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„Für dich ist alles drin“

Tagesthema 06. März 2013

„Initiative Konfirmandenzeit“ bewirbt den Konfirmandenunterricht mit einer bunten Kampagne

Leuchtend orange wirbt sie mit einem Versprechen: „Für dich ist alles drin!“ Das steht auf den Taschen, mit denen die hannoversche Landeskirche ab sofort für die Konfirmandenzeit wirbt. „Wir bemühen uns damit, dichter an die Lebenswelt der Jugendlichen heranzukommen“, erläutert Oberkirchenrat Gerd Brinkmann das Kooperationsprojekt, an dem auch das Religionspädagogische Institut Loccum und das Evangelische MedienServiceZentrum beteiligt sind.

Neben der attraktiven Umhängetasche gehören auch ein praktischer Sammelordner und Unterrichtsmaterialien zu der Offensive, mit der die Kirche Konfirmationen wieder ein Stück weit attraktiver machen möchte. „Noch kommen rund 90 Prozent eines protestantischen Jahrgangs zum Konfirmandenunterricht“, sagt Brinkmann. Rund um die urbanen Ballungszentren Hannover, Hamburg und Bremen sprechen die Gemeinden jedoch nur um die 60 Prozent der Jugendlichen mit evangelischer Konfession an. „Sich konfirmieren zu lassen, verliert an Selbstverständlichkeit“, sagt der Theologe.

Während früher viele Eltern von sich aus tätig wurden und ihre Kinder zum Unterricht anmeldeten, spricht die „Initiative Konfirmandenzeit“ nun direkt die Schülerinnen und Schüler an: „Wir haben deshalb eine Karte vorbereitet, mit der Jugendliche angeschrieben werden können.“ Brinkmann unterstreicht, dass den einzelnen Gemeinden jedoch viel Freiheit bei der Ausgestaltung des „Konfi-Programms“ eingeräumt werde, um die jeweiligen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen zu treffen, die je nach Wohnumfeld unterschiedlich sein könnten.

In einer Gemeinde, in der beispielsweise alle Konfirmanden Ganztagsschulen besuchten, seien eigene Ansätze nötig; wieder andere in stark ländlich geprägten Gegenden, erläutert er. So hätten sich in den zurückliegenden Jahren die Modelle, wie der Unterricht abgehalten werde, erheblich fortentwickelt.

Konfirmandenzeit soll spannend und modern werden. Wichtig sei, dass Glaube für die Jugendlichen erfahrbar gemacht werde, so Brinkmann. Wissensvermittlung trete im Vergleich zu früheren Zeiten etwas in den Hintergrund. So sollten sich Jugendliche auch mit eigenen Fragen einbringen und so die Inhalte des „KU“ mitbestimmen: Eine der Unterrichtseinheiten, die Praktiker nach den Wünschen von Konfirmanden für die Initiative entwickelt haben, frage daher auch, welche Themen für die Jugendlichen im Mittelpunkt stünden.

Das frische und lebendige Design der Materialien, zu denen auch bunte Sticker gehören, habe bereits die kritische Prüfung durch Kinder und Jugendliche bestanden, sagt Brinkmann. Außerdem hält die Landeskirche Mustertexte, beispielsweise für Konfirmationsordnungen, bereit.

Dabei haben die Verantwortlichen darauf geachtet, die Texte weniger abstrakt zu formulieren, als es etwa kirchliche Gesetze und Verordnungen sind. Schon die auffällige Tasche setzt Brinkmann zufolge „ein deutlich sichtbares Zeichen“ dafür, dass die Konfirmandenzeit spannend und modern sein kann.

Thomas Paterjey

Alles über die neue Initiative für Konfirmanden der hannoverschen Landeskirche

Patenamt, Wahlrecht und Abendmahl – Rechte, die mit der Konfirmation verliehen werden

Das wichtigste an der Konfirmation sind die Geschenke. Und nach der Konfirmation haben Konfis von der Kirche erstmal die Nase voll – eine weit verbreitete Meinung. Stimmt sie?

Ich denke nicht. Denn für die Konfirmierten ändert sich mit der Konfirmation auch einiges – und das ist für nicht wenige von ihnen durchaus interessant. Vor allem drei Dinge werden anders. Das Erste: Mit der Konfirmation erhalten die Jugendlichen das Recht, das Patenamt auszuüben. In meiner eigenen gemeindlichen Praxis im ländlichen Raum habe ich immer wieder erlebt, dass das für die Konfis wichtig war.
In den Landeskirchen, die zur Evangelischen Kirche in Deutschland gehören, ist die Konfirmation Voraussetzung für die Übernahme des Patenamtes. Das hat auch einen Sinn. Inhalt des Patenamtes ist ja die Begleitung der getauften Kinder in Fragen des Glaubens, bzw. die Unterstützung der Kinder im Hineinwachsen in den Glauben. Die Ordnung des Taufgottesdienstes (Agende) sagt, Paten vertreten die christliche Gemeinde.

