2013_02_11

Bild: Michael Beuckert / epd-Bild

Wasser nicht privatisieren

Tagesthema 10. Februar 2013

Bischof Meister: Wasser ist mehr als nur ein Handelsgut

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Trinkwasser aus einem Wasserhahn. Bild: Christoph Papsch / epd-Bild

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat die geplante europäische Privatisierung der Wasserversorgung kritisiert. „Zum Glauben an Gott als den Schöpfer der Welt gehört der verantwortliche Umgang mit Wasser als lebenswichtiger Ressource“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Deshalb darf Wasser nicht einfach als ein Handelsgut wie jedes andere betrachtet und die Bewirtschaftung und Verteilung der Wasserressourcen den Marktmechanismen überlassen werden.“

Wasser habe als Quelle und Symbol des Lebens eine hohe religiöse Bedeutung, sagte Meister. Dies werde besonders in der Taufe sichtbar, die das Wort Gottes mit Wasser verbinde. Weltweit setzten sich die Kirchen für das Menschenrecht auf Zugang zu sauberem Wasser ein.

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Bachlauf. Bild: Stefan Arend / epd-Bild

In der EU wird derzeit eine neue Konzessionsrichtlinie für ein europaweites Vergaberecht in der Wasserversorgung geplant. Ein Fachausschuss hat den Plänen bereits zugestimmt. Stimmen das EU-Parlament und der EU-Rat den Vorlagen zu, müssen sämtliche konzessionspflichtigen Dienstleistungen rund um die Wasserversorgung europaweit ausgeschrieben werden. Viele Kommunen und Stadtwerke befürchten, dass in der Folge die Wasserversorgung privatisiert wird.

epd

Städtetag kämpft gegen Privatisierung der Wasserversorgung

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Wasser eines Wasserfalls. Bild: Michael Peuckert / epd-Bild

Bei seiner Sitzung in Bremerhaven warnte der Städtetag vor einer Privatisierung der Wasserversorgung. Die Bundesregierung müsse ihren Einfluss bei der Europäischen Union geltend machen, um entsprechende Pläne zu verhindern, forderte Ude. Die kommunale Wasserversorgung müsse aus der EU-Richtlinie zur Vergabe von Konzessionen herausgenommen werden. Wenn sich dafür keine Mehrheit finde, müssten die deutschen Abgeordneten im Europaparlament die Richtlinie ablehnen.

Ude mahnte, die Richtlinie stehe im Widerspruch zum EU-Vertrag von Lissabon, der die kommunale Selbstverwaltung bei der Daseinsvorsorge betone, zu der die Wasserversorgung ausdrücklich gehöre.  Preisanstiege und Qualitätseinbußen könnten die Folgen einer Privatisierung sein. Wasser sei ein ererbtes Gut, das geschützt und verteidigt werden müsse. Auch die meisten Menschen in Deutschland wünschten sich eine öffentliche Versorgung. Ude: „Es wäre eine Provokation, wenn über eine geplante Ausschreibungspflicht ein Zustand erzwungen wird, den die Mehrzahl der Bürger ablehnt.“

epd

Zur Erklärung des Städtetages

Landesbischof Ralf Meister im Wortlaut:

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Wasser bei einer Taufe. Bild: Jens Schulze / epd-Bild

Wasser als Quelle und Symbol des Lebens hat eine hohe religiöse Bedeutung. Sichtbar wird das in der Taufe, die das Wort Gottes mit Wasser verbindet. Zum Glauben an Gott als den Schöpfer der Welt gehört der verantwortliche Umgang mit Wasser als lebenswichtiger Ressource. Deshalb darf Wasser nicht einfach als ein Handelsgut wie jedes andere betrachtet und die Bewirtschaftung und Verteilung der Wasserressourcen den Marktmechanismen überlassen werden. Weltweit setzen sich die Kirchen für das Menschenrecht auf Zugang zu sauberem Wasser ein.

Landesbischof Ralf Meister

Klimawandel – Wasserwandel – Lebenswandel

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Nach über einjährigen Bau- und Umgestaltungsarbeiten wurde im vergangenen Jahr Luthers Taufkirche, die Petri-Pauli-Kirche in Eisleben, als „Zentrum Taufe“ wiedereröffnet (im Vordergrund das neue Taufbecken). Für Martin Luther, der hier im November 1483 getauft wurde, war die Taufe eines der wichtigsten Ereignisse im Leben. Bild: Steffen Schellhorn / epd-Bild

Auf ihrer Tagung 2008 in Bremen haben die Mitglieder der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland beschlossen:

Gott sei Dank: Wir alle sind ein Teil von Gottes guter Schöpfung und leben als Menschen mit vielen anderen Geschöpfen auf diesem Planeten. Diesen als schützenswerte Schöpfung zu begreifen, haben die Kirchen weltweit als springenden Punkt ihres Engagements für diese eine Welt erkannt. Es ist biblisch-theologisch gut begründet, wenn sich Christen für nachhaltigen Umwelt- und Naturschutz einsetzen und damit aller Schöpfungsvergessenheit wehren. Das weltweite Eintreten für „Gerechtigkeit“, „Frieden“ und „Bewahrung der Schöpfung“ ist unaufgebbare gemeinsame ökumenische Überzeugung....

Kundgebung der in Bremen tagenden Synode weiterlesen...