2012_05_22

Bild: manun / photocase.com

Nicht nur Prinzessinnen: Taufe

Tagesthema 21. Mai 2012

Königskinder

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Arend de Vries

Eine Taufe am 22. Mai bewegt Millionen, in Schweden und europaweit. Estelle wird getauft. - Estelle?
Korrekterweise müsste es heißen: Estelle Silvia Ewa Mary Prinzessin von Schweden und Herzogin von Östergötland. Estelle ist die Tochter der schwedischen Kronprinzessin Victoria und die Enkeltochter des schwedischen Königs Carl Gustav. Nach ihrer Mutter steht sie an zweiter Stelle in der schwedischen Thronfolge.

Bunte Blätter und Hochglanzillustrierte, die das Leben der Royals in Europa aufmerksam verfolgen und schlagzeilenträchtig präsentieren, werden uns dieses Ereignis nahebringen. Ein öffentlich rechtlicher Fernsehsender überträgt live. Große Aufmerksamkeit für ein Königskind, das laut Ankündigung in der Programmzeitschrift im Alter von erst drei Monaten ein ganzes Land verzaubert und die Schweden entzückt.

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Pastorin Catharina Uhlmann tauft die kleine Julie in der Herrenhäuser Kirche in Hannover. Bild: Jens Schulze

Estelle ist ein Königskind. Das ist sie seit ihrer Geburt. Das ist nicht ihr Verdienst, sondern sie ist es deshalb, weil sie in eine königliche Familie hineingeboren wurde. Königskind zu sein, das wird ihr Leben prägen, mit allen Sonnen-, aber auch den Schattenseiten, die zu einem royalen Leben dazugehören.

Estelle ist ein Königskind – und sie wird ein Königskind. Bei ihrer Taufe wird ihr mit den Worten des Propheten Jesaja zugesagt: „Fürchte dich nicht. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen – du gehörst zu mir.“ (Jesaja 43,1)

Es ist Gott selbst, der einem Menschen, sei es ein Kind, sei ein Erwachsener, zusagt: „Du gehörst zu mir“. Fast könnte man sagen: es ist eine Adoption. Gott nimmt in der Taufe einen Menschen als sein Kind an. Darin kommt seine große Liebe zu uns Menschen, seine Fürsorge, ja, seine freundliche und leidenschaftliche Zuwendung zum Ausdruck: „Ich bin an deiner Seite. Jetzt und für immer“.

Mit der Taufe wird ein Mensch in die Kirche aufgenommen, gehört gemeinsam mit vielen anderen in aller Welt zur großen Familie Gottes. So wie in alten Zeiten Könige auch Gottheiten waren, wurde der Gott Israels darum auch als König bezeichnet: „Dein Gott ist König“ (Jesaja 52,7). Zu diesem Gott, der von sich sagt: „Ich bin der Erste und der Letzte“ (Jesaja 44,6), gehören alle, die getauft sind. Sie alle sind Königskinder, Kinder Gottes. Das sind sie und das bleiben sie, selbst wenn sie die Kirche einmal verlassen sollten. Sie sind ohne eigenen Verdienst.

Das gilt auch für Estelle. Sie wird mit ihrer Taufe nun zu einem „doppelten Königskind“. Ich bin nur ein einfaches Königskind. Aber das soll mir auch reichen – dann das bin ich und das bleibe ich. Oder wie es Hans Dieter Hüsch gesagt hat: „Wir alle bleiben Gottes Kind. Auch wenn wir schon erwachsen sind“.

Arend de Vries, Geistlicher Vizepräsident im Landeskirchenamt, Hannover

Das Stichwort: Taufe

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Bild: Christian Weisker

Die Taufe ist das zentrale Ritual des Christentums. Mit der Taufe ist die Aufnahme in die Kirche verbunden. Die meisten Christen werden bereits als Kinder getauft. Es gibt jedoch auch christliche Kirchen, die eine Taufe von Erwachsenen vorziehen. Die Taufe ist zudem das grundlegende Sakrament (Heilszeichen) der Christenheit.

