2013_03_05

Bild: epd-Bild / djh-resort

Weltweit erste Club-Jugendherberge

Tagesthema 04. März 2013

Jugendherbergen mit Doppelstockbetten aus Metall und acht Mann auf einem Zimmer - das ist Geschichte. Am ostfriesischen Nordseestrand entsteht eine Familien-Jugendherberge der Extraklasse, samt Chefkoch vom Luxusliner.

Wie die Aida auf dem Land

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Mit der klassischen Jugendherberge hat die weltweit ersten Club-Jugendherberge im ostfriesischen Neuharlingersiel nicht viel zu tun. Bild: epd-bild / djh-resort

Verwirrender können die Decks auf einem Kreuzfahrtschiff auch nicht sein. Doch Ralf Eisenbarth findet sich in den Fluren, Etagen und Gebäuden blindlings zurecht: „Das ist hier wird ein Clubschiff auf dem Land“, sagt er. Eisenbarth ist gewissermaßen der Käpt'n der weltweit ersten Club-Jugendherberge im ostfriesischen Neuharlingersiel, die zu Ostern die ersten Gäste aufnehmen soll.

„Die Idee, einen Ferien-Club mit einer Jugendherberge zu kombinieren, ist genial“, sagt Eisenbarth. Stolz präsentiert er die frisch designten Apartments, Zimmer und Bungalows für Familien, Gruppen und Einzelreisende auf dem rund 30.000 Quadratmeter großen Areal mit fast 398 Betten. Überhaupt hat das „DJH-Resort“ wenig mit einer Jugendherberge gemein: Eisenbarth war zuvor Chef einer Ferien-Club-Anlage und der Küchenchef war zuvor Chefkoch an Bord eines Traumschiffs. Von dort haben sie ihre Qualitätsstandards mitgebracht.

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Die Zimmer wurden von einer dänischen Architektin designt. Bild: epd-bild / djh-resort

„All inclusive“ ist das Motto, mit dem vor allem junge Familien in die neue Anlage gelockt werden sollen. Dabei sind nicht nur die kulinarischen Genüsse gemeint, die im Restaurant „Wasserschloss“ serviert werden: „Wir wollen hier Familienurlaub mit Wellness, Sport und Pädagogik verbinden“, betont Eisenbarth.

Während die meisten klassischen Jugendherbergen nur „Bett und Brötchen“ anbieten, sollen hier das gemeinschaftliche Erleben und die Bildung mit Spaß im Mittelpunkt stehen. Während sich Eltern am Strand erholen, Massagen genießen oder Radtouren unternehmen, kümmert sich die „Crew“ der Jugendherberge um den Nachwuchs: etwa im Kindergarten oder in einem eigens eingerichteten Umwelt-Labor, in dem Mitbringsel aus dem Wattenmeer in Aquarien oder unter dem Mikroskop untersucht werden können. Wer es lieber sportlich mag, kann Surfen lernen, mit dem Bogen schießen oder mit dem Kanu auf Entdeckungstour gehen.

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Im ostfriesischen Neuharlingersiel wird eine frühere Reha-Klinik zur weltweit ersten Club-Jugendherberge umgebaut. Bild: epd-bild / djh-resort

Mit der Club Jugendherberge testet das Deutsche Jugendherbergswerk mit Sitz in Detmold ein völlig neues Konzept, sagt Hauptgeschäftsführer Bernd Dohm. Trotz stetig steigender Übernachtungszahlen in den bundesweit 525 Jugendherbergen wachse die Konkurrenz vor allem in den Großstädten. „Wir wollen mit programmatischen Schwerpunkten dagegen setzen. In Neuharlingersiel stehen die Ökologie und das soziale Lernen im Mittelpunkt.“

An der ostfriesischen Küste und auf den Inseln betreibt das Jugendherbergswerk bereits zwölf Anlagen, darunter die größte Jugendherberge in Deutschland auf Borkum mit 600 Betten. „Wir haben vor den Investitionen den Markt analysiert. Die neue Anlage wird den anderen nicht die Gäste wegnehmen“, erläutert Oliver Engelhardt, der die Herbergen im Nordwesten Niedersachsens betreut. Rund 6,5 Millionen Euro kostete der Umbau der ehemaligen Reha-Kinik zum Club-Resort. Etwa 5,5 Millionen Euro stemmt das Jugendherbergswerk, hinzu kommen Zuschüsse aus Bund und Ländern.

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Hausleiter Ralf Eisenbarth vor einem Modell der weltweit ersten Club-Jugendherberge im ostfriesischen Neuharlingersiel.  Bild: epd-bild / Jörg Nielsen

Andreas Eden, Geschäftsführer der Kurverwaltung in Neuharlingersiel, hatte das Großprojekt zunächst mit Sorge beobachtet: „Wir sind hier auf ein etwas älteres Publikum eingerichtet. Mehrere Schulklassen, die durch unseren kleinen Ort laufen, hätten zu einem Problem werden können.“ Doch mit der Ausrichtung auf Familien sei er zufrieden. „Das bereichert unser Angebot.“

Von seinem Büro im Dachgeschoss aus kann Eisenbarth die Inseln Spiekeroog und Langeoog im Sonnenlicht sehen. Er freut sich auf die Gäste. „Bis zum Jahresende rechnen wir mit 50.000 Übernachtungsgästen. 20.000 haben schon fest gebucht.“ Viel Arbeit für den „Käpt'n“ und seine „Crew“. Und wie entspannt er sich am Ende des Tages? „Ich gehe in den Keller. Da haben wir unser voll ausgestattetes Fitnessstudio.“

Von Jörg Nielsen (epd)