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Bild: Jens Schulze

Beginn der Passionszeit: Aschermittwoch

Tagesthema 12. Februar 2013

Aschermittwoch und Passionszeit

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Aschekreuz. Bild: Jens Schulze

Mit dem Aschermittwoch am 13. Februar beginnt die rund 40-tägige Fasten- und Passionszeit vor Ostern. Der Verzicht auf Speisen und Getränke wie Fleisch und Wein oder auch auf den Fernsehkonsum gilt als Symbol der Buße und der spirituellen Erneuerung. In den sieben Wochen vor dem Osterfest nehmen sich viele Christen zudem mehr Zeit für Ruhe, Besinnung und Gebet, um sich selbst und Gott näherzukommen. Ostern fällt dieses Jahr auf den 31. März.

In der katholischen Kirche zeichnet der Priester am Aschermittwoch ein Aschekreuz als Symbol der geistigen Reinigung und der Vergänglichkeit auf die Stirn der Gottesdienstbesucher. In der evangelischen Kirche beteiligen sich jedes Jahr knapp drei Millionen Menschen an der Fasteninitiative „7 Wochen Ohne“, um aus gewohnten Konsum- und Verhaltensweisen auszusteigen und neue Lebensziele zu finden. In diesem Jahr ist es die 30. Kampagne. Sie steht unter dem Motto „Riskier was, Mensch! Sieben Wochen ohne Vorsicht“.

Fastenzeiten sind in fast allen Religionen bekannt, so etwa der Fastenmonat Ramadan im Islam. Am Ende der Winterzeit fasten viele Menschen allerdings auch mit dem Wunsch nach ganzheitlichem Wohlbefinden. Viele schwärmen zugleich von einer geistigen Freiheit während des Nahrungsverzichts.

epd

Aschermittwoch: Über die Gesellschaft nachdenken

Der „Aschermittwoch der Künste“ sei eine Tradition, die aus der katholischen Kirche gekommen ist und im Protestantismus eine besondere Dynamik entwickelt hat, meint Landesbischof Ralf Meister . Die Einladung der Künstler und die Einladung über die Sprache der Kunst zu philosophien, vermitellt ein besonderes und ein anderes Nachdenken über die Wirklichkeit der Welt und der Gesellschaft.

Aschermittwoch der Künste

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Die anderen schon zu Tisch. Bild: Jens Schulze

„Verspottung“ ist das Thema des 15. Aschermittwochs der Künste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers am Aschermittwoch 2013 in der Markuskirche Hannover. Die rund 180 Gäste aus Kunst, Kultur, Gesellschaft und Kirche treffen auf die in der Kirche aufgebaute Skulptureninstallation „Verspottung“ des Bremer Künstlers Klaus Effern. Mit Effern diskutiert Landesbischof Ralf Meister über „Von Kunst, Wort und Tat – Verspottung ist systemstörend“. Der Schriftsteller Georg Klein hält die Aschermittwochsrede mit dem Titel „Spott reimt sich auf Gott“. „Es freut mich, dass bei diesem kleinen Jubiläum die Macht der Bilder und der Worte direkt und kraftvoll in Dialog treten“, so Dr. Julia Helmke, Beauftragte für Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste.

Der Aschermittwoch der Künste im Jahr 2012

Evangelische Fastenaktion „7 Wochen Ohne“

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Aktionsmotiv und Titelbild des Kalenders zur Fastenaktion 2013 der evangelischen Kirche. Das Motto zur diesjährigen Fastenaktion heißt "Riskier was, Mensch! - 7 Wochen ohne Vorsicht". Bild: Paula Winkler / epd-Bild

„7 Wochen Ohne“ ist die bundesweite jährliche Fastenaktion der evangelischen Kirchen zwischen Aschermittwoch und Ostern. Sie wird in diesem Jahr zentral am 17. Februar in der Christuskirche im hessischen Fulda eröffnet. Den Gottesdienst überträgt das ZDF live ab 9.30 Uhr. Er wird unter anderem von der Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler gestaltet. Die leitende evangelische Theologin ist auch Kuratoriumsvorsitzende der Kampagne.

Die Kampagne wurde vor 30 Jahren gegründet und steht in diesem Jahr unter dem Motto „Riskier was, Mensch! Sieben Wochen ohne Vorsicht“. Daran beteiligen sich nach Angaben der Organisatoren knapp drei Millionen Menschen, die versuchen, die Fastenzeit bis Ostern bewusst zu erleben und zu gestalten.

Koordiniert wird die Aktion von einem Projektbüro im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) in Frankfurt am Main. Traditionell greifen viele Kirchengemeinden vor Ort das aktuelle Thema von „7 Wochen Ohne“ auf und gründen Fastengruppen. Ein Kalender und Fastenbriefe bieten Anregungen für eine intensive Beschäftigung.

