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Bild: Europäische Kommission

Mein Bild von Europa

Tagesthema 20. Februar 2013

Wir wollen es mitgestalten

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Nikolaus Schneider

Europa ist ein großartiges Friedensprojekt. Damit fing alles an. In den vergangenen Jahrzehnten waren Wirtschaft und Handel die bestimmenden Parameter. Das allein reicht jedoch nicht aus. Wenn viele Menschen arbeitslos werden, wenn den jungen Leuten zunehmend die Perspektive fehlt, dann wird Europa an Strahlkraft verlieren.

Es reicht dann nicht mehr aus, dass man eine Währung hat und dass man miteinander Handel treibt - die Menschen brauchen Zukunftsperspektiven. Wir müssen wieder darauf drängen, dass Europa ein kultureller und sozialer Gestaltungsraum wird. Gerade das Christentum hat die Kultur Europas wesentlich geprägt. Es ist an uns allen, gleichgültig welcher Religion wir angehören, den Menschen Mut zu machen, Gemeinschaft in Europa zu leben.

Als Evangelische Kirche in Deutschland wollen wir Europa gemeinsam mit den anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften so mitgestalten, dass es auch „unser“ Europa ist und bleibt, ein Europa aller Bürgerinnen und Bürger, ein Europa, mit dessen Politik wir uns identifizieren können. Wir wollen es mitgestalten – nicht nur über unsere Mitgliedstaaten und die Wahlen zum Europäischen Parlament, sondern direkt als christliche Bürgerinnen und Bürger, in unseren Verbänden und Gemeinden, in sozialen Initiativen, ökumenischen Partnerschaften und Kooperationsprojekten, als Christinnen und Christen mit unserem Handeln wie mit unserem Gebet.

Wir leben Europa schon heute auf vielerlei Weise, vom Gemeindeaustausch bis zur Kooperation in den ökumenischen Institutionen Europas. Darin liegt die Zukunft: Europa leben, damit Europa leben kann!

Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Vorleben, dass Vielfalt stärkt

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Dieter Graumann

Europa wird in diesen Zeiten von vielen Menschen mit Schlagworten in Verbindung gebracht, die negative Gefühle und Unsicherheit hervorrufen, wie etwa Euro-Krise oder Rettungsschirm. An der wunderbaren europäischen Idee der Vielfalt und des Zusammenhalts gibt es leider immer mehr Zweifler. Deshalb ist es umso wichtiger, gerade jetzt an das große Geschenk zu erinnern, das uns Europa täglich macht: den Frieden.

Europa ist das größte Friedenswerk der Geschichte, es ist unsere größte Friedensgarantie. Vielen Menschen mag das heute selbstverständlich, ja normal erscheinen. Doch die blutigen Kriege zwischen den europäischen Staaten liegen nicht lange zurück. Es war eine wahrhaft historische Leistung der Gründerväter der Europäischen Union, die Gräben zu überwinden und Europa zu einen. Wir erleben nun die längste Friedensperiode in unserer Geschichte.

Daher müssen wir uns viel mehr einsetzen für Europa, mit einer Leidenschaft und einer Begeisterung, die aus dem Herzen kommen. Die Religionsgemeinschaften können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Vielfalt in Europa nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung zu empfinden. Die Glaubensgemeinschaften müssen vorleben, dass Vielfalt stärkt. Vielfalt tut gut! Gerade in der jüdischen Gemeinschaft ist Pluralität die neue Normalität.

Durch die Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion ist Vielfalt unser bunter Alltag geworden. Nur wer die Vielfalt zu schätzen weiß, kann überhaupt eine tolerante und friedliche Zukunft gestalten. Ich setze auf ein Europa der Regionen, der Religionen und des Respekts. Das wünsche ich mir für Europa!

Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Einsatz für die Gemeinschaft

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Aiman A. Mazyek

Muslime haben ein Interesse an einem starken Europa. Eine starke europäische Identität ist bester Garant dafür, dass Europa mit all seiner Vielfalt den Weg der Mitte geht, wo die radikalen Ränder nicht das Sagen haben und die Verfänglichkeit gegenüber Ideologien und extremistischen Weltanschauungen, ob nun religiös oder säkular begründet, weitestgehend eingeschränkt bleiben.

