2012_05_10

Bild: o-zero / photocase.com

Brich auf! Reisen

Tagesthema 09. Mai 2012

Die Ausflugstipps der Redaktion: unterwegs auf Tagesreisen in der Region

Kurze Anreise, maximale Erholung

Liebe zu Land und Leuten, aber zumindest Unvoreingenommenheit wünschte sich Theodor Fontane einst als Einstellung für Reisende. Neugierde ist dabei auf jeden Fall ein Vorteil, das haben auch die Mitarbeiter der „Evangelischen Zeitungen“ in Hamburg und Hannover als Muss für sich entdeckt. Dass ein Ausflug nicht immer gleich mit viel Aufwand und Kosten verbunden sein muss, zeigen unsere Tipps für eine Tagesreise.

Waldesruh und Geflatter - Auf in den Sachsenwald

07-02-Worte-Doellefeld
Petra Döllefeld

Manchmal muss es einfach mehr Baum sein. Auch wenn der Norden vor allem mit viel Wasser, viel Grün, viel Horizont und schönen Städten besticht: Manchmal fehlt mir doch ein wenig richtiger Wald. Für Menschen wie mich, die sich ab und an nach einem ausgiebigen Spaziergang unter dem Rauschen von Eichen- und Buchenblättern sehnen, empfehle ich den Sachsenwald, Schleswig-Holsteins größtes zusammenhängendes Waldgebiet.
Das Schöne: Vom Hamburger Hauptbahnhof aus ist man mit der S-Bahn nach einer halben Stunde Fahrt in Aumühle und so gut wie da. Jede Menge Wanderwege, zum Beispiel von Aumühle aus entlang dem Flüsschen Bille, garantieren, dass man nicht alle paar Meter auf Menschenmassen trifft. Für alle, denen „nur Bäume“ zu langweilig ist, sei auf den Garten der Schmetterlinge verwiesen, Deutschlands äl-testen Schmetterlingsgarten, in Friedrichsruh. Neben handtellergroßen Schmetterlingen lädt auch ein singender Wassergarten zur Erholung ein. Für geschichtlich Aufgeschlossene könnten das Bismarck-Museum und das Mausoleum von Interesse sein. Der Reichskanzler bekam den Sachsenwald einst von Kaiser Wilhelm I. geschenkt, und noch heute gehört ein Teil seinen Nachfahren.

Petra Döllefeld / Evangelische Zeitung

Mehr über den Sachsenwald

Niedersachsens größter See - Das Steinhuder Meer

Eberstein-michael
Michael Eberstein

Mein „Geheimtipp“ für eine kleine Flucht aus dem Alltag ist das Steinhuder Meer. Von Hannover aus ist es in einer halben Stunde mit Bahn oder Auto zu erreichen, sportlichen Naturen empfehle ich aber das Fahrrad. Bei gemütlicher Fahrt ist das Ziel vom Hauptbahnhof Hannover aus in drei Stunden zu erreichen. Hotels, Pensionen und Jugendherbergen gibt es rund ums „Meer“, das trotz seiner geringen Wassertiefe (weniger als zwei Meter) ein beliebtes Segelrevier ist. Naturfreunde können seltene Pflanzen entdecken oder Vögel in großer Vielzahl beobachten. In den östlich gelegenen Meerbruchswiesen ist sogar der Seeadler heimisch. Ein Wander- und Radweg führt rund um den See, an vielen Stellen gibt es Informationstafeln.
Sehr zu empfehlen ist der Besuch der Ökologischen Schutzstation in Mardorf, die die Schutzgebiete rund um Niedersachsens gößten See (30 Hektar) betreut. Historisch Interessierten ist ein Ausflug mit einem sogenannten „Auswanderer“-Boot empfohlen. Das bringt Ausflügler von Steinhude aus zur künstlich aufgeworfenen Insel Wilhelmstein, die im 18. Jahrhundert als Festung und Militärschule angelegt wurde. Heute ist dort ein Museum. Geboten werden auch Übernachtungs- und Seminarmöglichkeiten.

Michael Eberstein / Evangelische Zeitung

Mehr über das Steinhuder Meer

Kostenloser Entdecker-Bus - Unbekannte Region Uelzen

07-02-Worte-Warnecke
Maren Warnecke

„Busfahren ist nur was für alte Leute.“ Von wegen! Im Landkreis Uelzen gibt es für Jung und Alt eine Menge zu erforschen, ohne dass Besucher unbedingt ein eigenes Fortbewegungsmittel brauchen. Möglich macht das der „Entdecker-Bus“, der auf drei Ringlinien von Freitag bis Sonntag von 9 bis 19 Uhr im Zwei-Stunden-Takt auf die Reise mitnimmt – kostenlos. Vom 29. Juni bis 30. September kann man so ganz unkompliziert den Landkreis entdecken. Der Fahrplan ist auf die Taktung des Metronom von und nach Hamburg sowie Hannover abgestimmt.

Wer den bequemen Transport und eigene Aktivität kombinieren möchte, der nimmt sein Fahrrad mit, alle Busse haben Fahrrad-Träger. Einziger Wermutstropfen: Ein Mitnahmerecht besteht nicht. Ich empfehle einen Besuch der Ellerndorfer Wacholderheide, wenn diese in voller Blüte steht und sich die Heidschnucken beim Weiden beobachten lassen. Wer sich für (Kirchen-)Geschichte interessiert, macht einen Abstecher in das Kloster Ebstorf, eines der fünf „Lüneburger Klöster“. Skurril-Erstaunliches erfährt man bei einer Führung durch den Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen. Ihn nur vom Zug aus zu bewundern? Schade!