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Mehr über die Fastenaktion „Riskier was, Mensch!“

Gedanken zum Aschermittwoch aus dem täglichen Kalenderblatt

Aschermittwoch. Für mich ein Tag wie jeder andere. Dort, wo ich aufgewachsen bin, begingen nur die Kinder Karneval – als Cowboy und Indianer. Also brauchte keiner Aschermittwoch und das „Fasten“ als Ausdruck der Passionszeit wurde als katholisch abgestempelt und damit abgelehnt. Im Studium habe ich mich mit allem möglichen beschäftigt, Wichtigem und Unwichtigem, aber nicht der Tradition des Aschermittwochs. Als Vikar kam ich in die Region, in der die schwäbisch-alemannische Fastnacht gefeiert wurde: strenge Regeln, festgelegte Kostüme, viel Tradition – und an Aschermittwoch wurde der durch vielen Festlichkeiten entleerte Geldbeutel am Brunnen gewaschen. Aschermittwoch – das war und blieb ein Tag wie jeder andere.

Bis zu jenem Aschermittwoch vor einigen Jahren in New York: der Millionenstadt, der Stadt des Geldes und der vereinten Nationen, der Stadt, die niemals schläft. Am Aschermittwoch ging die evangelische Reisegruppe in der Kirche St. Peter zu einem Gottesdienst. St. Peter liegt mitten in Manhattan, Ecke Lexington Avenue und 54. Straße: Ein Betongebäude wie ein Zelt mitten in den Bürogebäuden. Ein architektonisches Meisterwerk in einer Einheit mit einem Bürogebäude, einem Einkaufszentrum und einem kleinen öffentlichen Platz, wie es viele in New York gibt. Der Kirchenraum liegt fast unterirdisch, mit einer modernen, in allen teilen beweglichen und eben doch an einen klassischen Kirchenraum erinnernden Inneneinrichtung. Dort ist zur Mittagszeit Gottesdienst – nicht nur an Aschermittwoch, sondern an jedem Arbeitstag, an dem in den vielen Bürogebäuden der Lexington Avenue gearbeitet wird. Wir Deutschen waren nicht allein in dem Gottesdienst – im Gegenteil: Männer in Anzügen, Frauen in Business-Kleidern, Touristen mit Kameras. Und alle feierten Gottesdienst.

Aschermittwoch in New York: keine Fastnachtsbeichte mit dem dicken Kopf vom Vorabend, sondern ein stiller Gottesdienst: Angenehm leise Jazzmusik, gerade so laut, dass es den dauernden Lärm der niemals schlafenden Stadt übertönt, eine Liturgie, die viele in Deutschland als hoffnungslos veraltet und viel zu aufwendig abgetan hätten. Die Pastoren in mönchisch wirkenden Kutten mit prächtigen Stolen: Ein lutherischer Gottesdienst, in der Stadt, in der angeblich das Musical zu Hause ist. Und unendlich viel Ruhe, Stille, Raum zu sich selbst zu finden.

Am Schluss des Gottesdienstes der Segen: Nicht der Pastor vor dem Altar segnet alle, die mitgefeiert haben. Er kommt zu jedem einzeln, legt jeder und jedem die Hand auf und malt mit einem Stück Kohle ein Aschekreuz auf die Stirn. Bei mir: Ratlosigkeit. 42 Jahre alt und ich kannte dieses Symbol nicht. Nun weiß ich: Es ist nicht das Kainszeichen, sondern erinnert uns an die Vergänglichkeit und ruft zur Umkehr auf: „Ich richtete mein Gesicht zu Gott, dem Herrn, um ihn mit Gebet und Flehen, bei Fasten in Sack und Asche, zu bitten.“ (Daniel 9,3). Das Aschekreuz blieb auf meiner Stirn bis wir spät abends ins Hotel zurück kamen. In der Millionenstadt haben wir immer wieder andere gesehen, die – manchmal klar zu erkennen, manchmal verwischt – ein Aschekreuz auf der Stirn hatten. Fast ein Zeichen gemeinsamer Solidarität. Gemeinsames mitten in diesem Schmelztiegel unterschiedlicher Nationen, Hautfarben, Religionen und Konfessionen.

Was für ein grandioser Start in die Fastenzeit? Welch unglaublich starkes Symbol? Welch unbeschreibliche Kraftquelle zu Beginn von vierzig Tagen des Fastens? Mir hat sich das Aschekreuz von St. Peter in New York tief eingebrannt, nicht mehr sichtbar, aber als Erinnerung, dass die Passionszeit nicht nur ein Ende mit Ostern hat, sondern auch einen Beginn: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90,12)

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