2013_03_27

Bild: Susanne Hübner / epd-Bild

Ein Haus voller Ostereier

Tagesthema 26. März 2013

Roswitha Gehlhaar ist das ganze Jahr von Ostereiern umgeben. Seit vielen Jahren zeigt die Malerin ihre fragilen Werke auf Kunstmärkten. Nun hat sie eine eigene Ausstellung eröffnet - 10.000 Eier in verschiedenen Räumen ihres Hauses.

Täglich bis zu 60 Eier

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Die Kunsthandwerkerin Roswitha Gehlhaar dekoriert einige Zweige mit bunten Ostereiern. Bild: epd-Bild / Susanne Hübner

Eier, Eier und noch mehr Eier. Im Atelier von Roswitha Gehlhaar türmen sich die Papp-Paletten mit bunten „Rohlingen“. Sortiert nach Farben wie Schweinchenrosa, Kornblumengelb oder Grasgrün warten sie darauf, von der 53-Jährigen aus Oberg bei Peine verziert zu werden. Täglich schafft sie etwa 50 bis 60 Eier. An den rund 10.000 Eiern, die sie nun erstmals für Besucher in ihrem Wohnzimmer, der Küche, im Flur und im ehemaligem Kinderzimmer ausstellt, hat sie knapp ein Jahr gepinselt.

„So wie andere morgens ins Büro gehen, gehe ich eben in meine Malecke“, sagt Gehlhaar und tupft mit einem Stecknadelkopf weiße Punkte auf ein grasgrün grundiertes Ei. Schlichte Muster, schwungvolle Linien und stilisierte Blüten sind ihre Motive. „Andere Künstler bringen aufwendige Gemälde auf die Schalen, aber die kann sich hinterher ja keiner mehr leisten“, sagt sie. „Ich will eher etwas schaffen, das zugleich simpel, aber auch faszinierend ist.“

Hobby zum Beruf gemacht

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Pro Tag bemalt Roswitha Gehlhaar bis zu 60 der Kunstwerke in verschiedenen Größen. Bild: epd-Bild / Susanne Hübner

Jedes Ei erhält zunächst eine Grundfarbe. Allein diese muss bis zu viermal übereinander aufgetragen werden, bis sie zufriedenstellend deckt. Dann folgen weitere acht Arbeitsschritte, in denen nach und nach die Verzierungen aufgebracht werden. Langeweile entsteht dabei nicht, versichert die Künstlerin: „Auch wenn sich diese Arbeit zunächst sehr monoton anhört, so sind am Ende doch keine zwei Eier exakt gleich bemalt.“

Gehlhaar hat ihr Hobby zum Beruf gemacht: „Angefangen hat das vor über 25 Jahren mit einem Kurs für Bauernmalerei“, sagt sie. Ihre frühen Werke verschenkte sie an Freunde und Bekannte, dann kamen immer mehr Nachfragen. Vor Jahren begann sie dann, auf Hobby-Märkten einen Stand zu betreiben, auf dem sie verzierte Vasen, Schalen, Truhen oder sogar bemalte Bügeleisen präsentierte. „Auf das Osterei bin ich erst viel später gekommen“, sagt sie.

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Für Striche benutzt die Künstlerin einen feinen Rotmarderpinsel. Bei Punkten kommt eine in einen Holzstift gesteckte Stecknadel zum Einsatz. Bild: Susanne Hübner / epd-Bild

Inzwischen verziert Gehlhaar Eier jeder Größe mit geübten Handgriffen - egal ob von Wachtel, Fasan, Huhn, Gans oder gar Strauß. Selbst ausblasen, darf sie ihre Rohlinge allerdings nicht: „Das könnte ein Mensch gar nicht rückstandsfrei bewerkstelligen.“ So lässt sie sich von Geflügelfarmen mit hygienisch einwandfreien Eiern beliefern. Aus Käfighaltung stamme kein einziges, versichert sie: „90 Prozent sind ohnehin aus stabilem Plastik. Das wird sonst für Ping-Pong-Bälle verwendet.“

Die Eier aus Oberg finden sich bereits im gesamten norddeutschen Raum wieder. Sogar einige traditionsreiche Druckereien bestellen sie bei Gehlhaar als Accessoire zu Blaudruck-Stoffen. „Und auch im Osterstrauß auf dem Altar im Lüneburger Kloster Medingen waren im vergangenen Jahr einige meiner Eier versteckt“, sagt die Künstlerin.