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Bibel und Konfirmationskreuz mit Abendmahlsdarstellung: Jesus und die Emmausjünger, Bild: fotolia / racamani

Um diese Aufgabe mit Sinn und Verstand wahrnehmen zu können, ist es natürlich wichtig, in Fragen des Glaubens Bescheid zu wissen. Und dieses Bescheidwissen kann man formal am einfachsten mit der Konfirmation nachweisen, da man im Unterricht alles das gelernt hat – jedenfalls haben sollte –, was ein Christenmensch wissen soll. Wer konfirmiert ist, von dem oder von der kann man erwarten, dass grundlegendes Wissen über den Glauben vorhanden ist. Denn bei der Konfirmation sagen die Jugendlichen in eigener Verantwortung Ja zu ihrer Taufe. Dieses Glaubenswissen kann man ans Patenkind weitergeben.

Das Zweite: Die Konfirmation ist in den meisten Kirchen auch Voraussetzung für das Wahlrecht, das in der hannoverschen Landeskirche mit 16 Jahren aktiv und mit 18 passiv ausgeübt werden kann, und die Übernahme weiterer kirchlicher Ämter. Das hat äußere und innere Gründe. Die inneren Gründe sind im Grunde dieselben wie beim Patenamt: Wer ein kirchliches Amt übernimmt – im Kirchenvorstand, Gemeindebeirat oder sogar in der Verkündigung –, soll Bescheid wissen in den Dingen, die mit dem Glauben und der Kirche zusammenhängen. Es geht ja darum, nicht nur sein eigenes Christsein zu verantworten, sondern in einem Amt trägt man Verantwortung für die Gemeinde, die Kirche.

Die äußeren Gründe hängen mit einem Dritten zusammen: Mit der Konfirmation wird das Recht verliehen, am Abendmahl teilzunehmen. Und dieses Recht gilt als ein äußeres Zeichen der vollen Mitgliedschaft in der Kirche und der Gemeinde – voll im Sinne von: mit allen Rechten und Pflichten.

Wenn auch die rechtlichen Formulierungen in Bezug auf Konfirmation und Abendmahl davon ausgehen, dass die Verbindung von Konfirmation und Zulassung zum Abendmahl die Regel ist, findet an dieser Stelle seit mehr als 30 Jahren ein Umdenken statt. Immer deutlicher wird gesehen, dass es aus theologischer Perspektive keine weitere Zulassungsbedingung zum Abendmahl gibt als die Taufe.

So heißt es auch in einer Richtlinie der hannoverschen Landeskirche von 1980: „Es besteht kein theologischer Grund, getaufte Kinder von einer Teilnahme am Heiligen Abendmahl der Gemeinde auszuschließen...“ Sagt doch schon Luther: „Was aus der Taufe gekrochen ist, das mag sich rühmen, dass es schon Priester, Bischof und Papst geweiht sei“ („An den christlichen Adel“, 1520).

Die Taufe ist also die entscheidende geistliche Wegmarke im Leben des Christenmenschen. Aber die Taufe will durch den Glauben verstehend angeeignet und immer neu aktuell werden. Hier spielen der Konfirmandenunterricht – mit seiner Vermittlung von Glaubensgewissheiten, aber auch dem Einüben der Gemeinschaft – und die Konfirmation eine wichtige Rolle.

Dr. Klaus Grünwaldt ist Oberlandeskirchenrat für Theologie, Gottesdienst und Kirchenmusik im Landeskirchenamt der Landeskirche Hannovers.

Einzigartige Konfirmandenfreizeit im Sachsenhain fördert die Stärken hörgeschädigter Mädchen und Jungen

Konzentriert mustert Kommissar Kim die Runde, die im Kreis zusammensitzt. Irgendwo zwischen den Jugendlichen ist einer dabei, der die Rolle des Mörders übernommen hat und Mitspieler durch eine vorher verabredete und kaum sichtbare Geste „tötet“.

Der 14-Jährige ist hörgeschädigt und hat den Täter trotzdem schnell ermittelt. Eine typische Szene. „Gehörlose sind Augenmenschen – sie können besonders gut beobachten und denken visuell“, sagt Christiane Neukirch, evangelische Gehörlosenseelsorgerin der hannoverschen Landeskirche.

In der Gruppe fiebern hörgeschädigte Jugendliche aus der hannoverschen, der braunschweigischen, der oldenburgischen und der reformierten Landeskirche beim „Mörderspiel“ mit.

Der ganze Artikel und eine Reportage über die die St.-Nicolai-Gemeinde in Lüneburg, die seit 1976 Jugendliche mit Behinderung konfirmiert
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Initiative der Landeskirche Hannovers für die Konfer-Zeit. Repro: Nordbild

Das Gesicht der Konfirmandenarbeit hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. In vielen Gemeinden werden neue Modelle mit unterschiedlichen Arbeitsformen erprobt und erfolgreich durchgeführt. Dabei ist die Beteiligung erfreulicherweise konstant sehr hoch: Jedes Jahr nehmen mehr als 90 Prozent der evangelischen Jugendlichen an der Konfirmandenarbeit teil. Das sind 200 000 bis 250 000 Jugendliche – etwa ein Drittel aller Jugendlichen des betreffenden Jahrgangs in Deutschland.

