2012_08_28

Bild: Oliver Ohm / photocase.com

Geschichtensuche im Wattenmeer

Tagesthema 27. August 2012

Mit der Videokamera auf Geschichten-Jagd am Wattenmeer

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Urlauber fahren mit dem Pferdewagen durch das Watt im Wattenmeer vor Cuxhaven, im Hintergrund ein beladenes Containerschiff. Bild: Jens Schulze / epd-Bild

Annika Kropp aus Bremen und Susan Apfel aus Hamburg sitzen schon auf gepackten Koffern. Von Mittwoch an wollen die beiden Studentinnen mit einem Wohnmobil durch die Niederlande reisen und mit einer Kamera Mythen, Erinnerungen und Erlebnisse über das Groninger Wattenmeer für das Internet sammeln. «Wir wollen Menschen treffen und ihre Erfahrungen festhalten», sagt die 22-jährige Annika Kropp. Ihre Ergebnisse werden sie im Internet unter www.watt-wiki.com veröffentlichen. Dort werden sie auch ein Online-Tagebuch führen.

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Während einer Wattwanderung in der Nähe der Honkenswarf: Die schlammbespritzten Beine und Füße einer Teilnehmerin. Bild: Rolf Schulten

Ziel des WattWikis sei ein einzigartiges Kulturarchiv über das Wattenmeer, erläutert die angehende Archäologin Annika Kropp, die wie ihre Kommilitonin in Groningen studiert. Bereits im Mai waren zwei andere Studenten für das WattWiki entlang der niedersächsischen Küste gereist, auf der Suche nach Originalen und Erzählungen.

Schon jetzt sind im Internet Geschichten zu lesen, die Dennis Briddigkeit aus Wilhelmshaven und Simon Baumann aus Moorriem zusammengetragen haben. Sie besuchten die älteste Bewohnerin von Spiekeroog, den „Otto-Leuchtturm“ von Pilsum, sprachen mit einem Inselpiloten und ließen sich in die Tradition des „Schlickrutschens“ einweihen. Ein Überlebender der großen Sturmflut von 1962 erzählte ihnen vor laufender Kamera, wie er die Katastrophe erlebte.

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Robbe auf einer Sandbank im Wattenmeer zwischen Weser- und Elbmündung. Bild: LAVES / epd-Bild

„Wir wollen eine Enzyklopädie mit persönlichen Wahrnehmungen der Menschen schaffen, die mit dem Wattenmeer leben“, sagt Annika Kropp. Über Facebook, Twitter und Youtube können ihre Begegnungen in den Niederlanden verfolgt werden. Eine feste Verabredung gebe es bereits mit der Gründerin einer Aufnahme- und Aufzuchtstation für junge Seehunde, die ihre Mutter verloren haben. „Die treffen wir auf einer Sandbank mitten im Meer.“

Die Groninger Wattenküste erstreckt sich über eine Länge von 34 km zwischen Eemshaven und dem Lauwersmeer. Im Gezeitengebiet vor dem Deich mit seinen Prielen und Sandbänken können viele Watt- und Wasservögel während der Zugzeiten und im Winter beobachtet werden. Hinterm Deich ist eine reiche Kulturlandschaft mit einer Vielzahl von malerischen Warftdörfern und historischen Kirchen zu finden.

Von Jörg Nielsen (epd)

Das Wattenmeer

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Löffler (Platalea leucorodia) stolziert durch das Wattenmeer bei Ebbe. Bild: Jörn Friederich / epd-Bild

Das Wattenmeer reicht immerhin vom dänischen Blavandshuk bis zum niederländischen Den Helder. Mit Ausnahme des dänischen Teils gehört das rund 10.000 Quadratkilometer große Revier zum Weltnaturerbe der UNESCO.

Unterstützt wird das Watt-Wiki-Projekt von den Tourismusverbänden „Marketing Groningen“ und „Die Nordsee“. Außerdem wird es vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung gefördert.