2012_07_02

Bild: janiszinke / photocase.com

Urlaub ohne Koffer

Tagesthema 01. Juli 2012

Diakonie in Bremerhaven organisiert tägliche „Stadtranderholung“ für Senioren

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Trotz steifer Brise genießen Rita Knop (70) und Rolf Hellbach (66) im Strandkorb die "Tage im Grünen" für Senioren aus Bremerhaven. Bild: epd-bild/Dieter Sell

Morgens los und abends wieder im eigenen Bett schlafen: Die Diakonie in Bremerhaven organisiert für Ältere Tagesurlaube, für die niemand packen muss. Im Zentrum steht die Gemeinschaft, der Kontakt untereinander. Manchmal wird mehr draus.

Zwischendurch pladdern kräftige Schauer und eine steife Brise zerrt ausdauernd an den Strandkörben: Von den Wetterkapriolen lässt sich Rita Knop aber nicht beeindrucken. Die 70-Jährige genießt den ersten „Tag im Grünen“, den das Diakonische Werk in Bremerhaven für Senioren aus der Stadt an der Wesermündung organisiert hat. „Urlaub machen ohne Koffer packen“ lautet das Motto der Aktion, für die sich 250 Ältere angemeldet haben.

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Künstler des Bremerhavener Stadttheaters begeistern am 25.06.2012 unter dem Strohdach in einer großen Hütte im Drangstedter Wald mit Arien. Ihr Publikum sind Teilnehmer der "Tage im Grünen" für Senioren, die derzeit in Bremerhaven vom Diakonischen Werk in der Seestadt organisiert werden. Bild: epd-bild/Dieter Sell

Keine lange Packliste, keine ängstliche Frage: Hab ich was vergessen? Rita Knop ist bei der „Stadtranderholung“ nur mit ihrer Handtasche und jeder Menge guter Laune unterwegs. „Morgens werden die Teilnehmer mit Bussen in der Stadt abgeholt, abends geht es wieder zurück“, beschreibt Diakon und Organisator Ludwig Sachweh die Idee. Dazwischen erleben sie auf dem weitläufigen Gelände des evangelischen Freizeitzentrums im Drangstedter Wald vor den Toren Bremerhavens ein Programm mit Kultur, Begegnung und viel Zeit zum Klönen. Futter für Seele und Geist.

Künstler des Stadttheaters Bremerhaven schmettern heute mal an ungewöhnlicher Stelle ihre Arien. In einer großen Hütte, mit dem leicht modrigen Duft eines riesigen Strohdachs in der Nase, wärmen sie ihrem Publikum mit den „Dunkelroten Rosen“ aus der Operette „Gasparone“ das Herz. Als dann „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ von Robert Stolz und die bekanntesten Melodien aus dem Musical „My Fair Lady“ den kreisrunden Raum füllen, ist die Begeisterung auf den Campingstühlen groß. Anhaltender Applaus und „Zugabe“-Rufe sind der Dank.

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Ob mit oder ohne Rollator - mit einem Willkommensgruß werden die Teilnehmer der "Tage im Grünen" für Senioren begrüßt, die derzeit in Bremerhaven vom Diakonischen Werk in der Seestadt organisiert werden. Bild: epd-bild/Dieter Sell

„Wir wollen unseren Gästen einen unbeschwerten Tag schenken“, sagt Sachweh, der in Nachbarschaftstreffs und Kirchengemeinden für den Urlaub ohne Koffer geworben hat - und mit Anmeldungen überhäuft wurde. „Wir haben nicht alle Leute unterbekommen, weil das Interesse so groß ist“, ergänzt der Diakon. „Die meisten hier leben alleine, das Klönen untereinander, die Zeit füreinander, darauf kommt es an, wenn wir in den Drangstedter Wald fahren. Denn nichts braucht der Mensch nötiger als den Menschen.“

Sachweh hofft, dass die angebahnten Kontakte über den Tag hinaus halten und manchmal auch einen Weg aus der Einsamkeit öffnen. So sieht es auch Rita Knop, die sich in einem Nachbarschaftstreff in Bremerhaven ehrenamtlich engagiert. „Hier habe ich Menschen näher kennengelernt, die ich sonst nur kurz beim Einkaufen gesehen habe“, schwärmt sie. Und offensichtlich geht es der großen Mehrheit der Tagesurlauber ganz ähnlich, denn mittags und später bei Kaffee und Kuchen schwillt die Lautstärke beim Gespräch an den Tisch mächtig an.

Es gibt viel zu erzählen. „Bei uns hat sich schließlich die gesamte deutsche Geschichte am Tisch versammelt“, sagt Knop mit Blick auf das Alter und die Lebenserfahrung ihrer Gesprächspartner. Und doch ist es ihr wichtig, dass es abends wieder zurück geht in die Stadt und sie in ihrem eigenen Bett schlafen kann. „Da sind wir Älteren eigen“, sagt sie schmunzelnd. „Wir brauchen unser Nest.“

Von Dieter Sell (epd)

Das Diakonische Werk in Bremerhaven

Das Diakonische Werk Bremerhaven e.V. mit mehr als 400 Beschäftigten ist Träger von sozialen Hilfs- und Beratungsdiensten, Heimen sowie einer Tagesklinik, Kindertagesstätten und einer Diakonie-Sozialstation.

  • Annahme und Ausgabe von gebrauchter Bekleidung im Wichernhaus (Kleiderkammer)
  • Bahnhofsmission am Hauptbahnhof
  • Beratung und Hilfe bei der Antragstellung auf finanzielle Hilfen der Bundesstiftung „Mutter und Kind - Schutz des ungeborenen Lebens"
  • Sozialpsychiatrisches Zentrum „Arche Zentrum“, Adolf-Kolpingstr. 25
  • Diakonische Behindertenhilfe Cuxhaven
  • Tagesklinik Virchowstraße, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Institutsambulanz,
  • Sozialpädagogische Familienhilfe
  • Ev.-luth. Pflegeheim „Elisabeth-Haus“
  • Jacobi-Haus
  • Kindertagesstätte „Wichernhaus“
  • Kindertagesstätte „Ellhornstraße“
  • Diakonie-Sozialstation
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