum Grab gekommen war, und sah und glaubte.“ (Johannesevangelium Kapitel 20)

Von einem Tag auf den anderen hat sich die Lage völlig verändert.

Christus ist auferstanden.

Er ist wahrhaftig auferstanden. Es ist Ostern. Aus Zweifel wird Glaube, aus Resignation wird Hoffnung, aus Mutlosigkeit wird Kraft. Zweiflern und Verzweifelten verdanken wir die Entstehung der christlichen Gemeinde. Keine Nachricht hat seither die Menschheit nachhaltiger bewegt. Der Gekreuzigte ist nicht im Grab geblieben. Gott hat ihn auferweckt. Mit seiner Auferweckung wird der Glaube der Zweifler neu belebt. Alles, wirklich alles Sichtbare ist vorläufig geworden: Alles, worüber wir uns freuen, alles, was uns misslingt und bedrückt. Der Stein, der das Grab verschloss, ist in die Fundamente des Glaubens eingefügt worden. Die Ausnahme ist der Anfang der neuen Regel. Gott hat seinen Sohn zu sich geholt - nicht, um ihn uns wegzunehmen. Er hat ihn uns wiedergegeben. Neu wiedergegeben.

Landessuperintendent Eckhard Gorka

Gekreuzigt!

Karfreitag 1
Kruzifix im Zwickauer Dom St. Marien, Bild: Norbert Neetz / epd-Bild

Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.

Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen! Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um. Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles.

Und siehe, da war ein Mann mit Namen Josef, ein Ratsherr, der war ein guter, frommer Mann und hatte ihren Rat und ihr Handeln nicht gebilligt. Er war aus Arimathäa, einer Stadt der Juden, und wartete auf das Reich Gottes. Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu und nahm ihn ab, wickelte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch nie jemand gelegen hatte. Und es war Rüsttag und der Sabbat brach an. Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm gekommen waren aus Galiläa, und beschauten das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde. Sie kehrten aber um und bereiteten wohlriechende Öle und Salben. Und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gesetz.

Lukasevangelium 23,46-56