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Bild: Kloster Loccum / LVH 

Neuer Glanz für alte Mauern

Tagesthema 29. November 2012

Für das Jubiläum renoviert

Das Kloster Loccum bei Nienburg feiert im nächsten Jahr mit prominenten Gästen sein 850-jähriges Bestehen. Um die historische Stiftskirche zu sanieren, hat die evangelische Landeskirche rund 3,3 Millionen Euro investiert.

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Zum 850-jährigen Jubiläum des Klosters Loccum 2013 strahlt die Klosterkirche in neuem Glanz. Bild: epd-bild / Jens Schulze

Noch stehen Leitern und Gerüste im Kirchenschiff. Handwerker schmirgeln die Steinwände und wischen den Staub vom Boden. Doch an diesem Sonntag, dem ersten Advent, soll alles fertig sein. Dann wird die Stiftskirche des Klosters Loccum, eine der bedeutendsten Kirchen in Niedersachsen, nach zweijähriger Restaurierung im Beisein von Landesbischof Ralf Meister mit einem Festgottesdienst wieder eingeweiht.

Wenn das Kloster nahe dem Steinhuder Meer von März bis Oktober sein 850-jähriges Jubiläum feiert, soll die Klosterkirche in neuem Glanz erstrahlen. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers hat sie deshalb für 3,3 Millionen Euro gründlich sanieren lassen. „Ich bin überwältigt von der Schönheit dieser Kirche“, sagt der Abt des Klosters und frühere Landesbischof Horst Hirschler.

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Der Abt des Klosters Loccum, der frühere Landesbischof Horst Hirschler (rechts), spricht mit Bauleiter Constantin Anastasiou über die Baufortschritte in der Loccumer Klosterkirche. Bild: epd-bild / Jens Schulze

Zwei Jahre lang war die einst von Zisterzienser-Mönchen errichtete Kirche von innen komplett eingerüstet. „Das sah aus wie ein Werk von Christo“, erzählt Hirschler. Vor allem musste die Statik des mittelalterlichen Gebäudes gesichert werden. Denn die hohen gotischen Gewölbebogen üben mächtigen Druck auf die Mauern aus. Im Lauf der Jahre hatten sich bereits Risse gebildet. Um das Gemäuer zu stabilisieren, trieben Handwerker mit schwerem Gerät bis zu 25 Meter lange Edelstahlstangen in die Wände und zogen weitere quer durchs Kirchenschiff, um die Wände miteinander zu verbinden.

Auch der alte Innenputz, überstrichen mit schlecht atmender Binderfarbe, musste weichen. Auf 70 Metern Länge und 18 Metern Höhe wurde die Kirche mit Sandstrahl behandelt. „Sieben Wochen Staubwaschküche, man sah nichts“, erläutert der Abt. Zum Vorschein kamen Wandblöcke aus Münchehäger Sandstein, die der Kirche eine neue Optik in warmen Naturtönen verleihen.

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Ein Handwerker gibt den Wänden der Loccumer Klosterkirche den letzten Schliff. Bild: epd-bild / Jens Schulze

Eine neue Orgel, erbaut von der Firma Seifert aus Kevelaer am Niederrhein, soll der Klosterkirche auch akustisch neuen Glanz verleihen. Das dreimanualige Instrument verfügt über 37 Register, zudem können sieben Register einer spanischen Orgel hinzugeschaltet werden. Statt auf einer Empore sitzt der Organist künftig auf einer Höhe mit dem Pastor und der Gemeinde. Im Jubiläumsjahr sollen hier international bekannte Organisten über vorgegebene Texte improvisieren.

Rund 996.000 Euro hat die Orgel zusätzlich gekostet, doch den bei weitem größten Teil davon steuern Stiftungen und Sponsoren bei, erzählt Abt Hirschler: „Ich bin richtig mit einem großen Klingelbeutel herumgegangen und habe viele Menschen gefragt, ob sie etwas dazu geben können.“ Die alte Orgel zu restaurieren, hätte bereits die Hälfte eines Neubaus gekostet. Deshalb wurde das frühere Instrument verkauft. Es erklingt jetzt in der Nähe von Nizza.

Prominente Gäste werden der runderneuerten Klosterkirche im nächsten Jahr ihren Besuch abstatten. Der Ministerpräsident wird das Jubiläumsjahres am 21. März eröffnen, Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat für eine Lesung im Kloster zugesagt. Bis zum 31. Oktober läuft ein umfangreiches Kulturprogramm mit täglichen Führungen und Andachten sowie zahlreichen Konzerten oder Theater-Aufführungen unter dem biblischen Motto „Wort halten“.

