2013_02_18

Bild: Foxi66 / photocase.com

Einladung ins Mittelalter

Tagesthema 17. Februar 2013

Mit Spinnrad, Schwert und Federkiel

Auricher Museum lässt Kinder die Welt des Mittelalters erleben

In Aurich können Kinder einen Tag im Mittelalter erleben. Als Bauern, Handwerker, Mönch, Ritter oder Burgfräulein verkleidet können sie in eine Zeit ohne PC und Kartoffeln eintauchen und die Welt vor 800 Jahren im Rollenspiel erkunden.

Noch wuseln Tischler, Maler und Elektriker durch das kleine Auricher „MachMitMuseum miraculum“. Es wird genagelt, geschraubt und gepinselt. Am Sonntag wird hier die neue Ausstellung „Spinnrad, Schwert und Federkiel“ für Kinder ab fünf Jahren eröffnet: „Wir wollen unsere Besucher 800 Jahre zurück in die Welt des Mittelalters entführen“, sagt Ausstellungsmacher Rainer Strauß.

„Alle Kinder kennen die Filme und Geschichten vom mutigen Ritter und den anmutigen Burgfräuleins“, sagt Strauß. „Doch die Wirklichkeit sah ganz anders aus.“ Zum Adel samt dem Ritterstand gehörten kaum zwei Prozent der Bevölkerung. „Fast alle anderen Menschen lebten auf dem Land als Leibeigene, Bauern, Handwerker, Mönche oder Nonnen.“ Das will die neue Ausstellung vermitteln.

Auf nur 150 Quadratmetern haben Strauß und seine Crew einmal mehr eine besondere Welt erschaffen. In fünf Stationen können die kleinen Besucher in die Haut der damaligen Menschen schlüpfen. „Überall gibt es Kisten mit Kostümen, um sich zu verkleiden.“

„MachMit“ ist hier wörtlich gemeint. Denn was in normalen Museen streng verboten ist, ist im „miraculum“ unbedingt erwünscht: „Alles ist anfassbar, begreiflich und mit allen Sinnen zu erfahren“, sagt Strauß. Es komme auf den Mut und die Fantasie der Besucher an, denn unbeteiligt bleibe hier niemand: „Wir wollen die Kinder zu Rollenspielen verführen. So können sie sich viel tiefer mit dem Leben im Mittelalter identifizieren, und es bleibt viel mehr hängen."

Wie es denn im Mittelalter genau aussah, hat sich Strauß von Oldenburger Studenten der Geschichte erklären lassen. „Wir haben zusammen in einem Seminar die Ausstellung geplant und entwickelt.“ Entstanden ist die bislang aufwendigste Schau im Miraculum.

Die jungen Besucher können im niedrigen und dunklen Bauernhaus Strohpuppen als Spielzeug basteln und müssen den Stall ausmisten. Auch in Aurich leben wie damals ein Schwein und eine Ziege mit im Haus - heute allerdings aus Stoff. Über einem offenen Feuer hängt ein großer Topf. „Vermutlich mit Haferbrei. Fleisch gab es nur selten, und die Kartoffel kam erst einige hundert Jahre später nach Europa.“

In der Stadt gibt es Steinhäuser, Schneider, Schmiede und Händler. Die Kinder können hier nähen und handeln. Wer etwas klaut, wird verurteilt und muss an den Pranger auf dem Marktplatz, wo schon schwere Ketten an der Rathauswand hängen.

Durch eine gotisch anmutende Stoffkathedrale geht es weiter ins Kloster. In Schreibstube stehen Pulte, an denen die kleinen Mönche und Nonnen Bücher abschreiben können: „Buchdruck, Schreibmaschinen oder gar Computer gab es noch nicht.“ Eine mühselige Arbeit. Ein Elektriker bastelt derweil noch am Lautsprecher. Ab Sonntag sollen hier Mönchsgesänge erklingen.

Doch auch die Ritter-Fans werden nicht enttäuscht: In einem Burghof gibt es Waffen, einen Pferdestall und sogar ein echtes Kettenhemd für Kinder. „Das wiegt etliche Kilogramm.“ Für die Burgfräuleins haben Strauß und seine Mitarbeiter eine Kemenate mit Baldachin und bleiverglasten bunten Fenstern gebaut. Und zumindest am Eröffnungstag soll darunter ein Troubadour seine Liebeslieder singen.

Von Jörg Nielsen (epd)

Informationen zur Ausstellung

Die Ausstellung wurde am Sonntag, den 17. Februar eröffnet.

Öffnungszeiten:

  • Dienstag bis Freitag von 13 bis 17 Uhr.
  • Am Wochenende von 11 bis 17 Uhr.
  • In den Ferien ist das miraculum täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Weitere Information
über das MitMachMuseum

1361013719
Eingang. Bild: miraculum-aurich.de

Das MachMitMuseum miraculum ist ein Kinder- und Jugendmuseum und beschäftigt sich als solches mit der Vermittlung von Bildung für Kinder und Familien, Jugendliche und Erwachsene. Handlungsorientiertes Lernen mit allen Sinnen ist zentrales Ziel und auch Methode. Die Ausstellungen werden im Hinblick auf das Mitgestalten und „Begreifen“ der Besucher konzipiert und nach bewährtem Muster in der Kunstschule miraculum mit Kindern inhaltlich vorbereitet.

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