2013_02_24

 Bild: Stephan Wallocha / epd-Bild

Erster Landesbischof der Nordkirche

Tagesthema 23. Februar 2013

Gerhard Ulrich erster Landesbischof der Nordkirche

Gerhard Ulrich ist erster Landesbischof der Nordkirche. Die Synode (Kirchenparlament) wählte den 61-Jährigen am Donnerstag im Lübecker Dom mit 144 Stimmen im ersten Wahlgang. 104 Stimmen der insgesamt 156 Synodalen wären notwendig gewesen. 153 waren anwesend, acht stimmten nicht für ihn. Eine Stimme war ungültig. Ulrich war einziger Kandidat.

Als Landesbischof ist Ulrich leitender Geistlicher für 2,25 Millionen evangelischen Christen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Er ist Vorsitzender der Kirchenleitung und vertritt die Nordkirche im politischen, kirchlichen und öffentlichen Leben. Dienstsitz ist Schwerin, Predigtstätten sind der Schweriner und der Lübecker Dom. Seine vordringliche Aufgabe wird es sein, die Einheit der neuen Nordkirche zu stärken.

Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gratulierte Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider dem ersten Landesbischof der Nordkirche. „Mit der neuen Kirchenleitung im Norden heißt es nun: Die Segel sind gesetzt - volle Kraft voraus“, schreibt Schneider in seiner Gratulation. Der EKD-Ratsvorsitzende wünscht Ulrich für sein neues Amt, dass er „Ströme des Segens“ erleben möge, wie sie der biblische Prophet Hesekiel beschreibe.

Er wünsche sich eine „selbstbewusste Kirche“, die eine gestaltende Kraft in der Gesellschaft sei, sagte Ulrich. Dazu zähle etwa der Sonntagsschutz und der Religionsunterricht. Fehler in den eigenen Reihen dürften nicht vertuscht werden, mahnte Ulrich mit Blick auf die Missbrauchsfälle. Die Nordkirche sei geprägt von der geistlichen Vielfalt, die er als Landesbischof erhalten wolle.

Ulrich ist bereits seit Juli 2008 Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein. Das Amt des Landesbischofs hat er auch schon kommissarisch ausgeübt. Zum christlichen Glauben fand der Sohn eines Polizisten im Theater. Als Schauspielschüler mit 23 Jahren hörte er im Hamburger Ernst-Deutsch-Theater, wie eine Kollegin den 139. Psalm rezitierte. Er habe seine Bekehrung dem Theater zu verdanken, sagte Ulrich vor der Wahl. Diese Worten hätten ihn so bewegt, dass er sein Studium der Theaterwissenschaften aufgab, um Theologie zu studieren.

Er habe die Schauspielerei zwar damals aufgegeben, sagte der ehemalige Synodenpräsident Hans-Peter Strenge bei der Vorstellung. Das Talent habe er jedoch auch später mannigfaltig gepflegt. Ulrich war zunächst Pastor in Barsbüttel (bei Hamburg) und Hamburg-Wellingsbüttel, ehe er die Leitung des Predigerseminars Preetz übernahm. 1996 wurde er Propst im Kirchenkreis Angeln im nördlichen Schleswig-Holstein. Im Nebenamt ist er Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), einem Zusammenschluss von sieben evangelisch-lutherischen Landeskirchen mit zehn Millionen Mitgliedern.

Neben dem Landesbischof in Schwerin gibt es in der Nordkirche derzeit drei Sprengelbischöfe: Kirsten Fehrs in Hamburg, Andreas von Maltzahn in Schwerin und Hans-Jürgen Abromeit in Greifswald. In Schleswig wird Ulrich vom Bischofsbevollmächtigten Gothart Magaard vertreten.

epd

Gratulation aus Hannover

bischof meister
Landesbischof Ralf Meister

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat dem am Donnerstag neu gewählten Bischof der Nordkirche, Gerhard Ulrich, gratuliert. „Wir freuen uns mit Ihnen, dass die Segel der Nordkirche nun alle gesetzt sind und wünschen Ihnen Gottes reichen Segen sowie stets eine inspirierende und geistvolle steife Brise“, schreibt der aus Hamburg stammende Meister. Er war von 1992 bis 2008 Pastor und Propst in der damaligen nordelbischen Kirche.

Die Synode wählte den 61-jährigen Ulrich im ersten Wahlgang. Ulrich wurde bereits 2008 zum Schleswiger Bischof gewählt. Als Landesbischof ist er jetzt leitender Theologe der 2012 gegründeten Nordkirche mit 2,25 Millionen evangelischen Christen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Er habe Ulrich in „seiner klugen und gemeinschaftsstiftenden Art als Predigerseminardirektor, als Propst und als Bischof erlebt“, schreibt Meister: „Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie Ihren Kurs halten und dabei Ihren Humor, Ihre glaubensgestärkte Gelassenheit und Ihre Freude am Predigen bewahren.“

epd

Zum Wortlaut der Gratulation