2012_06_24_schmal

Bild: Jens Schulze

Von Gott poetisch-musikalisch reden

Tagesthema 10. November 2012

Bachs Kantaten als kleiner Kosmos klingender theologischer Formen

Über das Zusammenspiel von Poesie, Theologie und Musik.

1. Bemerkungen zur Geschichte der Kantatendichtung
1.1. Eine Kantate, was ist das eigentlich?

arnold
Jochen Arnold

Der Begriff stammt eigentlich aus dem Italienischen („Cantata” oder „Cantada”, so erstmals um 1620 bei Alessandro Grandi, gest. 1630) und bezeichnet dort im Gegensatz zur Sinfonia zunächst etwas Gesungenes, also Vokalmusik. Dabei handelt es sich zunächst um eine weltliche Gattung, die im Gegensatz zur dramatischen Oper eher lyrisch-kammermusikalisch geprägt war. Ihren „Sitz im Leben” hatte sie am Hof der Fürstenhäuser und Mäzenaten (Rom, Venedig, Neapel etc.).

Allmählich verstand man unter einer Cantata eine Komposition, die aus deklamierenden Rezitativen in madrigalischen, d.h. unregelmäßig langen, meist jambischen Versen und strophenartigen Arien bestand. Der Inhalt war meist Schäfer- und Liebeslyrik.

Von dem Römer Giacomo Carissimi wird der Begriff Mitte des 17.Jh. auch für eine geistliche Dichtung verwendet. In Deutschland mehren sich zwar mit Heinrich Schütz (1585-1672) zunehmend auch italienische Einflüsse, ja sogar der Begriff Cantate taucht bereits 1638 bei Schützens Schüler Kaspar Kittel auf. Zugleich dominiert aber im protestantischen Bereich weiterhin die strenge Bezogenheit der gottesdienstlichen Musik auf die in Schriftlesung und Predigt ergehende Wortverkündigung. So bleiben hier Bibelwort (meist Evangelium oder Psalm) und Choral zunächst die bestimmenden poetischen Gattungen für geistliche Kompositionen (Motette, Concerto oder Dialogus). Dabei legen sich die Prosa der Bibel und die geistliche Poesie des Chorals gegenseitig aus, die Musik konnte dabei nicht nur eine exegetische Funktion übernehmen, sondern auch musikalisch interessante neue Konstellationen entstehen lassen im Sinne eines Changierens von Cantio und Concio, Gesang und Predigt.

Der Begriff Cantata bleibt dennoch bis um 1700 weitgehend der weltlichen italienischen Gattung vorbehalten. Wird er – etwa im norddeutschen oder mitteldeutschen Raum – für eine geistliche Komposition verwendet, so ist mit odenartigen Texteinschüben (Aria) zu rechnen. Selbst J.S. Bach verwendet den Ausdruck „Cantata“ zeitlebens nur für weltliche Kantaten, während er geistliche Kantaten mit Concerto oder Dialogus überschreibt.

Chorsänger
Bild: Jens Schulze

Bachs Kantaten - Klang des Lebens - Rhythmus des Jahres

Cover

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Hans Werner Dannowski,
Der Himmel lacht. Bachs Kantaten im Rhythmus des Jahres
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