Der Islam ist übrigens in Europa keine neue Erscheinung. Man braucht nur das 700-jährige muslimische Spanien zu betrachten oder die unterschiedlichen muslimischen Prägungen seit mehr als 500 Jahren in Malta, Sizilien oder auf dem Balkan. Viele europäische Muslime fühlen sich in Europa auch nicht als Gäste - nach dem Motto „Wir haben den Orient und ihr Europa“ -, sondern sie sind Teil dieser europäischen Identität. Und diese Einheit in der Vielfalt oder die Vielfalt in der Einheit ist angestrebtes Ziel.

Wenn ich zudem fest in meinem Glauben bin und ihn aufrecht praktiziere, dann motiviert er mich, ein anständiger Bürger zu sein. Mit „anständigem Bürger“ meine ich einen Bürger, der sich für seine Gemeinschaft und für seine Mitmenschen einsetzt. Es gibt einen Ausspruch unseres Propheten, der besagt: „Der Beste unter euch ist der, der gegenüber den Menschen am nützlichsten ist.“ Das heißt, ich diene Gott, indem ich den Menschen diene, indem ich den Menschen, also allen Menschen und nicht den Muslimen alleine, nützlich bin. Dieser Einsatz für die Gemeinschaft und für die Gesellschaft, ist konstitutiv für meinen praktischen Glauben.

Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland

Europa missionieren

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Das Kreuz auf dem Deckel des Taufbeckens. Bild: epd-Bild

Der Evangelist Lukas überliefert viele Erzählungen von Frauen, die Jesus begegnen, ihm nachfolgen oder sich von den Missionaren taufen lassen. So berichtet er auch von der Taufe einer gewissen Lydia (Apostelgeschichte 16, 11-15). Was können wir über diese Frau in Erfahrung bringen, die in Philippi lebte und sich als erste Europäerin etwa im Jahr 50 taufen ließ?

Lydia ist keine Jüdin, eher eine Sympathisantin, die dem Judentum zugewandt ist. Vielleicht hat die gottesfürchtige Frau den Gott der Juden verehrt und sich von heidnischen Bräuchen und Göttern losgesagt. Laut Lukas hat sie sich mit anderen Frauen und mit ihrem Haus bei der Gebetsstätte versammelt, die sich in der Kolonie Philippi wahrscheinlich außerhalb der Mauern bei einem Fluss in der Nähe des südwestlich gelegenen Stadttores befand.

Lesen Sie die ganzen Artikel von Dr. Jean-Pierre Sterck-Degueldre

Religionsgemeinschaften werben für Europa

Die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland unterstützen die Kampagne „Ich will Europa“. Die Initiative der Stiftung Mercator und der Robert Bosch Stiftung unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck will mit der Kampagne für ein positives Europa-Image eintreten und ein sichtbares Zeichen für die europäische Idee setzen.

Gemeinsam werben der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, und der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Aiman A. Mayzek, mit dem Leitwort „In Europa leben Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen friedlich zusammen. Darüber freuen wir uns.“

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Was ist Aufgabe der „GEKE“?

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Friedrich Weber

Die Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa (GEKE) soll die evangelische Position in Diskussionen einbringen. Zudem trägt sie zur Annäherung der Protestanten bei, meint Landesbischof Friedrich Weber.

Der Präsident der GEKE ist der Meinung, dass Protestanten eine Stimme in der europäischen Politik brauchen.

Das Statement auf auf ez-online

Wozu gibt es die „KEK“?

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Cordelia Kopsch

Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) ist die ökumenische Gemeinschaft der Kirchen in Europa. Sie sorgt für theologischen Austausch und sieht sich als Sprachrohr der Kirchen, sagt Pfarrerin Cordelia Kopsch.

Die Vizepräsidentin der Konferenz Europäischer Kirchen ist der Meinung, dass Ökumene eine deutliche Stimme in der europäischen Politik braucht.

Das Statement auf auf ez-online

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Bild: misterQM / photocase.com

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