2012_08_07

Bild: the Cramped / photocase.com

Mit Erdkröte und Nacktschnecke

Tagesthema 06. August 2012

In Schulgärten und mit eigenen Pflanzaktionen entdecken Kinder im Sommer das grüne Glück

Gartenkinder 1
Ein Mädchen hat eine Erdkröte gefunden. Begegnungen wie diese lassen den Garten zum Abenteuer werden. Bild: Dieter Sell / epd-Bild

„Kids an die Knolle“, geführte „Gartenzwergtouren“, nach Herzenslust in der Erde buddeln: Wer Kinder für den Garten interessieren will, sollte dafür sorgen, dass sie aktiv werden können. Und dann ist da noch die Sache mit dem Erntestolz.

Ein gellender Schrei tönt über das Gemüsebeet. „Igitt“, ruft die zehnjährige Linnea. „Da knabbert ja eine Nacktschnecke an unserer Zucchini.“ Der ungebetene Gast schlägt sich im Lehr- und Forschergarten der Lilienthaler Bürgerstiftung bei Bremen den Bauch voll und muss nun in die Wildnis nebenan übersiedeln. Auch wenn der erste Schreck groß ist: Begegnungen wie diese lassen den Garten zum Abenteuer werden. Wer Kindern eine Beziehung zum Grün erschließen will, sollte sie vor allem beteiligen. Selbst pflanzen und ernten ist angesagt.

Im Garten der Bürgerstiftung können Kinder auf 15 kleinen Parzellen ihr Land bestellen. Durch das Gartenjahr hindurch lernen sie so Wissenswertes über Böden, Blumen, Gemüse, Nütz- und Schädlinge. Und sie begegnen Tieren, die Städtern nur selten unterkommen. Wie die Erdkröte, die die siebenjährige Line unerschrocken auf die Hand nimmt. „Jetzt will sie weg“, ruft sie und von allen Seiten kommen Kinder angelaufen, um das seltene Exemplar zu bestaunen.

Gartenkinder 2
Kleine Namensblätter markieren die Beet-Parzellen der Kinder im Lehr- und Forschergarten der Bürgerstiftung Lilienthal. Bild: Dieter Sell / epd-Bild

„Ein Beet anlegen, das macht den Kindern Spaß“, sagt die Biologin Karin Steinecke, die das Projekt ehrenamtlich betreut. „Unkrautrupfen eher nicht, genauso wie Mathe in der Schule nicht so beliebt ist.“ Trotzdem: Hier muss sie niemanden lange bitten, Grabegabel oder Gießkanne in die Hand zu nehmen. Wenn dann zwischen den Beeten Stockbrot gebacken wird oder in der sommerlichen Hitze eine Wasserschlacht läuft, ist der grüne Spaß perfekt.

Alle sind spürbar Feuer und Flamme für das Land, das eine Lilienthalerin kostenlos zur Verfügung gestellt hat, damit die Kinder ihre Gärtnerseele entdecken können. Ganz nebenbei geht es darum, Verantwortung zu übernehmen. „Wir stellen für die Sommerferien eine Gießliste auf, damit die Pflanzen nicht vertrocknen“, berichtet Steinecke.

Gartenkinder 3
Kinder der „Hühnerklasse“ einer Grundschule mit ihren Schützlingen. Die Schule hat seit 1993 einen Schulgarten, inzwischen sogar mehrere: Beerengarten, Obstgarten, Bauerngarten, daneben Hühner, Bienen und sogar Ziegen. Bild: Dieter Sell /epd-Bild

So ist es auch in der Bremer Grundschule am Baumschulenweg, die vergangenes Jahr mit dem Titel „Umweltschule in Europa“ ausgezeichnet wurde. Das Schulgebäude ist umringt von Bauern-, Beeren-, Gemüse- und Kräutergärten, mittendrin ein Bienenstand und sogar Hühner. Eine Klasse verkauft auf dem benachbarten Wochenmarkt Marmeladen und Honig, die hier selbst produziert werden. „Das Thema Naturerziehung zieht sich durch den gesamten Unterricht“, erläutert Konrektor Lars Beulke.

Beete mit Koniferen und abgezirkelte Graslandschaften, von Betonplatten durchzogen, wären für die Kinder im wahrsten Sinne des Wortes der Tod im Topf. „Das interessiert Kinder nicht“, sagt die Bremer Umweltpädagogin Sylke Brünn. „Gärten müssen veränderbar sein“, betont die 45-jährige Biologin, die im Lehr- und Erlebnisgarten „Floratrium“ des Bremer Landesverbandes der Gartenfreunde Schulklassen begleitet.

Gartenkinder 5
Die Biologin Karin Steinecke (46) leitet mit anderen Ehrenamtlichen den Lehr- und Forschergarten der Bürgerstiftung Lilienthal bei Bremen und zeigt Kindern hier eine große Zucchini-Pflanze, an der sich eine Nacktschnecke gütlich tut. Bild: Dieter Sell  / epd-Bild

Doch selbst Barockgärten wie in Hannover-Herrenhausen können faszinieren, wenn man es richtig anpackt. So gibt es in der niedersächsischen Landeshauptstadt geführte „Gartenzwergtouren“ oder auch „Märchenpicknicks“ für die ganze Familie, in denen der durchgestylte Garten vom hannoverschen „Büro für Naturetainment“ erlebnisreich mit Geschichten verbunden wird.