Die jeweilige Form der Konfirmandenarbeit bestimmt sich sehr aus den schulischen und kirchlichen Gegebenheiten vor Ort. Ohne die unterrichtlichen Elemente aufzugeben, hat sich die Konfirmandenarbeit durch die Formenfülle methodisch und didaktisch deutlich erweitert. Neben die bisher zentrale Form der wöchentlichen Unterrichts-Stunde sind andere zeitliche Formate wie Konfirmandennachmittage und -tage getreten. Zur Konfirmandenzeit gehören heute Übernachtungsaktionen, Exkursionen, Seminare, Projekte und Praktika. Konfirmanden arbeiten für eine Zeit in einer Gruppe oder Einrichtung der Kirchengemeinde oder Diakonie mit und begleiten Mitarbeitende bei ihrer Arbeit.

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Gerd Brinkmann

Besonders bewährt haben sich in den letzten Jahren die verlängerten Konfi-Freizeiten und Konfi-Camps. Neben die Freizeiten am Wochenende sind die sieben- bis zehntägigen Camps getreten, die mehrere Gemeinden einer Region oder eines Kirchenkreises gemeinsam veranstalten. So kommen manchmal mehrere hundert Konfirmanden und Mitarbeitende zusammen, sei es in Südtirol oder auf dem Ijsselmeer. Hier können Jugendliche intensive Erfahrungen im Blick auf die Gruppe und die gelebte Gemeinschaft machen.

Eine christliche Lebens- und Frömmigkeitspraxis kann hier in besonderer Weise erprobt werden. Der Übergang vom Konfirmandenunterricht zur Konfirmandenarbeit ist in diesen neuen Modellen vollzogen. Weitere Entwicklungen betreffen Angebote schon in der Kindheit. Mancherorts beginnt die Konfirmandenarbeit bereits in der dritten oder vierten Grundschulklasse (KU 3 bzw. KU 4). Der Ursprung liegt im sogenannten Hoyaer Modell in der hannoverschen Landeskirche. Gerade diese Konfirmandenarbeit kann die jungen Menschen in verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung ansprechen. Bei jüngeren Kindern ist außerdem die Einbeziehung der Eltern in den Unterricht möglich und wünschenswert.

Seinen Abschluss hat dieses zweiphasige Modell in der Konfirmandenarbeit im 8. Schuljahr (KU 8). Wichtig ist, dass ansprechende Angebote für die Kinder auch während der Zeit zwischen den Unterrichtsphasen bereit gehalten werden. Manche Kirchengemeinden und Regionen haben ganze Konfi-Kursus-Systeme entwickelt. Verschiedene Unterrichtende bieten in der Konfirmandenzeit thematische Kursusmodule an, die als Pflicht- oder Wahlkurse von den Konfirmanden belegt werden können. So kann die Themenvielfalt gesteigert und die zeitliche Vereinbarkeit mit anderen Freizeitangeboten verbessert werden. Allerdings braucht es viel Planungs- und Koordinationsarbeit, um dieses Kursusmodell durchzuführen.

Der Konfirmandenarbeit beinhaltet, wie gezeigt, eine Vielzahl verschiedener Modelle. Die gewählten Organisationsformen sollen den schulischen Alltag der Konfirmanden und deren weitere Lebenswirklichkeit berücksichtigen. Bei der Entscheidung über eine Organisationsform ist darauf zu achten, dass der persönliche Kontakt der Unterrichtenden mit den Konfirmanden möglich ist und ein intensives Eingehen auf die Themen der Konfirmandenarbeit ermöglicht wird.

Konfirmandenarbeit ist immer auch Beziehungsarbeit. In Zukunft werden Kooperationsmodelle auf regionaler und auf Kirchenkreis-Ebene immer wichtiger werden. Hier wird zu klären sein, welche Angebote in der jeweils eigenen Kirchengemeinde und welche überregional angeboten werden können. Darüber hinaus ist bei der jeweiligen Organisationsform zu beachten, dass die Möglichkeit der Beteiligung von ehrenamtlich Mitarbeitenden besteht. Die Vernetzung von Konfirmanden- und Jugendarbeit hat ihre Basis in der Beteiligung jugendlicher und junger Erwachsener.

Ein wichtiger Schlüssel für gelingende Konfirmandenarbeit, weil sie die Fragen der Jugendlichen aufnimmt und sich auf ihre Lebenswirklichkeit einlässt. Gelingende Konfirmandenarbeit lehrt nicht das „Führ-wahr-halten“ von Tradition und Überlieferung, sondern zeigt, was es heißt, heute als Christ oder Christin zu leben.

Gerd Brinkmann ist Oberkirchenrat und Leiter des Referats Kirche und Schule, Konfirmandenarbeit und katechetische Lehrkräfte im Landeskirchenamt der Landeskirche Hannovers.

Das breite Angebot der hannoverschen Landeskirche zur Konfirmandenzeit und Wissenwertes zur Konfirmation

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Bild: misterQM / photocase.com

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