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Bild: DEKT

Kirchentag in der Marktkirche

Tagesthema 03. Februar 2013

Kirchentagsstimmung - drei Monate vor dem Kirchentag

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"Krieger des Lichts" - Probe vor dem Auftritt. Bild: Dethard Hilbig

Zehn Minuten vor dem Gottesdienst: Menschen kommen, suchen einen Platz. Sie treffen sich, unterhalten sich und manche studieren die Statuen und Zeichnungen von Ernst Barlach, die zur Zeit in der Marktkirche ausgestellt werden. Vor dem Altar probt die Band zum letzten Mal ihren Auftritt: „Dessen Mut ist wie ein Schwert. Doch die größte Waffe ist sein Herz.“ Pop und Kultur trifft Liturgie – Kirchentagsstimmung?

Fünf Minuten vor dem Gottesdienst: Til von Dombois, Popkantor in der hannoverschen Landeskirche stimmt mit den Gottesdienstteilnehmern die unbekannten Lieder auf dem ausgeteilten Liederblatt an. Einige aus der Schülergruppe auf der anderen Seite des Mittelgangs falten vorsorglich Papierflieger aus dem großflächigen Programm. Draußen klingen die Glocken und laden zum Gottesdienst am Kirchentagssonntag: Kirchentagsstimmung.

Kirchentagsruf lädt ein

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Der Kirchentagsruf. Bild: Dethard Hilbig

„Christ ist erstanden.“ Der Kirchentagsruf erklingt am Eingang der Marktkirche in Hannover. Nicht von unendlich vielen Posaunenbläsern wie in drei Monaten in Hamburg, sondern von vier Saxophonisten. Langsam gehen die vier durch den Mittelgang zum Altar. Vier Musiker mit ihren goldenen Instrumenten vor dem nicht weniger goldenen Altarbild. Sie interpretieren den Kirchentagsruf: Nicht heroisch, auffordernd und siegesgewiss, sondern umschmeichelnd, weich und einladend – Kirchentagsstimmung!

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Professor Martin Cordes. Bild: Dethard Hilbig

Bei dieser Interpretation des Kirchentagsrufs habe selbst der Engel von Barlach, der im Kirchenschiff schwebt, gelächelt, meint Professor Martin Cordes. Er ist Vorsitzender des Landesausschusses des Kirchentags für die Landeskirche Hannovers. Zusammen mit dem Stadtsuperintendenten von Hannover, Hans-Martin Heinemann begrüßt er zum Gottesdienst. Die Nordkirche, Gastgeberin des 34. Deutschen Evangelischen Kirchentags von 1. bis 5. Mai habe den Kirchentagssonntag am ersten Wochenende im Februar ausgerufen: Gemeinsam einladen zum größten Protestantentreffen. Er freue sich auch auf alle Katholiken und alle, die nicht evangelisch seien, wird Kirchentagspräsident Gerhard Robbers zum Schluss einladen.

Manna - „soviel du brauchst“

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Kirchentagssonntag: Lesung aus Exodus 16. Bild: Dethard Hilbig

„Soviel du brauchst“ - die Losung des Kirchentags: Gelesen wird im Gottesdienst der Abschnitt aus der Geschichte vom Auszug der Israeliten aus Ägypten, aus dem die Kirchentagslosung stammt. Die Israeliten murrten, weil sie zu wenig zu essen hatten. Da ließ es Gott Manna regnen und jeder sollte nehmen, „soviel er braucht“. Während der biblische Text gelesen wird, spielt Saxofresh, die vier Saxophonisten. Wie beim richtigen Kirchentag: Texte von Musik unterlegt. Unterbrochen von aktuellen Beispielen, was Menschen heutzutage brauchen. Dann begleitet lautstark Til von Dombois mit seiner Popband: Die Sätze verschwinden in der Musik.

Den eigenen Kompass neu ausrichten

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Kirchentagspräsident Dr. Gerhard Robbers (Trier). Bild: Dethard Hilbig

Kirchentagspräsident Gerhard Robbers interpretiert in seiner Predigt die Kirchentagslosung: Der Kirchentag werde die Frage der Verantwortung in den Vordergrund stellen. Hauptberuflich lehrt der Jurist Staatsrecht an der Universität in Trier. In Hannover erzählt er, wie dringend nötig die Losung für die Gesellschaft sei: Als er bei einem seiner Besuche in Hamburg am Hauptbahnhof ausgestiegen sei, habe er eine junge Frau beobachtet, die alles, was sie besaß, in zwei Plastiktüten mit sich herum schleppte. Sie schlurfte und ihm sei klar gewesen, dass diese Frau nicht alles hat, was sie braucht. Aber er habe sie nicht angesprochen, ihm habe die Kreativität, die Kraft, die Zeit, die Phantasie dazu gefehlt.

