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Bild: complize / photocase.com

Genau hinschauen: Rechts versteckt sich

Tagesthema 07. August 2012
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Mit Pastor Jürgen Schnare sprach Mark Eikhorst vom Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen (ekn)

Kontakt zu gefährdeten Jugendlichen suchen

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Kirchliche Gruppen demonstrieren mit anderen gegen rechte Gewalt, wie hier bei einer Demonstration in Eschede Ende 2011. Foto: Jens Schulze

Lüneburg – Der gemeinsame Einsatz gegen rechte Gewalt war das Thema eines Erfahrungsaustausches, zu dem sich jetzt führende Vertreter der Polizei und der Kirche aus dem Bereich des nordöstlichen Niedersachsens getroffen haben.

Die Gewaltprävention müsse gestärkt, die Aufklärung über die Geschichte des Nationalsozialismus intensiviert und neue Zugänge zu potenziellen Tätern müssten gefunden werden, lautete das einhellige Fazit der Gesprächsrunde.

„Jeder Schüler sollte einmal das Dokumentenhaus der Gedenkstätte Bergen-Belsen besuchen“, forderte Friedrich Niehörster.

Der Lüneburger Polizeipräsident nahm auf Einladung von Landessuperintendent Dieter Rathing mit neun leitenden Beamten an dem Treffen mit den zwölf Superintendenten des Sprengels Lüneburg teil. Gerade in ländlichen Regionen und unter bildungsschwachen Menschen falle rechtsradikales Gedankengut leicht auf fruchtbaren Boden, das zeige sich nach Einschätzung der Gesprächsteilnehmer auch in Nordost-Niedersachsen.

Über das Bedürfnis nach Heimat verführbar?

Meist spielten politische Motive dabei eine untergeordnete Rolle, in vielen Gruppierungen gehe es schlicht um Zugehörigkeit. „Manche Menschen sind über das Bedürfnis nach Heimat verführbar“, hat Hanna Löhmannsröben, Superintendentin des Kirchenkreises Wolfsburg, erfahren. Für Stefanie Lerche von der Polizeidirektion Lüneburg suchen anfällige Jugendliche letztlich nach Aufmerksamkeit und Orientierung. Die Kirche könne diese Erfahrungen vermitteln, sieht die Polizeirätin eine Chance für christliche Gemeindearbeit. Dass die Kirche beispielsweise mit Jugendgruppen, Freizeiten oder Pfadfindern eine „reiche Jugendarbeit“ betreibe, wurde allseits gewürdigt.

„Aber sie ist noch nicht umfassend genug“, gestand Hittfelds Superintendent Dirk Jäger ebenso ein wie sein Kollege Michael Thiel aus Gifhorn: „So viele Kontaktflächen zu den gefährdeten Jugendlichen haben wir nicht.“ Hans-Georg Sundermann berichtete von „neuen Aktionsformen“ wie einem Anti-Gewalttraining für Konfirmanden des Kirchenkreises Celle. „Haben wir mit der heute kaum noch praktizierten Offenen Jugendarbeit einen gangbaren Weg zur Integration von Jugendlichen aufgegeben?“, fragte Landessuperintendent Rathing kritisch.

Großes Lob für die Notfallseelsorge

Für Propst Stephan Wichert-von Holten aus Lüchow wird neben dem schulischen Religionsunterricht die Begleitung von Auszubildenden wichtiger. Gerade an Berufsschulen gebe es eine „rechte Szene“. Auf die Notwendigkeit der Vernetzung von Aktivitäten machte Superintendentin Christine Schmid mit Blick auf den Erfolg des Lüneburger „Netzwerks gegen rechts“ aufmerksam.

Der Gedankenaustausch zwischen Polizei und Kirche solle auch auf örtlicher Ebene fortgesetzt werden, waren sich die Beteiligten einig. Schließlich konnten die Kirchenvertreter für die Notfallseelsorge ein besonderes Lob einheimsen. Stellvertretend würdigte Polizeidirektor Stefan Sengel von der Polizeiinspektion Heidekreis diesen pastoralen Dienst. Die Notfallseelsorge bedeute gerade für jüngere Kollegen eine große Entlastung und funktioniere „exzellent“, sagte Sengel.

Pastor Hartmut Merten, Öfffentlichkeitsarbeit für den Sprengel Lüneburg

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Bild: ekn

Das Erste Hilfe Set gegen Rechtsradikalismus

Das „Erste Hilfe Set“ hat folgenden Inhalt:


  • Neu erschienene Arbeitshilfe „Wir müssen mal nach dem/n Rechten sehen“

  • Adressliste wichtiger Kontaktstellen wie der Opferberatung, der Aussteigerhilfe, Anlaufstellen für Eltern rechtsextremer Jugendlicher, Hilfen für haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende im Umgang mit rechtsextremen Vorfällen in der eigenen Gemeinde und im eigenen Ort

  • Flyer der IKDR

  • Armband mit Aufschrift „www.unser-kreuz-hat-keine-haken.de“

  • Zugang zum internen Bereich der Homepage www.ikdr-hannover.de

  • Din A6 Karte „10 Thesen gegen Rechtsextremismus“

. Wo gibt es weiteres Material zur Information und für die Arbeit mit Gruppen?