Mit Sprache achtsam umgehen

Tagesthema 06. Januar 2013

Niedersachsens Ministerpräsident will bessere Perspektiven für anerkannte Flüchtlinge

Bischof Meister rief Politiker auf, Wort zu halten. Ministerpräsident McAllister betonte das enge Verhältnis zu den Kirchen. Zwei Wochen vor den Landtagswahlen hatte die hannoversche Landeskirche zu ihrem traditionellen Neujahrsempfang eingeladen.

Bereits anerkannte Flüchtlinge müssen nach Ansicht von Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) in Deutschland noch besser integriert werden. „Sie verdienen klare Perspektiven für ihre Teilhabe an und in unserer Gesellschaft“, sagte McAllister am Epiphaniastag beim traditionellen Neujahrsempfang der hannoverschen Landeskirche im Kloster Loccum bei Nienburg. Dazu müssten gesetzliche Regelungen und Integrationsprogramme weiterentwickelt werden. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister rief zwei Wochen vor den niedersächsischen Landtagswahlen Politiker zu einem achtsamen Umgang mit der Sprache auf.

McAllister vereidigte vor rund 140 Gästen aus Politik und Gesellschaft die niedersächsische Flüchtlingspolitik. Die Landesregierung habe sich bemüht, unnötige Härten aus dem Aufenthalts- und Bleiberecht zu beseitigen. Aktuell strebe das Land mit einer Bundesratsinitiative eine Bleiberechtsregelung für langjährig geduldete Ausländer mit besonderen Integrationsleistungen an. Die Politik von Innenminister Uwe Schünemann (CDU) war auch aus den Kirchen immer wieder als zu hart kritisiert worden. McAllister sagte: „Für den offenen und ehrlichen Dialog gerade auch mit den christlichen Kirchen bin ich sehr dankbar.“

Unter Beifall sicherte McAllister zu, er werde sich für einen bundesweiten Feiertag zum 500. Reformationsjubiläum am 31. Oktober 2017 einsetzen. „Wenn sich das bewährt, könnten wir eine Tradition fortsetzen beziehungsweise wieder einführen.“ Die Signale dafür seien auch aus einigen anderen Bundesländern positiv. Der Ministerpräsident warb zudem für den Erhalt des konfessionellen Religionsunterrichtes an staatlichen Schulen. Ein allgemeines Fach „Religionen und Weltanschauungen“ sei keine Alternative.

Bischof Meister warnte vor religionsfeindlichen Tendenzen in der Gesellschaft. Er sprach sich entschieden für die Straffreiheit von Beschneidungen muslimischer und jüdischer Jungen durch medizinisch kundige Personen aus. Ihn habe manches entsetzt, was dazu geschrieben worden sei, unterstrich der Bischof: „Bis in die vergangene Woche hinein zeigte sich eine diffuse Mischung aus Unkenntnis, Ignoranz oder sogar Religionshass.“

Für den Umgang mit der Sprache mahnte Meister: „Es geht um eine Achtsamkeit, weil die Sprache die Kraft hat, darüber zu entscheiden, wohin wir Hand und Fuß setzen werden.“ Deshalb sei es so wichtig, dass die Sprache der biblischen Aufforderung „Wort halten“ verpflichtet bleibe. Dieses Zitat aus dem Johannesevangelium sei auch das Motto für die Feierlichkeiten zum 850. Jubiläum des im Jahr 1163 gegründeten Klosters Loccum. Das umfangreiche Festprogramm wird im März eröffnet und dauert sieben Monate.

epd

Die Rede von Landesbischof Ralf Meister nachlesen - auf landesbischof.hannovers.de