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Bild: Jens Schulze

Mission in der Nachbarschaft

Tagesthema 23. November 2012

Gossner Mission würdigt „Arbeiterpfarrer“ Horst Symanowski

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Hilfe für Juden im „3. Reich“ - ein großes Thema. Bild: Jens Schulze

Horst Symanowski gilt als einer der einflussreichsten, kreativsten und streitbarsten Pioniere kirchlicher Industrie- und Sozialarbeit in Deutschland. Dabei erwarb er sich den – nicht immer freundlich gemeinten – Beinamen „Arbeiterpfarrer“. Sein Name verbindet sich auch mit der Bekennenden Kirche während der NS-Diktatur, mit der Ostermarschbewegung in der jungen Bundesrepublik und mit seinem Einsatz für die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze in den sechziger Jahren. Eine Ausstellung im Haus kirchlicher Dienste in Hannover würdigt Symanowski als he-rausragende Gestalt des deutschen Protestantismus.

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Viele Besucher kamen zur Eröffnung der Ausstellung im Haus kirchlicher Dienste. Bild: Jens Schulze

Horst Symanowski wurde am 8. September 1911 in Nikolaiken in Masuren geboren. Als Pfarrer wurde er zunächst zur Wehrmacht eingezogen, dann aber schwerverletzt entlassen. Als NS-Gegner und Mitglied der Bekennenden Kirche  konnte er nicht in der – gleichgeschalteten – Kirche arbeiten. Er fand als „illegaler Bruder“ eine Anstellung bei der Gossner Mission in Berlin. In diesem Zusammenhang konte er Kontakte zu Menschen knüpfen, die bereit waren, Juden zu verstecken. Gemeinsam mit seiner ersten Frau Isolde wurde er dafür nach dem Krieg von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem geehrt und unter die „Gerechten der Völker“ aufgenommen.

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Austellungskuratorin Anette Neff gibt eine Einführung in die Ausstellung. Bild: Jens Schulze

1948, als die Sowjetunion die Zugänge zu Berlin blockierte, beauftragte ihn die Berliner Gossner Mission mit der Gründung eines Ablegers im Westen. An seiner neuen Wirkungsstätte in Mainz-Kastel bewarb sich Symanowski als Hilfsarbeiter in einem Zementwerk für 1,48 Mark Stundenlohn. „Statt mündige Chris-ten habe ich entmündigte Arbeiter getroffen“, beschrieb er einmal sein Schlüsselerlebnis. Als er Arbeiter dazu gebracht hatte, in einer Betriebsversammlung das Wort zu ergreifen, sei er als Kommunist bezeichnet und gefeuert worden.

Statt ein Zentrum zur Bekehrung von Menschen in fremden Ländern einzurichten, richtete Symanowski ein Zentrum zur „Bekehrung“ von Theologen ein. „Wir können nicht Missionare nach Indien senden, wenn wir die Arbeiter in unserer Nachbarschaft vergessen“, sagte er. Im Rahmen seiner Arbeit für die Gossner Mission gründete Horst Symanowski Mitte der 1950-er Jahre das „Seminar für kirchlichen Dienst in der Industriegesellschaft“. Die Erneuerung der Arbeitswelt durch die Mitbestimmung sei nur teilweise gelungen, und die Erneuerung der Kirche nach dem Krieg überhaupt nicht, zog Symanowski wenige Jahre vor seinem Tod (2009) nüchtern Bilanz.

Von Michael Eberstein (aus: Evangelische Zeitung)

Informationen zur Ausstellung

Die Ausstellung

„Horst Symanowski – Ermöglichen als Lebensaufgabe“

ist bis 20. Dezember
im Haus kirchlicher Dienste, Archivstraße 3, Hannover,
werktags von 9 bis 17 Uhr zu sehen.

Zum Haus kirchlicher Dienste