2012_05_25

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de 

Mit dem Beiwagen unterwegs

Tagesthema 24. Mai 2012

Pastor „Pedda“ mit Gespann

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Mit Tochter Josefine (12) im Beiwagen fährt Pastor Frank-Peter Schultz oft zu Gedenkfahrten oder Gottesdiensten (oben) – Allerdings trägt der Pastor mit dem Spitznamen „Pedda“ dabei Motorradkleidung und Helm und nicht Talar und Bibel. Bild: Privat

Pastor Frank-Peter Schultz fährt mit einem Schwenker-Gespann zu Motorradgottesdiensten

Wenn Pastor Frank-Peter Schultz mit Helm und Lederweste auf sein Motorrad steigt, hat er oft einen Beifahrer, wie eines seiner Kinder dabei. Regelmäßig sorgt der 55-jährige mit seinem besonderen Schwenker-Gespann bei Gedenk- oder Protestfahrten oder bei Motorradgottesdiensten für Aufsehen. „Man kann sich damit in die Kurven legen, wie auf einem einzelnen Motorrad auch“, erzählt der Pastor der Nienburger Kreuzkirchengemeinde begeistert.

Zwei Kugelgelenke verbinden Fahrer und Beifahrer und sorgen dafür, dass er sich wie jeder andere Motorradfahrer auch in den Kurven neigen kann, ohne dass der Beiwagen die Bodenhaftung verliert. Schultz, der in Motorradkreisen den Spitznamen „Pedda“ trägt, entdeckte schon früh seine Leidenschaft fürs motorisierte Zweirad. Im Garten seiner Nachbarn stand eine BMW-Maschine, an der ewig geschraubt wurde. „Sie wurde nie fertig und das hat mich fasziniert.“

„Da wird mir immer deutlich, hinterm Horizont gehts weiter.“

Der gebürtige Berliner wurde in Tempelhof konfirmiert, wo der bekannte Motorradpastor Bernd-Jürgen Hamann der leitende Geistliche war. Seit den 1970er Jahren hatte der Biker-Pastor mit sogenannten „Rocker-Gottesdiensten“ immer wieder für Furore gesorgt. Hamanns Satz: „Fahre nie schneller, als dein Schutzengel fliegt“ habe ihn geprägt, erzählt „Pedda“ Schultz. Aus der Straße sollte man auf keinen Fall im Rausch der Geschwindigkeit eine Rennstrecke machen.

Motorradfahren, das bedeute für ihn hauptsächlich, in einer Gemeinschaft zu fahren. „Man grüßt sich unterwegs, das ist heute schon lange nicht selbstverständlich.“ Dabei genießt der Pastor auch mal die Zeit für sich allein ohne Beifahrer, erzählt er. So steigt er auf seine Maschine, wenn er dem Alltag entfliehen möchte und um den Kopf frei zu bekommen. „Da wird mir immer deutlich, hinterm Horizont gehts weiter.“

Als Biker-Pastor hat sich der 55-jährige Theologe nie verstanden. „Das Motorrad ist lediglich ein Vehikel, um die Aufgaben Frieden, Bewahrung der Schöpfung und Gerechtigkeit anzusteuern.“ Erst vor wenigen Tagen nahm er mit seiner 12-jährigen Tochter Josefine im Beiwagen an der Sternfahrt für Demokratie und Toleranz nach Ludwigslust teil. Biker aus ganz Norddeutschland kommen dort zu der jährlichen Fahrt gegen die rechtsextreme Szene im Landkreis Ludwigslust zusammen.
Den Beiwagen von Pastor Schultz schmücken zu solchen Anlässen nicht nur der obligatorische Fisch-Aufkleber aus seiner Gemeinde und ein Peace-Zeichen, sondern auch eine thematisch passende Fahne flattert dabei im Fahrtwind. Diese kann dann auch mal die Sonne der Atomkraftgegner auf einer Fahrt zum Atomkraftwerk Grohnde bei Hameln tragen. Auch zum von Nazis besetzten Heisenhof in Dörverden und zum ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen fuhr „Pedda“ bereits mit. Zweimal im Jahr organisiert er auch selbst in seiner Gemeinde eine Ausfahrt. Ganz gesittet und immer unter dem Motto des 2004 verstorbenen Motorrad-Mentors Hamann: „Nie schneller als dein Schutzengel.“

Kontakt hält Schultz auch zur bundesweiten Motorradvereinigung „Kuhle Wampe“. Die Organisation wendet sich explizit gegen Rechtsextremismus und setzt sich für ein Umdenken in der Energiepolitik ein. Sehr wohl wisse er, dass sich an manchen Themen die Geister scheiden, sagt der Pastor bestimmt. Dementsprechend fällt auch die Beschreibung über sich selbst aus. „Ich bin ein Pastor, der einen sehr schmalen Grat abfährt.“

Von Charlotte Morgenthal (Evangelische Zeitung)

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