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Bild: Joexx / photocase.com

Weit mehr als nur Hausmeister

Tagesthema 19. November 2012

Immer weniger hauptamtliche Küster halten Kirchen in Schuss

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Küster Rudolf Schäfer schließt die mächtige Tür der Klosterkirche in Riddagshausen bei Braunschweig auf. Foto: epd-Bild / Marianne Syring

Mit kräftigen und konzentrierten Bewegungen reibt Rudolf Schäfer ein Stück Putzwatte über die Taufschale bis das Messing funkelt. Die Sakristei der Riddagshäuser Klosterkirche bei Braunschweig ist von einem Geruch nach Firnis und Terpentin erfüllt. Es ist winterlich kühl, doch der 62-Jährige ist zu sehr in die Arbeit vertieft, als dass er das wahrnehmen würde. Als Küster ist er das unverzichtbare „Mädchen für alles“, sagt er, jedoch auch: „Wer weiß, wie lange es unseren Berufsstand noch in dieser Form gibt?“

Schäfer ist Vorsitzender des Deutschen Evangelischen Küsterbundes. Dem Zusammenschluss gehören bundesweit zwölf regionale Verbände mit etwa 5.800 Kirchendienern an. In der braunschweigischen Landeskirche feiert die örtliche Arbeitsgemeinschaft der Kirchenvögtinnen und Kirchenvögte am Sonnabend ihr 50-jähriges Bestehen. Die Küster oder Mesner - mancherorts auch Kirchenvogt oder Kirchner genannt - sorgen für den reibungslosen Ablauf von Gottesdiensten. Zudem kümmern sie sich um die Pflege von Gebäuden und Anlagen. „Wir sind aber weit mehr als nur Hausmeister“, betont Schäfer.

In der Regel finde die Gemeinde eine saubere Kirche vor, mit Blumenschmuck, den korrekt ausgewählten Altartüchern, gut begehbaren Wegen auf dem Gelände und einer gepflegten Gartenanlage. „Wer die graue Eminenz hinter all dieser Arbeit ist, das machen sich die wenigsten bewusst“, sagt Schäfer. Zwei Tage brauche er beispielsweise, um in der gesamten Kirche Staub zu saugen. „Fegen geht nicht“, sagt er. Der Staub würde aufgewirbelt, und bei 24 Metern Deckenhöhe würde er sich an unerreichbaren Stellen festsetzen.

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Küster Rudolf Schäfer poliert die Taufschale in der Klosterkirche in Riddagshausen bei Braunschweig auf Hochglanz. Foto: epd-Bild / Marianne Syring  


Schäfer kennt zu beinahe jedem Metall den passenden Reiniger. Er kennt die Geschichte seiner Kirche, die er Touristengruppen erläutert: „Und einmal hatte der Organist bei einer Trauung verschlafen, da habe ich mich schnell an die Orgel gesetzt und den Einzug gespielt“, verrät er. Angesichts klammer Kassen fürchtet er dennoch um den Fortbestand vieler Küsterstellen.

Viele Ehrenamtliche machten gute Arbeit und seien mit ähnlich viel Herzblut bei der Sache, wenn es um „ihre Kirche“ gehe. Doch an vielen Stellen fehle ihnen die grundlegende Ausbildung eines Küsters, sagte Schäfer. Davon, dass Ehrenamtliche den Berufsstand ersetzen, hält er nichts. Die Stellen werden jedoch immer weiter zusammengestrichen, berichtet er: „Bei diesem Tempo kann man alle Hauptamtlichen in Vollzeit auf dem Gebiet der braunschweigischen Landeskirche bald mit zwei Händen abzählen.“ Dabei sei eigentlich in jeder Kirche „Arbeit pur“ zu finden.

„Bis nach Silvester habe ich in diesem Jahr kein einziges freies Wochenende mehr“, sagt Schäfer nach einem Blick in seinen Kalender. Die Arbeit könne daher auch zur Belastung für die ganze Familie werden. Es habe beispielsweise Jahre gebraucht, bis sich sein Enkel damit abfinden konnte, dass Opa an Weihnachten morgens aus dem Haus geht und erst nach Mitternacht zurückkommt. Und doch: „Ein Küster ist der Erste, der kommt, und der Letzte, der geht“, bringt Schäfer seine Loyalität zum Beruf auf eine Formel.

Von Björn Schlüter (epd)

Küster in der Gemeinde – ein Allround-Manager

Der Küsterberuf ist kein eigentlicher Ausbildungsberuf, aber für eine Anstellung in den Küsterdienst ist eine abgeschlossene Berufsausbildung hilfreich und gut. Diese Ausbildung sollte den Tätigkeitsbereichen des Dienstes entsprechen. Durch Teilnahme an Einführungslehrgängen, Seminaren und sonstigen Fachtagungen kann das erforderliche Wissen (die praktischen, geistlichen und theologischen Bezüge) für die Arbeit in der Kirchengemeinde erworben werden.

Der Fachbereich Berufsgruppenarbeit  bietet für die Berufsgruppe der Küsterinnen und Küster der Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers eine ganze Reihe von Fort- und Weiterbildungsangeboten an und vermittelt Fachberatung.
 

Die Arbeit mit Küsterinnen und Küstern im Haus kirchlicher Dienste

Die Küstervereinigung

Die Küstervereinigung

  • ist eine Fachgruppe im Verband kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Hannover e.V. (VkM), in der KüsterInnen, HausmeisterInnen und FriedhofswärterInnen zusammengefasst sind.   
  • will die fachliche, dienstliche und sozialen Anliegen für ihre Mitglieder - und mit ihren Mitgliedern - vertreten.    
  • sieht ihre Aufgabe vorrangig in der Fortbildung und Berufsbegleitung.   
  • möchte mit ihrer Arbeit den Erfahrungsaustausch und die Möglichkeit des gegenseitigen Kennenlernens fördern.
  • wirkt mit bei Fortbildungsseminaren und Landestagungen, die regelmäßig in Zusammenarbeit mit dem Haus Kirchlicher Dienste in der Landeskirche durchgeführt werden.  
  • wirkt bei den Einführungslehrgängen für KüsterInnen in den ersten Jahren der Anstellung mit.  
  • bietet fachliche Beratung durch Mitglieder des Vorstandes.
  • ist Mitglied im Deutschen Evangelischen Küsterbund.
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