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Schienenstrang Auschwitz-Birkenau, Bild: Denise-Sophie / photocase.com

Des Holocausts gedenken

Tagesthema 26. Januar 2013

Holocaust-Gedenktag - 27. Januar

Der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog proklamiert und auf den 27. Januar festgelegt. An diesem Tag war 1945 das Vernichtungslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit worden.

Die Vereinten Nationen riefen 2005 den 27. Januar als „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ (International Day of Commemoration to honour the victims of the Holocaust) aus. Seit 2006 wird er weltweit begangen.

Der Begriff „Holocaust“ leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet „Brandopfer“. Er wird heute vor allem für den systematischen Völkermord an den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten verwendet. Bis zum Kriegsende wurden rund sechs Millionen Juden ermordet.

epd

Landesbischof Ralf Meister
zum Holocaust-Gedenktag

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Landesbischof Ralf Meister

Der 27. Januar als „jüngster“ Gedenktag erinnert an das staatsterroristische Regime der Nationalsozialisten und die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Das Vernichtungslager Auschwitz ist einer der schrecklichsten Orte der Menschheitsgeschichte. Dieser Ort bleibt eine fortdauernde Mahnung vor dem, was der Mensch dem Menschen antun kann. Zugleich erinnert dieser Tag an die Verpflichtung, allen Ideologien mutig entgegen zu treten, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Religion ausgrenzen wollen.

Landesbischof Ralf Meister

Tourismusforscher:
KZ-Gedenkstätten sind auch Ziele für Touristen

Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus sind nach Ansicht des Tourismusforschers Heinz-Dieter Quack auch für Reiseveranstalter zunehmend Ziele. Schon immer hätten Schulklassen oder Vereine KZ-Gedenkstätten besichtigt, sagte der Professor der Ostfalia Hochschule in Salzgitter im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Neu ist die andere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, dass auch schwierige Themen einen Besuch lohnen.“

Der Tourismusforscher hat gemeinsam mit dem Paderborner Wissenschaftler Albrecht Steinecke eine Studie über „Dark Tourism“ (Dunklen Tourismus) herausgegeben. Darin werden auch Motive beschrieben, die Menschen zu Orten des Schreckes reisen lassen.

Steigende Besucherzahlen, wie sie etwa die niedersächsische KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen verzeichnet, lassen sich Quack zufolge auch darauf zurückführen, dass dort mit viel Engagement Ausstellungen zur Geschichte erarbeitet wurden. In Bergen-Belsen informiert ein Dokumentationszentrum umfassend über das frühere Konzentrations- und Kriegsgefangenenlager. „Eine fachlich fundierte Informationsvermittlung ist das A und O und wichtiger, je weiter Ereignisse zurückliegen“, betonte Quack.

„Die KZ-Gedenkstätten werden wegen der Dimension der Verbrechen, die dort geschehen sind, immer Orte der Erinnerung und der Trauer bleiben“, sagte Quack. Dorthin kämen Menschen, die verstehen wollten, wie es zu dem unfassbaren Völkermord an den Juden kommen konnte, erläuterte der Professor. Die Besucher würden zumeist im hohen Maße emotional berührt. „Das ist etwas anderes, als in den Geschichtsbüchern darüber zu lesen.“

Bei anderen Schreckensorten, wie Schlachtfeldern, habe sich die Motivlage der Besucher mit der Zeit gewandelt. Immer weniger Menschen seien persönlich betroffen, weil sie dort Angehörige verloren hätten. „Je weiter weg das Ereignis ist, desto weniger beschäftigen wir uns mit dem, was dort konkret passiert ist.“ So würden mittelalterliche Burgen, die Ausdruck einer gewalttätigen Herrschaft waren, heute oft sogar romantisch verklärt.

epd-Gespräch: Karen Miether