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Bild: Jens Schulze

Bischof berichtet vor Synode

Tagesthema 28. November 2012

Bischof Meister weist Diakonie-Kritik in Medien zurück - Kirche lehnt kommerzielle Suizidbeihilfe ab

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Landesbischof Ralf Meister. Bild: Jens Schulze

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat sich gegen Kritik an der Diakonie in den Medien gewandt. In Fernseh-Sendungen und Zeitschriften sei die Sozialarbeit der Kirchen in den vergangenen Wochen zum Teil stark verzerrt dargestellt worden, sagte er am Donnerstag in Hannover vor der Synode der evangelischen Landeskirche. In seinem turnusgemäßen Bischofsbericht wandte sich Meister auch gegen eine kommerzialisierte Beihilfe zum Suizid, die vom Bundestag verboten werden soll. Die hannoversche Landeskirche ist mit rund 2,9 Millionen Mitglieder die größte evangelische Landeskirche in Deutschland.

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Landesbischof Ralf Meister. Bild: Jens Schulze

In den Medienberichten zur Diakonie war kritisiert worden, dass die kirchliche Sozialarbeit zum größten Teil vom Staat finanziert werde. Bei dieser Kritikwelle werde der politische Grundsatz der „Subsidiarität“ infrage gestellt, sagte Meister. Danach erbringe der Staat soziale Dienstleistungen nicht selbst, finanziere sie aber. In Deutschland seien deshalb ideell unterschiedlich ausgerichtete Träger von Sozialleistungen aktiv. Diese seien vom Staat alle gleich zu behandeln.

„Caritas und Diakonie bekommen nicht mehr Geld als die anderen Wohlfahrtsverbände“, unterstrich Meister.  Die Gesellschaft müsse weiterhin ein hohes Interesse daran haben, dass unterschiedliche Anbieter und eben auch die Kirchen soziale Leistungen erbrächten. „Müsste der Staat die sozialen Aufgaben ganz allein schultern, wäre er überfordert.“

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"Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt" - gemeinsames Singen zum Abschluss des Bischofsberichtes.   Bild: Jens Schulze

Zur Sterbehilfe sagte Meister: „Ich habe große Sorgen, dass durch die Kommerzialisierung der Suizidhilfe der Eindruck entsteht, der Sterbeprozess und das Lebensende seien eine gewöhnliche Dienstleistung.“ Dies könne für schwer kranke und alte Menschen einen Erwartungsdruck erzeugen, ihr eigenes Leben zu beenden. „Menschen in Grenzsituationen ihres Lebens müssen zum Leben ermutigt und unterstützt werden“, betonte der Bischof.

Die evangelische Kirche begrüße deshalb die Initiative der Bundesregierung, der gewerbsmäßigen Sterbehilfe entgegenzuwirken. Wichtig sei jedoch eine gut ausgestattete schmerzmedizinische Versorgung schwer kranker Patienten. „Aus dem Umgang einer Gesellschaft mit sterbenden Menschen wird man erkennen, welchen Wert sie dem Leben gibt.“

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Beifall für den Bericht des Landesbischofs.   Bild: Jens Schulze

Meister forderte zudem mehr Respekt vor der Adventszeit in der Gesellschaft. Er übte er scharfe Kritik daran, dass in einigen deutschen Städten die Weihnachtsmärkte schon vor dem Buß- und Bettag eröffnet hätten: „Welche unglaubliche kulturelle Verwahrlosung greift unter ökonomischen Prinzipien hier durchs Land.“

Es gebe aber auch positive Beispiele. Der Bischof dankte den Parteien in Niedersachsen, dass sie auf Wahlkampf-Plakate in der Adventszeit verzichteten. „Das ist ein gutes Zeichen für das christliche Kulturgut Advent und die Weihnachtszeit.“

epd