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Bild: Treeske Hönemann

1685 bis 1890 digital erfasst

Tagesthema 15. März 2013

Geschichte auf einem USB-Stick

Alte Kirchenbücher sind Geschichtsbücher, die viel aus dem Leben vergangener Jahrhunderte erzählen. Man muss nur Zugang zu ihnen haben, und man muss sie lesen können. Ein Arbeitskreis aus dem Barsinghäuser Ortsteil Hohenbostel hat viel für Heimatforscher und die Familienkunde getan. Er hat alte Kirchenbücher aus den Jahren 1685 bis 1890 in deutscher Schrift in unsere heutige lateinische Schrift übertragen, jede Amtshandlung handschriftlich auf ein Blatt Papier notiert und außerdem in den Computer eingegeben. Das Projekt hat 15 Jahre in Anspruch genommen.

Die Bevölkerung im Kirchspiel Hohenbostel und der Kirchengemeinde Luttringhausen war im 17. und 18. Jahrhundert bäuerlich strukturiert. Die Kindersterblichkeit war hoch, viele Frauen starben im Wochenbett. Krankheiten wie Blattern und Frieseln führten mitunter dazu, dass mehrere Kinder einer Familie innerhalb einer Woche beerdigt werden mussten. Die Menschen wurden selten älter als 50 Jahre.

All das ist herauszulesen in den alten Kirchenbüchern aus Hohenbostel und Luttringhausen anhand der Eintragungen zu Heiraten, Taufen, Beerdigungen. Es ist das Verdienst einer etwa zehnköpfigen Gruppe um den 92-jährigen Heimatforscher Heinrich Ohlendorf, dass nun jeder sich im Pfarramt Hohenbostel einen USB-Stick aushändigen lassen kann, um vielleicht etwas über seine Familiengeschichte zu erfahren. Die Gruppe hat die Daten aus den Kirchenbüchern der Jahre 1685 bis 1890 in unsere heutige lateinische Schrift übertragen. Das sind 14019 Amtshandlungen, die zunächst jede für sich auf ein Blatt Papier notiert und dann in den Computer eingegeben wurde. Mehrfach wurde Korrektur gelesen.

Im Pfarramt der Thomaskirche in Hohenbostel wird ein Schatz verwahrt: Das Kirchenbuch aus den Jahren 1685 bis 1790. Es ist das älteste, dass den Gemeinden erhalten geblieben ist. Die Pastoren, sagt Ohlendorf, haben damals sehr bildhaft ihre Anmerkungen aufgeschrieben. Mühevoll war es für den Arbeitskreis, die Handschriften zu entziffern. „Mich hat bewegt, wie die Pastoren Menschen beurteilt haben“, sagt Ohlendorf. In den Eintragungen sei von umgänglichen oder fleißigen Leuten die Rede, von sogenannten Hurkindern, unehelichem Nachwuchs der Mägde. Aber er habe auch den Eintrag „hoffentlich war ihre Seele bereit“ über eine verstorbene Frau gefunden, die nie zum Gottesdienst gekommen war.

Die Initiative für das Projekt war vor mehr als 15 Jahren vom Barsinghäuser Verein für Orts- und Familienkunde ausgegangen. Ohlendorf wurde gefragt, ob er Interesse habe, alte Kirchenbücher in Barsinghausen aus deutscher in lateinische Schrift abzuschreiben und damit für jüngere Generationen wieder lesbar zu machen. Dass das Vorhaben so lange dauerte, hat auch damit zu tun, dass der Kreis zunächst nur im Winter abschnittsweise seiner Arbeit nachging. Grundlage waren die Kopien der Seiten aus den Kirchenbüchern, die auf Mikrofilm im Kirchenbuchamt Hannover festgehalten sind.

Von Treeske Hönemann (Evangelische Zeitung)

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