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Bild: sajola / photocase.com

Habichte sind in der Luft

Tagesthema 25. November 2012

Mit einem Habicht gegen die Kaninchenplage

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Falkner Erich Dräger (48) geht mit Habicht „Tweety“ auf dem Friedhof in Hannover-Kleefeld auf Kaninchenjagd. Bild: Harald Koch / epd-Bild

Mancherorts sind sie zu einer echten Plage geworden: Wildkaninchen haben sich in den letzten Jahren ungeheuer vermehrt. Auf Hannovers Friedhöfen fühlen sich die Tiere besonders wohl. Die Kaninchen zerwühlen Anpflanzungen und hinterlassen ihren Kot auf den Gräbern. Zum Problem wird vor allem, dass sie mit ihrem unterirdischen Tunnelsystem sogar schwere Grabsteine ins Wanken bringen können. Um der Mümmelmann-Plage zu begegnen, greifen die Friedhofsverwalter jetzt zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Ein Falkner soll die Kaninchen auf dem Gottesacker jagen.

Die Bilanz des Habichts „Tweety“ kann sich sehen lassen. Der Greifvogel von Eric Dräger (48) hat in diesem Jahr schon 18 Kaninchen auf dem evangelischen Friedhof am Nackenberg erlegt. Im Schnitt ist das weibliche Jungtier, das sich noch in der Ausbildung befindet, bei jedem vierten Versuch erfolgreich. „Auf einem Friedhof zu jagen ist für sie jedoch unwahrscheinlich schwer“, berichtet der Hobbyfalkner aus Rehburg bei Nienburg. Denn im Gegensatz zum freien Feld gibt es auf den parkartigen Anlagen an jeder Ecke Büsche und Hecken, unter denen die Kaninchen in Deckung gehen können.

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Um der Mümmelmann-Plage zu begegnen, greifen die Friedhofsverwalter jetzt zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Ein Falkner soll die Kaninchen auf dem Gottesacker jagen. Bild: Harald Koch / epd-Bild

Bundesweit gibt es rund 3.000 Falkner, die Raubvögeljunge aufziehen und zur Jagd dressieren. Dräger hat seinen Habicht „Tweety“, den seine Kinder nach dem bekannten gelben Zeichentrickvogel benannt haben, speziell auf Kaninchen abgerichtet. Andere Beute lässt der Vogel also links liegen. „Greifvögel lassen sich aber nicht dressieren wie Hunde“, betont der Falkner. „Sie bleiben distanzierter zum Menschen und letztlich ein wildes Tier.“

Mit der Zeit baut sich zwischen dem Falkner und dem Greif dennoch ein besonderes Vertrauensverhältnis auf. Zuneigung und Liebe spielten bei der Ausbildung des Tieres eine große Rolle, erläutert Dräger. Denn nur aufgrund der persönlichen Beziehung kehrt der Habicht immer wieder auf seinen großen Lederhandschuh zurück. Als zusätzliches Lockmittel dient das Futter: So bekommt „Tweety“ nach jedem Start von Dräger ein totes Hühnerküken zur Belohnung.

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Die Bilanz des Habichts „Tweety“ kann sich sehen lassen. Der Greifvogel hat in diesem Jahr schon 18 Kaninchen auf dem evangelischen Friedhof am Nackenberg erlegt. Bild: Harald Koch / epd-Bild

Für Heinz Pyka (62), der als hannoverscher Stadtjäger bekannt ist, liegen die Vorteile einer Jagd mit Greifvögeln auf der Hand. Da der Friedhof ein Ort der Ruhe ist, sei es schlichtweg nicht angebracht, zwischen den Gräbern mit Schrot und Korn auf die Pirsch zu gehen. „Im Stadtgebiet würden durch die Schüsse außerdem die Anwohner gestört“, sagt Pyka. „Oder sie halten die Jagd sogar für eine Schießerei und rufen die Polizei.“

Was des einen Leid, ist des anderen Freud: Die auf Hannovers Grünanlagen erlegten Kaninchen werden vom Jäger nicht etwa eingekuhlt, verbrannt oder anderweitig entsorgt. Vielmehr sind die Langohren als schmackhafte Delikatesse bekannt. Den Vorwurf, es sei makaber, Fleisch vom Friedhof zu essen, lässt Pyka aber nicht gelten. „Kaninchen sind reine Pflanzenfresser“, sagt er. Im Gegensatz zu Tieren aus industrieller Massentierhaltung handele es sich bei ihnen um 100 Prozent ökologisches Fleisch.

Von Thomas Paterjey (epd)

Falkner lässt den Habicht kreisen

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Auf dem Nackenbergfriedhof in Hannover sind Kaninchen zur Plage geworden. Sie fressen Blumen, graben Löcher und unterhöhlen Gräber. Habicht „Tweety“ soll es nun richten. Zusammen mit Stadtjäger Heinz Pyka tritt er in den Kampf gegen die Mümmelmänner. ekn war mit der Kamera dabei.