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Impressionen zur Kirchentagslosung: Programmdirektorin Ina Tenz. Bild: Dethard Hilbig

Ina Tenz, Programmdirektorin von ffn, erzählt ihre Gedanken zur Losung. Sie fühle sich herausgefordert zu überlegen, was sie selbst braucht. Eine Frage, die sie sich so schon lang nicht mehr gestellt habe. Der Kirchentag, so weiß die Medienmacherin, sei eine Herausforderung „den eigenen Kompass neu auszurichten“.

Til von Dombois und seine Band an stimmen „Krieger des Lichts“ von Silbermond an.

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Aufsteigende Klänge. Bild: Dethard Hilbig

Gerhard Robbers spricht die Einladung zum Kirchentag aus: „Kirchentag ist Mitmachen, Mitdiskutieren, Mitstreiten, Mitfeiern, Mitbeten. Es kommt auf jeden Einzelnen an.“ Über 2.000 Einzelveranstaltungen seien an den fünf Tagen Anfang Mai geplant und erstmalig habe der Kirchentag sogar eine Oper in Auftrag gegeben: „Ein neuer Akzent in der vielfältigen Musikfarbe des Kirchentags.“

Nach dem Segen, den der Geistliche Vizepräsident Arend de Vries spendet, spielt noch einmal Til von Dombois und danach Saxofresh. Dann gibt es, was zu jedem Kirchentag gehört und bisher in dem Kirchentagsgottesdienst gefehlt hat: Beifall. Eine Stunde Kirchentagsstimmung in der Marktkirche in Hannover und fünf Tage dann im Mai in Hamburg.

Von Christof Vetter (Evangelische Zeitung)

Kyrie

Gott,
wir kommen zu Dir.
Wir sind satt.
Es ist genug zu essen da für uns.
Jedenfalls für den Körper.
Die Seele ist oft hungrig.
Du weißt es.
Erbarme Dich

Gott,
viele Menschen haben Hunger.
Gutes Essen und sauberes Wassr
fehlen ihnen jeden Tag.
Hilf, dass sie es bekommen.
Hilf uns teilen.
Erbarme Dich.

Gott,
Du kennst unsere Seelen.
Du weißt, wonach wir uns sehnen.
Schenk uns Deine Güte.
Mach uns gemeinsam satt.
Wir hoffen auf Dich.
Erbarme Dich.

Robbers: Kirchentag fragt nach Verantwortung

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Kirchentagspräsident Dr. Gerhard Robbers. Bild: Dethard Hilbig

Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag in Hamburg wird nach den Worten seines Präsidenten Gerhard Robbers das Thema Verantwortung in den Vordergrund stellen. Eine verantwortungsvolle Wirtschaft angesichts der Kluft zwischen Reich und Arm und ein verantwortungsvolles Miteinander der Religionen und Kulturen zählten zu den Hauptthemen, sagte Robbers am Sonntag in Hannover bei einem Gottesdienst zu dem im Mai geplanten Protestantentreffen.

Bundesweit hatten evangelische Kirchengemeinden zum „Kirchentagssonntag“ eingeladen. Damit sollte auf das Ereignis hingewiesen werden, das vom 1. bis 5. Mai unter dem Motto „Soviel du brauchst“ in Hamburg stattfindet. Zu den rund 2.000 Veranstaltungen werden mehr als 100.000 Besucher erwartet. Robbers lud zu dem Treffen ein: „Kirchentag ist Mitmachen, Mitdiskutieren, Mitstreiten, Mitfeiern, Mitbeten. Es kommt auf jeden Einzelnen an.“

Das Motto „Soviel du brauchst“ stehe zum einen für Zuspruch und Zuversicht, sagte Robbers laut Redemanuskript. Es mache zudem die Zuwendung zu anderen deutlich: „Die Solidarität mit dem, der zu wenig hat. Hilfe für die Mühseligen und Beladenen. Respekt vor den anderen Bedürfnissen des Anderen“, erläuterte der Jurist, der an der Universität Trier Staatsrecht lehrt. „Soviel du brauchst“, betone das Maß. Das Motto fordere dazu auf, für soziale Gerechtigkeit einzutreten.