Um Arbeitsaufträge muss sie sich wenige Sorgen machen. Auf der einen Seite stimme sie das natürlich froh, es mache aber auch nachdenklich. Gehlhaar fühlt sich immer öfter als eine der letzten ihrer Art: „Junge Menschen interessieren sich nicht so sehr für dieses Nischenhandwerk.“

Von Björn Schlüter (epd)

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Innerhalb eines Jahres hat die 53-jährige Roswitha Gehlhaar rund 10.000 Eier dekoriert. In diesem Jahr präsentiert sie ihr Handwerk erstmals in verschiedenen Räumen ihres Wohnhauses in Oberg im Landkreis Peine. Bild: Susanne Hübner / epd-Bild

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Eier von Käthe und Rosalinda

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Karin Müller kann durchs Küchenfenster sehen, woher ihr Frühstücksei stammt. Hahn Carl-Gustav und seine Hennen Käthe, Rosalinda und Henriette scharren in einem Gehege im Sand. Nebenan haben drei chinesische Seidenhühner ihr Quartier. Nicht erst seit dem jüngsten Skandal um falsch deklarierte Eier setzt die 45-Jährige Autorin aus Wettmar bei Hannover auf die Hühnerhaltung im eigenen Garten. „Mir ist es sympathischer, zu wissen, aus wessen Hintern die Eier kommen“, sagt sie schmunzelnd.

Das Ei vom eigenen Huhn liegt wieder Trend, wie Elke Bretzigheimer vom „Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter“ in Offenbach bestätigt. „Wir haben zunehmend Nachfragen von Menschen, die das interessiert.“ Magazine, die wie „Landlust“ bäuerliches Ambiente beschreiben, beflügelten die Entwicklung. Die jüngste Diskussion um Haltungsbedingungen für Legehennen werde sie weiter bestärken, ist die Geschäftsführerin des Verbandes mit knapp 200.000 Mitgliedern überzeugt.

„Eigentlich kann jeder ein Huhn halten“, sagt Bretzigheimer. Was den Platz angeht, gelten für Privathalter die gleichen Vorschriften wie für gewerbliche Betriebe. Und die sind nicht schwer zu erfüllen. Die Tiere müssen dem örtlichen Veterinäramt gemeldet werden. „Vor allem sollte man mit den Nachbarn sprechen“, betont die Expertin. Probleme kann bekommen, wer auch einen Hahn möchte. Ob und wann Nachbarn das Krähen erdulden müssen, hat schon häufiger die Gerichte beschäftigt.

Auch ohne Hähne legen Hühner Eier, erläutert Bretzigheimer: „Aber es ist für sie angenehmer, wenn es einen Ordnungshüter in der Hennenbande gibt.“ Tipps für die artgerechte Pflege geben Geflügelzüchter, Ratgeberliteratur oder Tierschutzverbände. „Sitzstangen im Stall und ein Auslauf, in dem die Hühner scharren, picken und Sonnenbaden können sind wichtig“, sagt Verena Stampe von Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung PROVIEH in Kiel. Selbst Futtermittelproduzenten wie die „Deutsche Tiernahrung“ werben für die Idee vom Huhn als Hobby, das natürlich auch Arbeit macht.

„Es gibt einen Trend, Dinge wieder selber zu machen“, weiß auch Nanda Dukat vom Marktforschungsinstitut rheingold. „Dahinter verbirgt sich der Wunsch, Abläufe nachvollziehen zu können, was in der globalisierten Wirtschaft ja nicht so leicht ist“, erläutert die Projektleiterin des Kölner Instituts für qualitative Marktforschung. „Wenn ich meine Hühner selbst füttere, weiß ich auch, was sie fressen, und wo das Futter herkommt.“

Wo Computer und Smartphone Daten überall zugänglich machten, verschwömmen Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Im Gegenzug boomten Freizeit-Handwerk und Handarbeit, heißt es in der rheingold-Studie „Sehnsucht nach einer heilen Welt“. „Wer etwas handwerklich herstellt, fühlt den Produktionsstolz, der im Arbeitsalltag verloren gegangen ist“, sagt Dukat. Sie sieht darin durchaus Positives. „So kann der Funke auch zu grundlegenderem Wandel entstehen, das Projekt zum Carsharing etwa oder die Initiative, die auf Brachland Gemüse anbaut.“

Karin Müller hatte vor neun Jahren zunächst eine Henne in Pflege. „Ich wollte, dass mein Kind sieht, woher die Eier kommen“, sagt die Mutter einer elfjährigen Tochter. Ihre Hühner haben einen großen Auslauf. Auch der Stall bietet viel Platz – selbst als die Tiere in Zeiten der Vogelgrippe nicht nach draußen durften. Die Hennen legen mehr, als die kleine Familie braucht. Freunde sind deshalb Hühner-Paten und bekommen Eier ab. Und so selbstverständlich, wie die Hühner Namen tragen, sollen sie auch alt werden und eines natürlichen Todes sterben dürfen. „Wir sind Vegetarier."

Von Karen Miether (epd)