2012_08_01

Bild: Venture / photocase.com 

Unsterblich: der Käfer

Tagesthema 31. Juli 2012

Das Volksauto mit „bequemer Platzaufteilung“

Ein „vollwertiges Gebrauchsfahrzeug“ mit geringem Gewicht und „narrensicheren Einrichtungen“ stand Ferdinand Porsche vor Augen, als er im Januar 1934 einen „Volkswagen“ ersann. Schnell sollte das Auto sein und über einen leistungsstarken Motor verfügen, der den Wagen flott über jeden Pass bringen konnte. Mit „bequemer Platzaufteilung“ berücksichtigte das Konzept hohen Fahrkomfort - und dies alles zu einem niedrigen Preis. Die konstruktiven Vorgaben erforderten mithin die Quadratur des Kreises. Heraus kam ein epochales Fahrzeug mit unvergesslicher Kugelform.

Gleichsam aus dem Stand gelang mit dem Volkswagen ein großer Wurf der Automobilgeschichte. Er verkörperte den Traum von der Motorisierung für alle, der in den deutschsprachigen Ländern erstmals 1904 in dem Begriff „Volksauto“ anklang. Was in den USA durch das bis 1927 bei Ford in mehr als 15 Millionen Exemplaren gefertigte T-Modell schon Wirklichkeit geworden war, blieb hier noch lange Zeit Wunschbild, bis sich Ferdinand Porsche an die Realisierung der automobilen Vision machte. 

1934: Ein revolutionäres Fahrzeug entstand

Porsche und sein Entwicklerteam wussten, dass für die Konstruktion eines erschwinglichen Volksautos völlig neue Wege beschritten werden mussten. Der am 22. Juni 1934 vom „Reichsverband der Deutschen Automobilindustrie“ erteilte Auftrag gab dem Porsche-Konstruktionsbüro freie Hand. Moderne Stromlinienform, Ganzstahlkarosserie, Drehstabfederung, ein robuster und verbrauchsarmer Motor im Fahrzeugheck und Hinterradantrieb – keines der Konstruktionsprinzipien war für sich vollkommen neuartig.

Mit der funktionellen Verbindung dieser Elemente brachte das Stuttgarter Büro von Porsche jedoch frischen Wind in die Fahrzeuglandschaft. Durch die Kombination von visionärem Denken und konstruktiver Detailversessenheit entstand ein revolutionäres wie zeitloses Fahrzeug.

Ein unverwechselbares Motorengeräusch

Der Käfer blieb über all die Jahre in seinem Äußeren, aber auch beim luftgekühlten Boxermotor und anderen konstruktiven Prinzipien nahezu der Alte. Ältlich war er aber nie. Er wusste sich anzupassen und war zugleich einzigartig. Allein schon sein Motorengeräusch macht ihn bis heute unverwechselbar.

Der Käfer war ein Weltmeistertyp – doch fehlten ihm jegliche Starallüren. Seine automobile Leistung schien schlichtweg nicht mehr steigerbar. Schon lange besitzt der Käfer einen Stammplatz auf dem Fahrzeugolymp; manchem Liebhaber mag er wohl als Geschenk der Götter vorkommen. Das „vollwertige Gebrauchsfahrzeug“ und der liebevoll gepflegte Oldtimer werden die Straßen auch weiterhin bekäfern. 

1997 gestartet: der New Beetle

Lange bevor es den Begriff „Merchandising“ gab, trat der Käfer schon in Form von Schnapsgläsern, Aschenbechern, Taschenmessern oder Christbaumkugeln auf. Er fand sich auf T-Shirts gedruckt, bewies im Gestöber von Schneekugeln seine Winterfestigkeit und ließ sich außerhalb der Produktionshallen im Jugendzimmer als Modell-Auto zusammenbauen. Der blühende Devotionalienhandel gab dem Käfer-Kult Auftrieb, und insbesondere die Sammlermodelle entwickelten sich zu einem Business, das auch von der VW-Tochter „Votex GmbH“ betrieben wird.

In keine Vitrine passt dagegen der New Beetle, der bei der „Volkswagen de Mexico S.A. de C.V.“ im Dezember 1997 in Produktion ging. Im Großformat aktualisierte er die Formensprache des Käfer. Seine Silhouette, die abgerundete Fronthaube und das gewölbte Dach, die vier runden Kotflügel, das Trittbrett, die großen Räder sowie die großen, runden Scheinwerfer und Rückleuchten erinnern an seinen legendären Vorfahr. 

Quelle: Volkswagen AG, aus dem Buch „Käfer ade.“

Der Käferwitz

Steht ein VW-Käfer aufm Randstreifen. Hält ein zweiter VW Käfer hinter ihm. Die Besitzerin des ersten Käfer ist verzweifelt und jammert: „Ich habe wohl den Motor verloren - da vorne ist nämlich keiner unter der Haube.“
Sagt die zweite Käfer-Fahrerin: „Kein Problem, sie haben echt Glück, ich hab hinten nen Ersatzmotor dabei!“

Lebt der Käfer ewig?

Die Käfer-Kultur wurde durch die 1959 gestarteten Werbekampagnen mitgeprägt, denn sie lehrten die Volkswagen-Fahrer auf witzig-unterhaltsame Weise Selbstironie und Understatement. Einige Slogans, wie „Think small.“, „Nobody is perfect.“ oder „Da weiß man, was man hat.“ wurden sprichwörtlich und bereicherten die deutsche und amerikanische Sprache.

In einer Anzeige von 1966 stellte Volkswagen die Frage „Werden wir den Käfer je sterben lassen?“. Nach fast vierzig Jahren lautet die Antwort: Der Käfer bleibt unsterblich.

Das Leben

Der Käfer bleibt in den Augen Vieler unsterblich. Also lebt er weiter auf dieser Welt. Und hier ist bekannt: „Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel: Man weiß nie, was drin ist und was man bekommt.“ Aber was ist das eigentlich, das Leben?

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