„Zehn große Freiheiten“

Tagesthema 13. Januar 2013

Kern des Grundgesetzes

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Der evangelische Militärdekan Armin Wenzel sieht in den Zehn Geboten keine einengenden Zwänge, sondern „zehn große Freiheiten“. Sie bildeten den Kern des Grundgesetzes, schreibt der leitende Militärseelsorger in einem Beitrag für die hannoversche „Evangelische Zeitung“. Sie ermöglichten „nicht nur Christen, sondern allen Menschen guten Willens, in großer Freiheit und Unabhängigkeit zu leben und zu entscheiden“. Denn die Zehn Gebote schützten das Zusammenleben der Menschen.

Christen müssten deshalb alles dafür tun, damit sie unter jungen Leuten nicht in Vergessenheit gerieten, fordert Wenzel. In vielen Elternhäusern geschehe das leider nicht mehr. „Umso wichtiger sind Lernorte wie der konfessionelle Religions- oder der kirchliche Konfirmandenunterricht.“ Zum Bereich des Evangelischen Militärdekanats unter der Leitung von Wenzel mit Amtssitz in Kiel gehören die Bundesländer Schleswig-Holstein und Niedersachsen sowie die Stadtstaaten Hamburg und Bremen.

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Im Wortlaut - Meine Meinung

Am Altjahresabend konnte ich in Norwegen einen evangelisch-lutherischen Gottesdienst besuchen. Zu Beginn wurde „Ein feste Burg ist unser Gott“ gesungen und nach der Predigt wurden aus dem Kleinen Katechismus Martin Luthers die zehn Gebote mit den dazugehörigen Erklärungen gelesen. Durch den feierlichen Gottesdienst wurde mir erneut deutlich, dass es keine einengenden Zwänge sind, die die Zehn Gebote vermitteln, sondern große Freiheiten, die sich eröffnen. Die Zehn Gebote bilden den Kern unseres Grundgesetzes und ermöglichen nicht nur Christen, sondern allen Menschen guten Willens, in großer Freiheit und Unabhängigkeit zu leben und zu entscheiden. Denn die zehn Gebote ermöglichen und schützen das Zusammen-Leben der Menschen.

Darum dürfen wir die Möglichkeiten, dieses christliche Grundwissen möglichst vielen jungen Menschen zu vermitteln, nicht aufgeben. Ich erwarte vielmehr, dass wir als Christen in einer Gesellschaft, in der biblisches Grundwissen zunehmend in Vergessenheit gerät, alles tun, damit die nachfolgende Generation die Chance erhält, sich weiterhin daran zu orientieren. Wenn es um den Bestand des konfessionellen Unterrichts an den Schulen geht, darf dieser in den Bundesländern, in denen er noch existiert, nicht ohne Not aufgegeben werden. Die Möglichkeit, Heranwachsenden die Bedeutung der Zehn Gebote zu vermitteln, kann nicht hoch genug geschätzt werden. In ganz vielen „Elternhäusern“ geschieht das leider nicht mehr. Umso wichtiger sind Lernorte wie der konfessionelle Religions- oder der kirchliche Konfirmandenunterricht.

Auch die Lutherdekade und das 2017 bevorstehende Reformationsjubiläum bieten eine großartige Gelegenheit, auf die Aktualität der Zehn Gebote, der Katechismen Luthers und der reformatorischen Bekenntnisse hinzuweisen. Dafür bereiten landeskirchliche Ausschüsse derzeit umfangreiches Unterrichtsmaterial vor. Die Evangelische Militärseelsorge wird die kommende Zeit nutzen, Soldaten auf die Bedeutung der Reformation aufmerksam zu machen. Martin Luther hat vor 500 Jahren die aus der biblischen Botschaft wachsende Erkenntnis aufgedeckt, dass von Gott geliebte und als Person anerkannte Menschen befreit sind zur Nächstenliebe und zur Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung.

Arnim Wenzel (aus: Evangelische Zeitung 2/2013)

Die Zehn Gebote in Luthers Kleinem Katechismus erklärt

DAS ERSTE GEBOT
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.
Was ist das?

Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.

DAS ZWEITE GEBOT
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.
Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir bei seinem Namen nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, sondern ihn in allen Nöten anrufen, beten, loben und danken.

DAS DRITTE GEBOT
Du sollst den Feiertag heiligen.
Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondem es heilig halten, gerne hören und lernen.

DAS VIERTE GEBOT
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß dir's wohlgehe und du lange lebest auf Erden.
Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsere Eltern und Herren nicht verachten noch erzürnen, sondern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und wert haben.

DAS FÜNFTE GEBOT
Du sollst nicht töten.
Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid tun, sondern ihm helfen und beistehen in allen Nöten.

DAS SECHSTE GEBOT
Du sollst nicht ehebrechen.
Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir keusch und zuchtvoll leben in Worten und Werken und in der Ehe einander lieben und ehren.

DAS SIEBENTE GEBOT
Du sollst nicht stehlen.
Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsers Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten.

DAS ACHTE GEBOT
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsern Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren.

DAS NEUNTE GEBOT
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten nicht mit List nach seinem Erbe oder Hause trachten und mit einem Schein des Rechts an uns bringen, sondern ihm dasselbe zu behalten förderlich und dienlich sein.

DAS ZEHNTE GEBOT
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was sein ist.
Was ist das?

Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten nicht seine Frau, Gehilfen oder Vieh ausspannen, abwerben oder abspenstig machen, sondern dieselben anhalten, daß sie bleiben und tun, was sie schuldig sind.

WAS SAGT NUN GOTT ZU DIESEN GEBOTEN ALLEN?

Er sagt so: Ich der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott. der an denen, die mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht bis zu den Kindern im dritten und vierten Glied; aber denen, die mich lieben und meine Gebote halten, tue ich wohl bis in tausend Glied.
Was ist das?

Gott droht zu strafen alle, die diese Gebote übertreten; darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn und nicht gegen seine Gebote handeln. Er verheißt aber Gnade und alles Gute allen, die diese Gebote halten; darum sollen wir ihn auch lieben und vertrauen und gerne tun nach seinen Geboten.