Fundraising heißt: Eine Beziehung aufbauen

Tagesthema 29. Januar 2013

Fundraising-Experte: Viele reiche Menschen spenden gern

Der britische Fundraising-Experte Martin Kaufman sieht in Deutschland noch ungenutzte Möglichkeiten, von sehr reichen Menschen Großspenden für soziale Zwecke zu erhalten. Viele Wohlhabende seien bereit, große Summen von mehreren zehntausend Euro bis hin zu Millionenbeträgen für eine gute Sache zu spenden, sagte Kaufman im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) nach einer Fachtagung an der Evangelischen Akademie Loccum. Die Entwicklung in Großbritannien und Nordamerika sei in dieser Hinsicht schon weiter als in Deutschland.

Unter den Wohlhabenden seien viele echte Menschenfreunde, denen es ein Anliegen sei, etwas von ihrem Reichtum abzugeben - auch aus religiösen oder politischen Gründen. Andere spendeten aus Dank für das, was sie erreicht hätten. Wieder andere seien von einer besonderen Lebenssituation betroffen, etwa einer Krebserkrankung ihrer Mutter, und gäben gern Geld zum Beispiel für Kliniken oder Forschung.

Einige wollten sich durch eine Spende ein Denkmal setzen, das über ihren Tod hinaus bestehe. Und schließlich spielten auch Schuldgefühle eine Rolle: Großspender wollten symbolisch etwas zurückzahlen für Fehler, die sie gemacht hätten.

Professionelles Fundraising könne aus diesen Faktoren eine „Motivationsanalyse“ erstellen und sich wohlhabenden Menschen respektvoll annähern, sagte Kaufman. Der 64-Jährige arbeitete als Fundraising-Leiter für das historische „Museum of London“ und hat sich inzwischen als Berater selbstständig gemacht. „Fundraising bedeutet, eine Beziehung aufzubauen“, betonte er. Dies sei ein langfristiger Prozess in mehreren Stufen. Kaufman verglich ihn mit der Brautwerbung vor einer Hochzeit.

Dabei gehe es um die langfristige Unterstützung eines Projektes durch Einzelne, Organisationen oder Stiftungen. „Ich bin immer schon an der übernächsten Spende interessiert“, sagte Kaufman. Entscheidend sei das ethische Fundament bei der Spendenwerbung: Fundraiser dürften keinesfalls Geld annehmen, das aus zweifelhafter Quelle stamme. „Organisationen sollten auch nicht mit Spendern zusammenarbeiten, die im Widerspruch zu ihren eigenen Werten stehen“, warnte der Experte.

epd-Gespräch: Michael Grau