2012_11_05

Bild: Dieter Sell

Weihnachten ist im Dezember

Tagesthema 04. November 2012

Alles ist rot, überall pausbäckige Gesellen, freundlich lächelnd. Das niedersächsische Himmelpforten gibt den Weihnachtsmännern ein Zuhause. 1.000 Rotröcke und ein Christkind bevölkern ein ehemaliges Waschhaus. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit im Dezember.

1.000 Weihnachtsmänner und ein Christkind

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Rolf Wieters (68) vom Förderverein „Christkinddorf Himmelpforten“ schmückt  eine Holzleiter mit Weihnachtsmannfiguren. Bild: epd-bild/Dieter Sell

Der kleinste Kerl misst gerade mal neun Millimeter, der größte prangt mit lebensechten 1,80 Meter an der Wand. Die beiden Gesellen mit rotem Mantel und weißem Bart gehören zu einer Sammlung von Weihnachtsmännern, für die im niedersächsischen Himmelpforten bei Stade ein eigenes kleines Museum entstanden ist. In einem grundsanierten historischen Waschhaus sind dann ganzjährig 1.000 Weihnachtsmänner zu sehen - und ein Christkind.

Das ganze Haus glänzt rot, aus allen Ecken lächeln freundlich füllige Männer mit weißem Rauschebart und pelzbesetzter Kutte. Mal als Zahnbürste, Radiergummi, Hampelmann, Brieföffner oder Seifenspender, mal vom Toilettenpapier, von Geschirrtüchern, Kerzen, Eierwärmern oder Kugelschreibern. Die Sammlung reicht von Kitsch bis Kunst und zeigt Figuren aus Holz, Kunststoff, Keramik, Glas, Stoffen, Metall, Papier und Ton.

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Rolf Wieters (68) vom Förderverein „Christkinddorf Himmelpforten“ präsentiert eine mexikanische Pinata. Die Figur aus Pappmaché und Krepppapier gehört zu den wertvollsten Stücken im Weihnachtsmannhaus. Bild: Dieter Sell / epd-Bild

„Wertvollstes Exemplar ist eine mexikanische Pinata“, schwärmt Rolf Wieters vom Förderverein „Christkinddorf Himmelpforten - 1.000 Weihnachtsmänner“, der die Rotröcke in den Ort geholt hat. Dabei handelt es sich um einen pausbäckigen Weihnachtsmann aus Pappmaché und Krepppapier: Ähnlich wie beim deutschen Topfschlagen wird die mit Süßigkeiten gefüllte Figur so lange mit Stöcken traktiert, bis sie zerbricht und die Leckereien schnell eingesammelt werden.

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Dutzende Weihnachtsmannfiguren liegen eng an eng in einem Holzkorb in einem kleinen Museum, das im niedersächsischen Himmelpforten eröffnet wurde. Es ist ganz und gar „Santa Claus“ gewidmet Bild: epd-bild/Dieter Sell

Auf Initiative des Fördervereins hat die Kreissparkasse Stade die Sammlung 2009 von Reingard Niemann aus dem schleswig-holsteinischen Glücksburg gekauft und als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Nach einer Odyssee durch verschiedene Ausstellungsorte hat sie nun schräg gegenüber dem örtlichen Weihnachtspostamt in Himmelpforten eine feste Heimat bekommen. „Das freut mich riesig“, sagt die 73-jährige Weihnachtsmann-Freundin Niemann, die zur Eröffnung kommen will.

Immer zum Fest hat sie ihre Sammlung in ihrem Haus aufgebaut. Vom Bad bis zum Schlafzimmer. „Das Wohnzimmer war ganz rot“, schmunzelt Niemann. Mit den Jahren wurde es dann aber doch zu viel. „Der Aufbau war immer wie ein Umzug und hat jeweils eine Woche gedauert.“

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Bewegliches Spielzeug wie dieses Ei mit dem Kopf eines Weihnachtsmannes gehören in das Museum: die Sammlung reicht von Kitsch bis Kunst. Bild: epd-bild/Dieter Sell

Angefangen hat alles vor 40 Jahren, als Niemann mit ihren vier Kindern Weihnachtsmänner bastelte. Dafür wurden nach schwedischem Vorbild Besenstiele schräg abgeschnitten und rot-weiß bemalt. Später sammelte die Frau, die einen eigenen Kunstgewerbeladen betrieb, auf Messen und auf Reisen. Freunde brachten einzelne Exemplare aus Übersee mit. So wie das eiförmige Nähset aus China, den angelnden Weihnachtsmann aus Florida und die Kalebasse aus Uruguay.

In Himmelpforten soll die Schar nun weiter wachsen. Dazu tragen auch Prominente wie Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) und der Liedermacher Rolf Zuckowski bei. Der Politiker hat passend zu seinen familiären Wurzeln ein Räuchermännchen im Schottenrock beigesteuert, der Musiker Zuckowski eine Schneekugel mit Spieluhr.

Für Himmelpforten ist das Haus neben dem Weihnachtspostamt und dem alljährlichen Christkindmarkt im Dezember die dritte festliche Attraktion. „Das passt großartig zu unserem Ort“, freut sich Wieters. Das findet auch Reingard Niemann, in der manchmal noch die alte Sammel-Leidenschaft aufflackert. „Mich juckts natürlich immer noch“, gibt sie zu. Doch ihr Ehemann Peter bremst sie dann und fragt ein wenig argwöhnisch: „Du willst doch nicht schon wieder anfangen?“

Von Dieter Sell (epd)

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Ein chinesisches Nähset mit dem Motiv eines Weihnachtsmann-Kopfes gehört zu dem kleinen Museum im niedersächsischen Himmelpforten. Bild: epd-bild/Dieter Sell

Der Weihnachtsmann

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Der Weihnachtsmann ist ein naher Verwandter von Knecht Ruprecht und dem Nikolaus. In der Werbung und im Brauchtum ist er bekannt als pausbäckige Figur, die einen roten Mantel trägt und mit weißem Rauschebart, rosigen Wangen und fülliger Statur Kinder beschenkt. Doch er sah nicht immer so aus.

So trägt der Weihnachtsmann in einem Buch des amerikanischen Schriftstellers Washington Irving (1783-1859) über die „Geschichte der Stadt New York“ einen Hut mit breiter Krempe, eine flämische Kniehose und eine lange Pfeife. In anderen Texten taucht er als Kobold auf. In den 1920er Jahren schließlich nimmt die Zahl der Männer mit roter Robe zu.

1931 kam der Durchbruch zum einheitlichen Aussehen. Damals beauftragte die Coca-Cola-Company den schwedisch-amerikanischen Zeichner Haddon Sundblom (1899-1976), den „Santa Claus“ für eine Werbekampagne in den Farben des Limonaden-Herstellers zu zeichnen. Der Grafiker Sundblom - Spitzname „Sunny“ - schuf einen sympathischen „Weihnachtsmann zum Anfassen“. Seine Vorlage war das Gesicht eines pensionierten Coca-Cola-Fahrverkäufers.

Historisch gesehen hat sich die Figur des Weihnachtsmannes aus den Legenden über den heiligen Nikolaus entwickelt, der Kinder beschenkt haben soll. Die Nikolaus-Motive wurden dabei auf Weihnachten übertragen. Populär ist der Weihnachtsmann vor allem in den protestantisch geprägten Ländern Europas und in den USA.

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