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Bild: Jens Schulze

Raum finden

Tagesthema 14. Juni 2012

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“

Mit dem Vers aus Psalm 31 - „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ - hat Landesbischof Ralf Meister den Bericht vor der Landessynode überschrieben. Er habe bei seiner Reise durch die Kirchenkreise der Landeskirche „weite Räume der Frömmigkeit und der verschiedenen Glaubenssprachen“ kennengelernt, so Meister in seinem Bericht. In seinem Bericht vor der aktuell in Hannover tagenden Synode sprach sich Landesbischof Ralf Meister dafür aus, Kirche in der Fläche zu erhalten. Es werde aber an manchen Orten keine dauerhafte kirchliche Präsenz mehr geben können.

„Wir werden eine „Kirche bei Gelegenheit“ werden, die nicht fortdauernd jedem Gläubigen an der Seite sein wird und die doch an den entscheidenden Wegabschnitten präsent ist“, so Meister. Kirche müsse sich bei ihrem Nachdenken über zukünftige Strukturen an ihren nomadischen Ursprung erinnern. Das Christentum sei keine Orts- und keine Gebäudereligion.

Der Evangelische Kirchenfunk Niedersachsen (ekn) war bei dem Bericht des Landesbischofs vor der Landessynode mit der Kamera dabei.

Bischof Meister: „Kirchen sind mutigste Hoffnungsträger im Land“

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Landesbischof Ralf Meister berichtet zur Tagung der Landessynode am 14.06.2012.   Bild: Jens Schulze

Schrumpfende Bevölkerungszahlen werden die Kirchen nach Ansicht des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister in den nächsten Jahrzehnten vor große Herausforderungen stellen. Bis 2060 sollen in Niedersachsen einer Studie des Landes zufolge mit 6,18 Millionen Einwohnern rund 1,7 Millionen Menschen weniger leben als heute. „Wir stehen vor einem radikalen Wandel“, sagte Meister am Donnerstag vor der in Hannover tagenden Synode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Er sei dennoch überzeugt, dass die Kirchen „die mutigsten Hoffnungsträger“ im Land blieben.

Die Kirchen seien stärker als andere Gruppen und Verbände in der Region verwurzelt: „Es gibt keine andere Einrichtung in diesem Land, die in freier Trägerschaft so nah bei den Menschen ist und ein so profundes historisches Wissen hat wie die Kirche.“ Die Kirche werde in Zukunft mobiler werden, betonte der Bischof. „Es wird eine Kirche 'bei Gelegenheit' sein, die nicht fortdauernd jedem Gläubigen an der Seite sein wird und die doch an den entscheidenden Lebens- und Wegabschnitten präsent ist.“

Voraussichtlich seien künftig nicht mehr Tausende von kirchlichen Gebäuden nötig, unterstrich Meister: „Aber wir brauchen vermutlich nur einige hundert, von denen wir die Gewissheit haben, dass sie noch Jahrzehnte oder Jahrhunderte von christlichen Glauben erzählen.“ Dazu gehörten für ihn auch die christlichen Schulen.

epd

Zum Schluss: Ein bischöfliches Halleluja

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Aufmerksam wird der Bericht des Landesbischofs verfolgt.   Bild: Jens Schulze

Den Bericht vor der hannoverschen Synode beendete Bischof Ralf Meister in bereits bewährter Form wiederum mit einem „Loblied“. Er dankte in seinem „bischöflichen Halleluja“ besonders einer ehrenamtlichen, kirchlichen Mitarbeiterin der JVA Sehnde und mit ihr allen, die in der Gefangenenseelsorge tätig sind. „Sie folgen damit dem Gebot Jesu“, hob Meister hervor.

Auch das Haus kirchlicher Dienste (HkD) wurde mit einem Lob bedacht. „Ich bin dankbar, in der Vielfalt der Arbeitsbereiche des HkD kompetente Ansprechpartnerinnen und -partner für die unterschiedlichsten Fragen zu haben, die an einen Bischof gestellt werden.“ Am Tag nach dem Bischofbericht wird die Synode das Haus kirchlicher Dienste besuchen: Es feiert in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen - gegründet 1937 als Amt für Gemeindedienst.

Ein letztes Halleluja galt den Kindergottesdienstmitarbeiterinnen und –mitarbeitern. Mehr als 8.000 Menschen seien in diesem Bereich ehren- und hauptamtlich tätig. „Welch’ Geschenk für unsere Kirche, so viele engagierte Jugendliche, Diakoninnen und Diakone, Pastorinnen und Pastoren und unzählige freiwillige Mitarbeitende zu haben, die darin einen wichtigen Anteil im Verkündigungsauftrag der Kirche wahrnehmen.“ Mehr als 22.000 Kinder würden so regelmäßig in die Glaubenswelt der Kirche eingeführt werden.