2012_06_28

Bild: © Knut Wiarda - Fotolia.com

Berufen sein

Tagesthema 27. Juni 2012

Fragen - nichts als Fragen
Hat Gott einen Plan mit Dir?

evangelische Zeitung

Da lacht Dich ein Baby an! Oder macht, was andere noch nicht können. „Aus dem wird bestimmt ‘mal was Besonderes“, lauten dann die Kommentare. Sicherlich hat es eine Bestimmung: Es wird Schüler, Partner, Handwerker oder Akademiker. Aber wozu ist es berufen? Wird es jemals einen Ruf hören – oder gar berufen sein?

„Gott hat einen Plan mit Dir! Du bist berufen!“ Manchen Leuten kann man das hundert Mal sagen. Und sie fühlen dennoch nichts. Andere wissen ganz genau, wozu sie berufen sind. Sie hören schlimmstenfalls innere Stimmen, die ihnen sagen, wo es langgeht. Selbst Terroristen und Diktatoren fühlen sich berufen und sprechen von einer Vorsehung, die sie auserwählt hat, die schlimmsten Dinge zu tun. Aber ist das Berufung? Dann gibt es wieder die, die zwar eine Berufung spüren, es aber nicht schaffen, dem Ruf auch nachzufolgen: Gewohnheiten, Ängste, Verpflichtungen oder der Zweifel, sich alles vielleicht doch nur einzubilden, halten sie zurück. Und die, die es dann doch machen, ernten nicht selten spöttische Blicke: „Da bist Du aber spät drauf gekommen! Das passt doch nicht zu Dir!“

Es ist schon nicht leicht, herauszufinden, wozu ich bestimmt bin. Gut, irgendeine Funktion hat jeder Mensch im „Gesamtgetriebe“ der Menschheit. Aber was ist meine Berufung? Was ist meine ganz besondere Aufgabe in dieser Welt? Wie finde ich heraus, wozu ich berufen bin?

Diese Gedanken von Pastor Ralf T. Brinkmann und viele andere gute Gedanken zum Thema Berufung lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Evangelischen Zeitung - und nächste Woche im neuen Internetauftritt der „Evangelischen Zeitung. Für die Kirchen in Niedersachsen“.

Der Berufung folgen:
Ein Leben als Diakonisse

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Erika Jenckel - Diakonisse im hannoverschen Henriettenstift. Bild: Maren Warnecke / Evangelische Zeitung

Hannover – „Die sehen ja aus wie Stewardessen!“ Das alternative blau-weiße Kostüm früherer Zeiten mutete tatsächlich an wie Flugpersonal-Kleidung. Erika Jenckel nimmt es mit Humor. Sie zieht die traditionelle Schwesterntracht vor, oft gehe sie einfach auch in „Zivil“ aus, das falle sonst zu sehr auf, wie sie sagt. Schwester Erika ist ein bescheidener Mensch. Mehr noch: Sie ist Diakonisse im hannoverschen Henriettenstift – aus tiefster Seele.

Die taubenblaue Schwesterntracht ist akkurat gebügelt, die weiße Haube sitzt fest auf den kurzen grauen Haaren. Immer präsent ist auch der Kreuz-Anhänger um Erika Jenckels Hals, das Diakonissen-Markenzeichen. „Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Mt. 25, 36“ lautet die Gravur. Sinnspruch aller Schwestern, und doch eine Offenbarung für die damals als Gemeindeschwester wirkende junge Frau. „Das ist ein gutes Wort für eine Krankenschwester“, erkannte sie ihre zukünftige Bestimmung. „Ich folge jetzt Jesus nach, indem ich Kranke pflege“, erinnert sie sich an diesen besonderen Moment der absoluten Gewissheit.

Den Ruf Gottes vernahm sie jedoch bereits als Kind, auch wenn ihr das damals nicht bewusst war. Ausgerechnet ihre äußerst liberal ausgerichtete Mutter trug mit einem Kinderlied dazu bei, dass die kleine Erika ein besonders inniges Verhältnis zum lieben Gott entwickelte. Die sehr musikalische Mutter sang ihrer Tochter während der Verdunkelung in Berlin stets das Lied „Weißt du wieviel Sternlein stehen“ vor. Statt der Textzeile „Gott im Himmel“ sang die Mutter jedoch „Gott der Vater“. Für Erika, die ihren im Zweiten Weltkrieg verstorbenen Vater vermisste, war nun klar: „Gott ist mein Vater.“ Ein für sie segensreicher Kinderglaube. „Irgendwie war da ein Samen gelegt.“ Da kam auch ihr ebenfalls nicht-religiös eingestellter Stiefvater nicht gegen an mit seiner Litanei, Religion sei eine „Verdummung fürs Volk, wirste schon sehen!“

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Emmy Danckwert (Büste aus dem Innenhof des Henriettenstifts) wurde vor gut 150 Jahren erste Oberin der damals gegründeten Henriettenstiftung. Sie setzte durch, dass im Diakonissen-Mutterhaus Frauen das Sagen haben. Bild: Jens Schulze

