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Bild: Dethard Hilbig

 

„Wort halten“

Tagesthema 21. März 2013

Vor 850 Jahren am 21. März, dem Todestag von Bendikt von Nursia, wurde das Kloster im niedersächsischen Loccum von Zisterzienser-Mönchen gegründet. Es ist nicht nur spirituelles Zentrum der hannoverschen Landeskirche, es hat auch staatsrechtlich im Nachkriegsdeutschland eine wegweisende Rolle.

Ort, der Zeit für Liebe und Treue bietet

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"Er sendet sein Wort, da schmilzt der Schnee; er lässt seinen Wind wehen, da taut es." Psalm 147 zitierte Landesbischof Ralf Meister zu Beginn seiner Predigt. Bild: Dethard Hilbig

Mit einem Festgottesdienst und einem anschließenden Empfang in der Klosterkirche haben am Donnerstag die Feierlichkeiten zum 850-jährigen Bestehen des evangelischen Klosters Loccum begonnen. Prominente Vertreter aus Kirche und Politik würdigten vor mehr als 1.000 Gästen die spirituelle und staatsrechtliche Bedeutung des Klosters, die bis Ende Oktober gefeiert werden soll. Zum Jubiläum sind mehrere Hundert Veranstaltungen geplant. Die Initiatoren rechnen mit mindestens 150.000 Besuchern.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister würdigte das von Zisterzienser-Mönchen gegründete Kloster als einen Ort, der Zeit biete für Liebe und Treue „gegen eine Gewalt der Ökonomisierung“. Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) bezeichnete Loccum als Wiege des Staatskirchenrechts in Deutschland. Hier sei 1955 der bundesweit erste Staatskirchenvertrag unterzeichnet worden.

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Landesbischof Ralf Meister und Abt Horst Hirschler hören zu. Bild: Dethard Hilbig

„Das Land Niedersachsen und die Landeskirchen bekennen sich darin eindeutig zum öffentlichen Auftrag der Kirche in einem säkularen Staat“, betonte Busemann. „Damit wirkten sie richtungsweisend für die junge Bundesrepublik.“ Mittlerweile gebe es in allen Bundesländern Staatskirchenverträge. Angriffe auf Religionsunterricht, kirchliches Arbeitsrecht und Staatsleistungen an die Kirchen bezeichnete Busemann als „überhöhten Laizismus“. Die Freiheit der Kirchen gehöre zu den wichtigsten Grundlagen einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung.

Das 1163 von Zisterzienser-Mönchen aus Volkenroda in Thüringen gegründete Kloster biete den Menschen eine Chance, dem Alltag zu entkommen, betonte zuvor Landesbischof Meister. Die moderne Gesellschaft brauche feste Orte, Zeiten und Rhythmen. Der Generalabt des Zisterzienserordens, Mauro-Giuseppe Lepori, bekräftigte die lebendige Gemeinschaft der Ordensfamilie, zu der Loccum in gegenseitiger Achtung und Brüderlichkeit gehöre. „Keine Spaltung wird das Feuer des Geistes löschen.“ Lepori war zum Jubiläum erstmals aus Rom nach Loccum gekommen.

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Gemeinsam einziehen (von links nacht rechts): Generalabt Mauro-Giuseppe Lepori, Landesbischof Ralf Meister, Abt Horst Hirschler, Landtagspräsident Bernd Busemann. Bild: Dethard Hilbig

Zu Beginn der Feierlichkeiten war Abt Horst Hirschler mit Krummstab und Mitra in die Klosterkirche eingezogen. Es sei „eine Wegstrecke voller Wunder“, dass das Kloster noch bestehe, sagte Hirschler in seiner Begrüßung. Es habe die Misswirtschaft einiger Äbte, die Reformation, Napoleon, den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 und die NS-Zeit überlebt, bilanzierte der frühere hannoversche Landesbischof, der dem Kloster seit 13 Jahren vorsteht. In seinen Mauern hingen gregorianische Gesänge ebenso wie lutherische Choräle, dazu „die stummen Schreie der Herzen, Höhen und Tiefen des Lebens“.

Das Kloster wurde um 1600 evangelisch. Es gilt als geistliches Zentrum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der mit rund 2,8 Millionen Mitgliedern größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Heute werden dort in einem Predigerseminar angehende Pastorinnen und Pastoren für Niedersachsen und Bremen ausgebildet.

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Geistliches Zentrum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

Kreuzgang
Der Kreuzgang in Loccum, Bild: Jens Schulze

Das evangelische Kloster Loccum bei Nienburg feiert in diesem Jahr sein 850-jähriges Bestehen. Bis Ende Oktober sind im Kloster mehrere Hundert Veranstaltungen geplant, darunter eine Lesung mit dem Literaturnobelpreisträger Günter Grass. Das Jubiläum steht unter dem biblischen Motto „Wort halten“. Die Initiatoren erwarten mindestens 150.000 Besucher.

Das Kloster gilt als geistliches Zentrum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der mit rund 2,8 Millionen Mitgliedern größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Heute werden dort in einem Predigerseminar angehende Pastorinnen und Pastoren für Niedersachsen und Bremen ausgebildet.

Zisterzienser-Mönche aus Volkenroda in Thüringen gründeten 1163 das Kloster. Die Geschichte ist in der wertvollen Klosterbibliothek mit 80.000 Bänden dokumentiert, deren Bestände lückenlos bis ins Gründungsjahr zurückreichen. Um 1600 wurde das Kloster evangelisch. Gemeinsam mit dem Kloster Maulbronn in Baden-Württemberg gilt Loccum als besterhaltenes Zisterzienser-Kloster nördlich der Alpen. Die Klosterkirche wurde zum Jubiläum für 3,3 Millionen Euro grundlegend saniert. Zudem erhielt die Kirche für rund eine Million Euro eine neue Orgel. Das Geld dafür stammt von Sponsoren.

Das Festprogramm umfasst mehr als 100 Musik- und Literaturveranstaltungen und 650 Klosterführungen. Der Gesamtetat liegt bei rund 500.000 Euro, die ebenfalls von Sponsoren kommen. Jeden Tag werden zu festen Zeiten drei Andachten gefeiert. Auf einer Wiese am Kloster entsteht zeitlich befristet ein großes Klostercafé. Erstmals seit Jahrzehnten wird von März bis Oktober 2013 eine Buslinie direkt von Hannover nach Loccum führen.

Alles rund um das Jubiläum

ARD überträgt Ostergottesdienst aus Kloster Loccum

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Die Tür zum Kloster. Bild: Dethard Hilbig

Die ARD überträgt am Ostermontag einen Fernsehgottesdienst aus dem Kloster Loccum, das in diesem Jahr 850 Jahre alt ist. Sterben und Auferstehung, Tod und Leben stehen im Mittelpunkt der Feier, in der der hannoversche Landesbischof Ralf Meister predigen wird, wie die Kirche im NDR am Donnerstag in Hamburg mitteilte. Die Liturgie gestalten der Abt und Prior des Loccumer Klosterkonvents, der frühere Landesbischof Horst Hirschler, und der Geistliche Vizepräsident des hannoverschen Landeskirchenamtes, Arend de Vries. Das Erste überträgt die Sendung von 10 bis 11 Uhr.