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Bild: Das Lorupaeum

Zeitreise ins Mittelalter

Tagesthema 10. Juni 2012

Eine Kirche wie im Mittelalter erleben

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Blick vom Wasserturm auf die Johanniskirche, Lüneburg. Bild: Helmut Meyer zur Capellen / epd-Bild

Aus Anlass des internationalen „Hansetages“ in Lüneburg lädt die St. Johanniskirche in der Hansestadt zu einer besonderen Zeitreise ein. Vom 19. Juni bis zum 1. Juli könnten Besucher die fünfschiffige Hallenkirche so erleben, wie sie im Mittelalter ausgesehen hat, sagte die Lüneburger Superintendentin Christine Schmid am Donnerstag. Dazu würden mehr als 60 Bänke abmontiert und ausgelagert. Mit dem Projekt „Wandelkirche“ wollen der Kirchenkreis und die evangelischen Gemeinde einen Raumeindruck wie zur Zeit der historischen Hanse schaffen.

„Der leere Kirchraum eröffnet neue Wege, Eindrücke und Begegnungen. Man kann ihn frei durchwandern, wie es ursprünglich üblich war“, erläuterte Schmid. Zum 32. „Hansetag“ werden vom 28. Juni bis 1. Juli in Lüneburg mehrere Hunderttausend Besucher aus rund 150 europäischen Hansestädten erwartet. Das mehrtätige Fest erinnert an die Zusammenkünfte der historischen Hansestädte, die vom 13. bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts den Fernhandel im nördlichen Europa weitgehend beherrschten.

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Turm der Johanniskirche, Lüneburg. Bild: Helmut Meyer zur Capellen / epd-Bild

Die Innenstadtkirchen in Lüneburg sind laut Projektkoordinator Dennis Schipporeit dabei bis in die Nacht geöffnet und beteiligen sich unter dem Motto „Du bis das Salz der Erde“ mit jeweils eigenen Schwerpunkten. Ein Highlight sei der ökumenische Festgottesdienst am 1. Juli auf dem Platz „Am Sande“ mit dem hannoverschen Landesbischof Ralf Meister.

In der „Wandelkirche“ St. Johannis sind unter anderem Konzerte, ein Malworkshop, ein Café und besondere Gottesdienste mit Tanz und Bewegung geplant. Besucher können eine ganze Nacht in der Kirche aus dem 14. Jahrhundert verbringen. 42 Metall-Stelen mit Kerzen sollten an die Altäre erinnern, die bis zur Reformation in der Kirche standen.

„Während der protestantische Gottesdienst bewusst gemeinsam gefeiert wird, stifteten Gilden und Bürger die Altäre und ließen dort für ihr Seelenheil Andachten halten“, erläuterte Schmid. Zugleich spendeten sie für die Armenfürsorge - auch daran wollten die Kirchen erinnern. Während des Hansetages macht der Kirchenkreis Lüneburg mit „Salzgärten“ vor diakonischen Einrichtungen auf sein heutiges soziales Engagement aufmerksam. Lüneburg, das sich seit Ende 2007 wieder offiziell Hansestadt nennt, galt zu Zeiten des historischen Bundes als „Salzfass“ der Hanse. Das „weiße Gold“ machte die Stadt reich.
 

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Eine Kirche wird leer geräumt

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Die Kirche St. Michaelis, 1033 geweiht, wurde im ottonischen Baustil errichtet und ist seit 1985 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.  Bild: Brigit Winter / pixelio.de

Hildesheimer Kirche veranstaltet „stuhlfreie Woche“

Die zum Weltkulturerbe zählende Hildesheimer Michaeliskirche lädt Besucher zur „stuhlfreien Woche“ ein. Mitarbeiter räumen dafür von diesem Montag bis zum 16. Juni die Bestuhlung in den Keller unter der Kirche, um einen „atemberaubenden Raumeindruck“ zu schaffen, sagte der evangelische Pastor Dirk Woltmann am Donnerstag in Hildesheim. Nur wenige Stühle zum Ausruhen blieben am Rand stehen.

Die „Woche ohne Stühle“ wird am 17. Juni mit einem Gottesdienst beendet. Dann können sich Besucher selbst am Eingang einen Stuhl mitnehmen und ihren eigenen Platz im Kirchenraum frei wählen, sagte Woltmann. Sie könnten auch entscheiden, ob sie allein, zusammen oder an ungewöhnlichen Orten sitzen möchten. „Das wird spannend.“

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Der Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt

Hintergrund: Der „Hansetag“ der Neuzeit

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Zum 32. internationalen „Hansetag“ werden vom 28. Juni bis 1. Juli in Lüneburg Vertreter aus rund 150 Hansestädten erwartet. Das mehrtägige Fest erinnert an die Zusammenkünfte der historischen Hanse. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts organisierte der nordeuropäische Handels- und Städtebund seine Zusammenarbeit neu. Zentrales Organ war der auch „Tagfahrt“ genannte Hansetag, auf dem die abgeordneten Ratsherren der Hansestädte Probleme erörterten und Lösungen suchten. 1669 fand in Lübeck der letzte Hansetag der historischen Hanse statt.

Die Hanse war eine Organisation von niederdeutschen Fernkaufleuten, der rund 70 große und 100 bis 130 kleinere Städte angehörten. Ihr Gebiet würde heute sieben europäische Staaten umfassen: von der niederländischen Zuidersee im Westen bis zum baltischen Estland im Osten und vom schwedischen Visby im Norden bis zur Linie Köln-Erfurt-Breslau-Krakau im Süden. Vom 13. bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts beherrschte die Hanse weitgehend den Fernhandel im nördlichen Europa.

Beim ersten Hansetag der Neuzeit schlossen sich 1980 im niederländischen Zwolle Städte zusammen, die schon dem historischen Bund der Kaufmannsstädte angehört hatten. Zu der nach eigenen Angaben weltweit größten freiwilligen Städtegemeinschaft zählen sich mittlerweile 178 Städte in 16 Ländern. Eine gemeinsame Satzung beschreibt Ziele und Formen der Zusammenarbeit. So wollen die Städte einen Beitrag zur wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und staatlichen Einigung Europas leisten.

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