Wenn Erika in den Folgejahren in den Ferien zu ihren Großeltern aufs Land fuhr, las sie den Mitreisenden gerne auf Nachfrage aus der Bibel vor. „Bei den Nazis war das eigentlich nicht erwünscht, aber die Leute fanden das schön“, erzählt die Diakonissin mit einem Lächeln. Doch ein wenig musste sie noch warten, bevor sie ihrem Ruf folgen konnte. Denn mit 15 Jahren steckten ihre Eltern sie in die Handelsschule des Berliner Lette-Vereins. Erika Jenckel sollte eine Bürokraft werden. Doch durch ihr Engagement in der Jungen Gemeinde der Berliner Stadtmission entstand die Idee: „Ich will Krankenschwester werden.“ Ein Idol, dem es nachzueifern galt, gab es ebenfalls. „Jeder schwärmte von Albert Schweitzer in Lambarene.“ Dessen „Ehrfurcht vor dem Leben“ imponierte der Jugendlichen, ihm wollte sie zur Seite stehen.

Allen Unkenrufen zum Trotz begann sie mit 18 ihre Ausbildung zur Krankenschwester im Evangelischen Diakonieverein Zehlendorf. Zu zart sei sie, zu angegriffen durch die Tuberkulose aus frühester Kindheit, durch Blutvergiftung und Hautkrankheit – das bekam die Heranwachsende immer wieder zu hören. „Doch ich wollte das unbedingt. Da bin ich auch richtig ein bisschen stolz auf mich, dass ich das gegen alle Widerstände geschafft habe.“ Eine eigene kleine Familie, Kinder – nein, das vermisse sie nicht. „Das sollte nicht sein.“ Jeder Mensch wird von Gott an den richtigen Platz gestellt, das ist ihre tiefe Überzeugung.

Schwester Erika bereut nichts

Mit dem Dienst in Lambarene an der Seite Albert Schweitzers klappte es allerdings nicht; die für den Aufenthalt in Afrika notwendige Impfung gegen Pocken war der Hautkrankheit wegen nicht möglich. So folgten zunächst einige Jahre als Stationsschwester in Zehlendorf, anschließend war sie in Hameln und Bad Pyrmont Gemeindeschwester, in ihrer Geburtsstadt Hannover wirkte sie schließlich 15 Jahre lang im Zooviertel. In den Henriettenstift trat sie 1984 ein. „Das war eine innere Eingebung“, blickt sie zurück. „Hier ist eine für die andere da.“ Schwester Erika kümmert sich um die Geburtstage ihrer Mitschwestern, betreut eine Seniorengruppe und organisiert die täglichen Mittagsgebete mit. Und dann sind da noch ihre Katze und die Tenorflöte. Ein anspruchsvolles Instrument, das intensives Üben verlangt und regelmäßig bei den Sommer- und Jahresfesten des Stiftes zum Einsatz kommt.

Schwester Erika bereut nichts, ist ganz im Reinen mit sich. So stolz sie auf ihr Durchhaltevermögen auch ist, weiß sie doch: „Das alles ist nicht mein Verdienst. Das ging nur durch Gottes Hilfe.“

Von Maren Warnecke (Evangelische Zeitung)

150 Jahre „Henri“

„Henri“– so nenne Patienten und Bewohner, Mitarbeitende und Auszubildende liebevoll die Häuser und Einrichtungen, die unter dem Namen „Henriettenstiftung“ zusammengefasst sind. Hochmoderne und leistungsfähige Kliniken, kompetent geführte Einrichtungen für Rehabilitation und Altenpflege und eine geschätzte Ausbildungsstätte – das allein führt noch nicht zu einer liebevollen Namensgebung. Vielmehr ist es der freundliche Geist der Nächstenliebe, der seit der Gründung vor 150 Jahren nachhaltig die Entwicklung und das Wirken der Henriettenstiftung prägt und aus ihr das „Henri“ macht.

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Ein ähnliches Wort - ein anderer Beruf

„Ausgesprochen frischwindig“, so war die erste Resonanz aus der Berufgruppe der Diakoninnen und Diakone in der Landeskirche zum Werbekonzept für deren diakonisch-pädagogischen Nachwuchs.

Diakon Hartmut Reimers ist seit dem 1. Juli 2011 damit beauftragt, junge Menschen in der Fläche der Landeskirche für den Beruf der Diakonin oder des Diakon zu interessieren. Aber auch Studierende an der Hochschule Hannover im Studiengang Religionspädagogik und Soziale Arbeit werden von ihm auf ihrem Weg in den Beruf begleitet.

Die neue Homepage versucht daher auch unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen: Studierende wie auch Berufsinteressierte.

Die Homepage baut auf webgrafische Mitmachelemente, gute Studienthemen und Testimonials zum Beruf. Daher werden sich die Seiten laufend weiterentwickeln, wie auch der Beruf des Diakons/ der Diakonin in der Landeskirche selbst.

„Die beste Werbefläche für den Beruf sind immer die Kolleginnen und Kollegen an der Basis selbst“, so Hartmut Reimers. Diejenigen, die sich für den Webauftritt und für das breite Flächenkonzept zur Verfügung gestellt haben, bestätigen dies. Und alle freuen sich auf Resonanzen - nicht nur virtuell.

diakon-werden.de