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Papst Benedikt XVI. tritt zurück

Tagesthema 11. Februar 2013

Die katholische Weltkirche muss ein neues Oberhaupt suchen: Papst Benedikt XVI. erklärte seinen Rücktritt vom Amt. Er begründete den Schritt mit seinem hohen Alter. Seit 2005 repräsentierte er eine Milliarde Katholiken.

Überraschung aus Rom: Papst Benedikt XVI. kündigt Rücktritt an

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Papst Benedikt XVI. umarmt den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider. Bild: Norbert Neetz / epd-Bild

Papst Benedikt XVI. scheidet Ende Februar aus dem Amt. Seine Kräfte reichten infolge seines Alters nicht mehr, „um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben“, erklärte das 85-jährige Kirchenoberhaupt völlig überraschend am Montag in Rom. Der Vatikan rechnet mit der Wahl eines Nachfolgers bis zum Osterfest Ende März. Ein genaues Datum steht noch nicht fest. Zuletzt war ein Papst vor mehr als 700 Jahren zurückgetreten. Die Ankündigung wurde weltweit mit Anerkennung und Verständnis aufgenommen. Benedikt will seinen Ruhestand in Rom verbringen, hieß es.

Bundespräsident Joachim Gauck drückte Achtung für den Rücktritt aus. Für solch einen „historisch höchst seltenen Beschluss sind großer Mut und Selbstreflektion nötig“, sagte das Staatsoberhaupt in Berlin: „Beides findet meinen außerordentlichen Respekt.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dankte dem Oberhaupt der katholischen Kirche für sein Wirken. Unvergessen bleibe für sie die Rede des aus Deutschland stammenden Papstes im Bundestag bei seinem Besuch in der Heimat im Jahr 2011. „Die Worte des Papstes werden mich noch lange begleiten“, sagte Merkel in Berlin.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, nannte den Rücktritt eine „große menschliche und religiöse Geste“. Die deutschen Bischöfe seien „erfüllt von großem Respekt und von Bewunderung“, erklärte der Freiburger Erzbischof. Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erklärte deren Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider, dass Ämter nur auf Zeit wahrgenommen würden und man ab einem bestimmten Lebensalter von allen amtlichen Pflichten befreit sei, gehöre „zum Maß des Menschlichen“. Er wünsche Benedikt von „ganzem Herzen erfüllte Jahre, die er ohne die Bürde des Amtes verleben möge“.

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Zum Abschluss seines Besuchs in Thüringen hat Papst Benedikt XVI. auf dem Erfurter Domplatz eine Heilige Messe gefeiert. Bild: Norbert Neetz / epd-Bild

Der Weltkirchenrat strich eine „Liebe und Verbundenheit“ Benedikts mit der ökumenischen Bewegung heraus. Generalsekretär Olav Fykse Tveit hob insbesondere hervor, dass der scheidende Pontifex als Theologieprofessor in den 60er und 70er Jahren in der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Weltkirchenrates gewirkt hatte. Der Ökumenische Rat der Kirchen vertritt rund 560 Millionen Christen.

Der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger war im April 2005 zum Papst gewählt worden. Zuvor war Ratzinger für seinen Vorgänger Papst Johannes Paul II. rund 20 Jahre als Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation einer der engsten Berater. Noch während des Zweiten Vatikanischen Konzils in den 60er Jahren hatte der 1927 im bayerischen Marktl am Inn geborene Theologe als reformorientiert gegolten. Unter den Erfahrungen mit der Studentenrevolte der 68er-Generation wandelte der Theologieprofessor und spätere Erzbischof von München und Freising sich jedoch zunehmend zum konservativen Hüter der katholischen Tradition.

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Papst Benedikt XVI. Bild: Romano Siciliani / epd-Bild

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sprach nach der Rücktrittsankündigung von einer „großen Entscheidung“ des Papstes. Dieses besonders schwierige Amt, nämlich eine Weltkirche voller Widersprüche zu führen, verlange volle geistige und körperliche Kraft. „Mit dem Hinweis darauf hat der Papst seinen Abschied begründet. Das könnte Folgen haben für seine Nachfolger. Und es sollte auch die Römische Kurie beeindrucken“, sagte der Katholik Thierse dem epd.

Dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. liegt nach Aussage seines Bruders Georg Ratzinger eine Gewissensentscheidung zugrunde. Die Gesundheit habe in den Entschluss mit einfließen müssen, weil sie wichtig für die Verwaltung des Papstamtes ist, sagte Ratzinger in Regensburg bei einer Pressekonferenz.

Der Lutherische Weltbund (LWB) würdigte das Bemühen Benedikts um einen katholischen Beitrag zum Reformationsjubiläum 2017. Zur Vorbereitung des Jubiläums habe Benedikt XVI. eng mit dem Weltbund kooperiert, sagte LWB-Präsident Bischof Munib Younan in Jerusalem dem epd.

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Papst Benedikt XVI. feiert in Leon (Mexiko) eine Messe. Bild: L'Osservatore Romano / epd-Bild

Der Zentralrat der Juden in Deutschland würdigte die Bemühungen Benedikts um das jüdisch-christliche Verhältnis. Benedikt habe den Kurs der Annäherung und Freundschaft seines Vorgängers beherzt fortgesetzt, erklärte Zentralratspräsident Dieter Graumann. In Israel dankte Oberrabbiner Jona Metzger dem scheidenden Papst für seinen Einsatz gegen den Antisemitismus. Die Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan seien „so gut wie nie zuvor“, erklärte Metzger.

In die Würdigungen mischten sich auch kritische Stimmen. Der nächste Papst muss nach Ansicht des katholischen Theologen Hans Küng die Kirche „aus ihrer vielschichtigen Krise herausführen“. Allerdings werde es „schwierig sein, in dem aufgrund der fatalen Personalpolitik der beiden letzten Päpste höchst konservativen Kardinalskollegium eine Person zu finden“, die diese Aufgabe lösen könne, erklärte der 84-Jährige in Tübingen.

Nach Ansicht des Direktors des Straßburger Instituts für Ökumenische Forschung, Theodor Dieter, könnte der Rücktritt negative Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen katholischer und evangelischer Kirche haben. „Trotz aller Kritik kannte kein anderer Papst als Papst Benedikt XVI. die evangelische Theologie und Religion so gut und war immer ein guter Gesprächspartner in Sachen Ökumene“, sagte Dieter dem epd.

Bischof Meister: Rücktritt des Papstes verdient Anerkennung

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Ralf Meister

Der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover hat mit Überraschung und Respekt auf den angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt XVI. reagiert. „Dieser Schritt verlangt eine deutliche theologische, geistige und intellektuelle Wachheit“, sagte Meister dem epd am Montag in Hannover. Das verdiene hohe Anerkennung. Gleichzeitig habe der Papst aus deutscher Sicht nicht die Erwartungen erfüllt, die mancher mit seiner Herkunft verbunden habe.

Viele Menschen hätten sich einen intensiveren ökumenischen Dialog zwischen katholischer und evangelischer Kirche gewünscht, sagte der Bischof der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Er ist zurzeit auch Ratsvorsitzender der fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen.

Meister erinnerte an einen Satz von Mutter Teresa, den Papst Benedikt 2011 in seiner Freiburger Rede zitiert hatte: „Die selige Mutter Teresa ist einmal gefragt worden, was sich als erstes in der Kirche ändern müsse. Ihre Antwort: Sie und ich.“ In diesem Sinn wäre ein bisschen mehr Veränderung innerhalb der römisch-katholischen Kirche wünschenswert gewesen, unterstrich Meister.

So werde in der öffentlichen Diskussion immer wieder der große Wunsch nach mehr Beteiligung der Laien genannt. Als Frage bleibe auch die Begleitung suchender und leidender Menschen. Dazu gehörten auch Ehepaare mit verschiedenen Konfessionen, die immer noch nicht die Eucharistie, das katholische Abendmahl, empfangen dürften.

Der 85 Jahre alte aus Bayern stammende Pontifex in Rom hatte am Montag erklärt, sich zum Monatsende aus gesundheitlichen Gründen von der Spitze der katholischen Kirche zurückzuziehen.

epd

Reaktionen im Kirchenamt der EKD und auf den Straßen von Hannover

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