Die Initiatoren blicken dabei auf eine reiche Geschichte zurück: Zisterzienser-Mönche aus Thüringen kamen 1163 nach Loccum, um dort ein neues Kloster zu gründen. Um das Jahr 1600 wechselte das Kloster zum evangelisch-lutherischen Glauben. Seit etwa 300 Jahren dient es als Predigerseminar für angehende Pastorinnen und Pastoren und gilt als geistliches Zentrum der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland.

Von Michael Grau (epd)

Klingende Steine

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Der Abt des Klosters Loccum, der frühere Landesbischof Horst Hirschler freut sich über die restaurierte Loccumer Stiftskirche. Bild: epd-bild / Jens Schulze

Musik war für die Zisterzienser, die das Kloster Loccum gebaut haben, ein  „Echo auf die göttliche Ordnung der Welt“. Um sie zu preisen und die  Chaosmächte des Lebens zu bannen, stimmten die Mönche sieben Mal am Tag das Lob Gottes in gregorianischen Gesängen an. Ihre Kirchen bauten sie nach Maßverhältnissen musikalischer Harmonien und machten sie so zu „klingenden Steinen.“

Martin Luther schrieb: „Ich liebe die Musik... Weil sie erstens ein Geschenk Gottes und nicht der Menschen ist, zweitens weil sie die Seelen fröhlich macht, drittens weil sie den Teufel verjagt, viertens weil sie unschuldige Freude weckt...Ich gebe der Musik den ersten Platz nach der  Theologie.“ Hoffnung und Verzweiflung, Glaube und Zweifel, Freude und Leid, Liebe und Hass finden in der Musik eine „Sprache“, die in der ganzen Welt verstanden wird. Um sie immer wieder zu hören, wurden die „Klingenden Steine“ gegründet, eine Musikvereinigung am Kloster Loccum. Ihre Aufgabe ist es, dem Glauben im Leben und dem Leben im Glauben durch Musik Sprache zu geben.

„Jauchzet, frohlocket!“

Mit dem Weihnachtsoratorium kommen die „Klingenden Steine“ dieser Aufgabe nach. Am 1. Advent um 17.30 Uhr erklingt der Lobpreis Gottes in der Sprache Johann Sebastian Bachs. Wir feiern und preisen die Gnade Gottes, die in der Geburt Jesu menschliche Gestalt angenommen hat und fragen uns mit allen, die glaubenshungrig sind: „Wie soll ich Dich empfangen...?“

Gleichzeitig feiern wir die Wiedereröffnung der Klosterkirche nach zweijähriger Bauzeit. Schön ist sie geworden! Nach 850 Jahren hat sie noch einmal ein „neues Kleid“ angelegt. Oder ist es das alte, das „ursprüngliche“ Kleid? Die Steine jedenfalls strahlen in neuer Schönheit und „klingen“ für jeden, der es sehen und hören will.

Die Musikvereinigung „Klingende Steine“ freut sich auf Ihren Besuch undjede denkbare Unterstützung. „Jauchzet, frohlocket! Auf, preiset dieTage!“ Lassen Sie uns hören, was Gott für uns tat und in welcher Sprache Johann Sebastian Bach es uns erzählt.

Hans May, 1. Vorsitzender der Musikvereinigung am Kloster Loccum, Klingende Steine

Das Stichwort: Das Kloster Loccum

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Das Kloster Loccum am Steinhuder Meer wurde 1163 von Zisterzienser-Mönchen gegründet und wechselte um das Jahr 1600 zum evangelisch-lutherischen Glauben. Bis heute gehört es offiziell zum Orden der Zisterzienser und zur „Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben in Deutschland“. Seit etwa 300 Jahren dient es als Predigerseminar für angehende Pastorinnen und Pastoren der hannoverschen Landeskirche und benachbarter evangelischer Kirchen.

Loccum gilt neben dem Kloster Maulbronn in Baden-Württemberg als das am besten erhaltene Zisterzienser-Kloster nördlich der Alpen. Es wird von einem Konvent, der mindestens zweimal im Jahr zusammenkommt, unter dem Vorsitz des Abtes geleitet. Mitglieder sind Pastoren und Juristen der Landeskirche. Derzeitiger Abt ist seit zwölf Jahren der frühere hannoversche Landesbischof Horst Hirschler.

Zum Kloster gehört auch eine kostbare historische Bibliothek. In unmittelbarer Nachbarschaft des Klosters siedelte die Landeskirche die Evangelische Akademie Loccum an. Mit einem umfangreichen Kulturprogramm feiert das Kloster von März bis Oktober sein 850-jähriges Bestehen.

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Bild: misterQM / photocase.com

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