Das Wasser steht als Sinnbild für die Reinigung und Erneuerung des Lebens durch Jesus Christus. Die Taufe soll zum Ausdruck bringen, dass Gott den Menschen in seinem ganzen Leben begleitet. Der Reformator Martin Luther (1483-1546) erklärte: „Die Taufe ist nicht allein schlicht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasst und mit Gottes Wort verbunden.“ Sie „wirkt Vergebung der Sünden» und «erlöst vom Tod und Teufel“.

Vollzogen wird die Taufe, indem der Pastor oder die Pastorin den Kopf des Täuflings mit Wasser übergießt oder der ganze Körper in Wasser eingetaucht wird. Dabei wird die Formel «ich taufe dich auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes» gesprochen. Das Vorbild zur Taufe gab Jesus Christus selbst, der sich nach der biblischen Überlieferung von Johannes dem Täufer im Jordan taufen ließ.

In der römisch-katholischen Kirche ist die Taufe neben dem Abendmahl oder der Eucharistie das zweite Hauptsakrament unter sieben Sakramenten. Protestanten kennen ausschließlich die beiden Sakramente Taufe und Abendmahl. Im Jahr 2007 haben die Evangelische Kirche in Deutschland, die katholische Deutsche Bischofskonferenz sowie neun weitere Kirchen die wechselseitige Anerkennung der Taufen ihrer Mitglieder in einem Dokument bekräftigt.

Paten begleiten das getaufte Kind

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Bischof Meister unterstreicht Bedeutung christlicher Paten

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister wirbt für das christliche Patenamt. „Gerade in einer heutigen Zeit werden Menschen gebraucht, die helfen in der Religion eine Heimat zu finden“, sagte der evangelische Bischof bei der Vorstellung eines Ratgebers am Mittwoch in Hannover. Dies könnten Taufpaten übernehmen. Das Buch „Mein Patenkind begleiten“ ist im Lutherischen Verlagshaus Hannover erschienen.

Meister hat selbst fünf Patenkinder. Er schlug vor, mit jährlichen „Patensonntagen“ das oft unbeachtete Amt zu würdigen. Dabei könne auch über die Aufgaben von Paten informiert werden. Zu ihnen gehöre es, ein Patenkind in die christliche Gemeinschaft zu begleiten.

Direkt bestellen bei bibli.com

Neue Broschüre zum Thema Taufe erschienen

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Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers hat eine Orientierungshilfe zur Taufe veröffentlicht. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen – Einladung zur Taufe“ ist der Titel einer neuen Broschüre, die Eltern, Patinnen und Paten bei der Vorbereitung der Taufe ihres Kindes unterstützen will. Sie bietet Informationen zum Verständnis der Taufe und des Patenamtes, praktische Hinweise von der Taufanmeldung bis zum Gottesdienstablauf, eine Auswahl an Taufsprüchen sowie Literatur- und Linktipps.

Zum Download der Broschüre

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Bild: Jens Schulze

„Ich habe dich bei deinem Namen gerufen“ – Einladung zur Taufe, hg. von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers / Evangelisches MedienServiceZentrum, 20 Seiten, Hannover 2012.

Die Taufbroschüre ist kostenlos zu beziehen über Bestellung.EMSZ@evlka.de

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Prälat Dr. Bernhard Felmberg, Chefdiplomat der Evangelischen Kirche bei der Bundesrepublik Deutschland, erklärt die Taufe

Das Jahr der Taufe im Film

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Zusammen mit der Evangelischen Kirche in Deutschland feiert auch die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers im Jahr 2011 das Jahr der Taufe. Reporterin Renate Baumgart von ekn hat aus diesem Anlass einen außergewöhnlichen Taufgottesdienst in Bremerhaven besucht.