Im Bremer Floratrium steht aber wie beim landesweiten rheinland-pfälzischen Schulgartenprojekt „Kids an die Knolle“ das Selbermachen im Vordergrund. Die Kinder können nach Herzenslust Gemüse, Getreide und Kräuter anbauen. Besonders beliebt sind auch hier Projekte mit Kartoffeln, der „Zitrone des Nordens“, wie Sylke Brünn einer Klasse der Bremer Marie-Curie-Grundschule verrät. „Pellkartoffeln haben viel Vitamin C.“

Gartenkinder 6
Der ehrenamtliche Imker Eugenio Salamon (72) erklärt im Schulgarten einer Grundschule Kindern eine Bienenwabe. Bild: Dieter Sell / epd-Bild

Umso besser: Mit großem Hallo stürmen die Kinder zu ihrem Beet, das sie im Frühjahr angelegt haben und buddeln ihre Vitaminbomben aus, die gleich im Anschluss gekocht und mit Butter und Salz verspeist werden. „Nur vorsichtig mit den Mutterknollen“, warnt Brünn noch. „Die sind völlig ausgelaugt und stinken wie Hölle.“

Erfolgserlebnisse wie diese sind wichtig, bestätigt Autorin Dorothea Baumjohann aus Hameln, die ein Buch zur Arbeit mit Kindern im Garten geschrieben hat. Schnellwachsende und robuste Arten eignen sich deshalb besonders für den Nachwuchs. Auch duftende Pflanzen sind beliebt, weil Kinder ihre Umwelt mit allen Sinnen erobern. „Angenehme Dufterlebnisse in der Kindheit und Jugend bleiben ein Leben lang in Erinnerung.“

So können Kinder Kräutertöpfe bepflanzen und nach der Ernte einen eigenen Tee herstellen. Aus Kartoffeln werden selbst gemachte Chips, der Blattsalat lässt sich bestens mit Blüten zubereiten. Aus Tannenzapfen, Weiden und Lehm entsteht ein Insektenhotel. „Dinge im wahrsten Sinne des Wortes selbst begreifen zu können, darauf kommt es an“, bekräftigt Umweltpädagogin Brünn. „Und am Ende natürlich auf den Erntestolz.“

Von Dieter Sell (epd)

Urlaub ist der Sonntag des Jahres

2012_07_25
Bild: manun / photocase.com

Die großen Ferien sind für viele Familien die Zeit, in Urlaub zu fahren, Arbeit und Schule hinter sich zu lassen, Körper, Seele und Geist eine Auszeit zu gönnen oder andere Welten zu erleben. Kurz vor seinem Urlaub erzählt Landesbischof Ralf Meister dem  Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen (ekn), was Urlaub für ihn bedeutet.

In Video und Audio: Urlaub

Urlaubszeit - Postkartenzeit

DSCF1125
Für den Gruß aus dem Urlaub: Postkarten. Bild: privat

„Lieber Opa, viele Grüße aus Italien, das Wetter ist sehr schön. Wir haben schon viele Ausflüge gemacht.“ Darunter eine krakelige Unterschrift von Kinderhand, die erste Postkarte des Enkels an seinen Großvater. Lange wird sie noch an der Pinnwand hängen und erzählen von dem ersten handschriftlichen Kinderbericht über den Familienurlaub.

Über Postkarten und was sie bedeuten können

Urlaubsgottesdienste im Grünen

Sommerkirche-1
„Sommerkirche im Paradies“ lautet der Titel einer evangelischen Open-Air-Gottesdienstreihe in Osnabrück während der Sommerferien. Unter einem mächtigen Baum hinter der Lutherkirche haben sich am 29. Juli die Gottesdienstbesucher der Südstadtkirchengemeinde zu der Predigt von Pastorin Julia Telscher-Bultmann versammelt. Foto: Detlef Heese

In den Sommermonaten verlassen die Protestanten im Norden ihre Kirchengebäude und laden zu Gottesdiensten in den Wald, an den Badeteich oder in Gärten ein. Musik, Literatur und Kunst sind beliebte Themen dieser oft ganz anderen kirchlichen Feiern.

Gottesdienste im Paradies

Angebote für Kinder

Ein Kind schaut aus einem Zelt
Bild: Zeltlager Offendorf

Kinder können Urlaub machen und der Urlaub soll ihnen Spaß machen. Dazu schaffen Kirchengemeinden und Kirchenkreisjugenddienste ein breites Angebot an Freizeiten. Für deren Planung und Verlauf hat die Evangelische Jugend Qualitätsstandards beschlossen.

Kinder machen Urlaub

Und für Erwachsene: Abstand zum Alltag

Pilgernde auf einem Waldweg in der Lueneburger Heide.
Pilgern in der Schöpfung und für die Schöpfung. Bild: Jens Schulze

Eine Form: „Im Rhythmus der Schritte denke ich daran, was ich in meinem Leben schon hinter mir habe und was vielleicht noch vor mir liegt. Glückliche und traurige Phasen bekommen ihren Platz. Rückblickend entdecke ich Schutzengel, die ihre Hand im Spiel gehabt haben. Wie leicht hätte dies oder jenes schief gehen können. Dank stellt sich ein. Und ich freue mich auf neue überraschende Begegnungen auf dem Weg. Es ist Zeit, ich muss wieder los.“ So beschreibt der Journalist Jens Gundlach das Pilgern.

Pilgern - eine besondere Form des Abstands vom Alltag

Beliebte Urlaubsziele: Kirchen

Fahrrad und Kirche
Foto: Rolf K. Wegst, epd-Bild.

Kirchengebäude sind nach Beobachtung des hannoverschen Urlauberpastors Hartmut Schneider für Erholungssuchende eine große Attraktion. "Kirchen werden als Orte erlebt, an denen der Alltag unterbrochen wird", sagte der evangelische Theologe für die Urlauberseelsorge an der Nordseeküste von Borkum bis Cuxhaven am Montag in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Schneider sprach von "Ankerplätzen", an denen Gäste auch ungestört über Änderungen in ihrem Leben nachdenken würden.

Kirchen sind eine große Urlaubsattraktion