Maren Warnecke / Evangelische Zeitung

Mehr über den Entdeckerbus

Kalkgrube und Kahnfahrt - Ausflug an die Krückau

07-02-Worte-Splitt
Carsten Splitt

Elmshorn? Das klingt nach Teppich Kibek, Haferflocken und Schienenersatzverkehr. Dass man wenige Minuten entfernt aber auch einen nationalen Geotop besuchen kann, wissen nur wenige. Wir verlassen Elmshorn Richtung Klein Nordende: Kurz hinter dem Ortseingang führt ein Weg in die Liether Kalkgrube. Dort öffnet sich ein einzigartiger Platz, an dem Geologen historische Gesteinsschichten entdecken und Naturliebhaber Fledermäuse, Hasen, Rehe und Eidechsen beobachten können. Der ehemalige Tagebau bietet Einblicke in Millionen Jahre alte geologische Schichten, die in der Norddeutschen Tiefebene normalerweise tief im Untergrund liegen. Ein Lehrpfad erläutert die geologischen Zusammenhänge. Wer sich anschließend nach einer frischen Brise sehnt, dem sei die Weiterfahrt in die Marsch empfohlen. In sieben Kilometern erreicht man das Dorf Seester, in dem man außer der 1428 erbauten Kirche auch die kleinste Fähre Deutschlands besuchen kann. Wer mit dem muskelbetriebenen Fährkahn über die Krückau setzt, kann sich am anderen Ufer im „Sööten Eck“ bei Kaffee und Kuchen (sonntags 14 bis 18 Uhr) entspannen.

Carsten Splitt / Evangelische Zeitung

Mehr über die Kalkgrube

Dem Himmel so nah - Besuch des Klosters Ihlow

07-02-Worte-Kempermann
Kerstin Kempermann

Mächtige Stahlträger ragen tief im Ihlower Forst bei Aurich in den Himmel. Bis zu 45 Meter sind sie hoch und formen zusammen den Umriss einer Kirche: genauer den Umriss der alten Zisterzienser-Abtei, die dort von 1228 bis 1529 stand. Heute vermitteln die Stahlträger einen Eindruck der einst mächtigen
Klosterkirche und sind ein interessanter Ausflugsort in Ostfriesland. Denn wer sich auf den Weg durch den Ihlower Forst zum Kloster macht und auf die Ausstiegsplattform unter dem Dachreiter steigt, wird mit einem tollen Blick belohnt. Er kann die Stahlkonstruktion und den liebevoll angelegten Klostergarten von oben bewundern und gleichzeitig den Ausblick auf die ostfriesische Landschaft genießen. Geschichtlich Interessierte können unter der Apsis auf Spurensuche gehen. Dort hat der Verein der Klosterfreunde einen „Raum der Spurensuche“ eingerichtet.

Pfeilerreste, zwei Grabstätten sowie zahlreiche Gegenstände, die von den Archäologen vor Ort ausgegraben wurden, sind dort zu sehen. Das Herzstück der Klosteranlage ist der von Gunther Gerlach geschaffene Altar, der aus Buchenholz und dem Bronzeabdruck der alten Altarplatte gestaltet wurde. Jeweils freitags um 18 Uhr findet dort eine Wochenschluss-Andacht statt.

Kerstin Kempermann / Evangelische Zeitung

Mehr über Kloster Ihlow

Gute NAchrichten für den Norden - Mehr über das Reisen

evangelische Zeitung

Die Evangelische Zeitung ist das wöchentliche Sonntagsblatt für die Landeskirchen Braunschweig, Hannover und Oldenburg. Ihr Schwerpunkt ist die regionale Berichterstattung. Die Evangelische Zeitung hält ihre Leserinnen und Leser auf dem Laufenden, wenn es um Fragen des Glaubens, der Gemeindearbeit oder um die Entwicklung der Kirche geht. Sie bietet das Forum für offene und faire Auseinandersetzung bei kontroversen Themen. Jede Ausgabe erscheint 52 mal im Jahr – pünktlich zu jedem Wochenende.

Und in jeder Woche beschäftigen sich die Redakteurinnen und Redakteure der „Evangelischen Zeitung“ mit einem Schwerpunktthema - in dieser Woche (Erscheinungstermin 13. Mai) ist es das Thema: „Reisen“ - mehr in der aktuellen Ausgabe der Evangelischen Zeitung.

Direkt zum Probeabo

Die Chefin des Hermannsburger Missionswerkes reist zu internationalen Synoden und Konsultationen, um zu den Christen in aller Welt Kontakt zu halten

Logo des ELM
Logo des Evangelischen Missionswerks in Niedersachsen

Erinnern Sie sich an die biblische Landkarte mit den Strichellinien: „Die Reisen des Apostels Paulus“? In Gedanken sehen wir den zähen Apostel auf schlecht gelaunten Mittelmeerwellen oder staubigen Römerstraßen, wie er die mediterrane Welt von der Türkei über Griechenland, Zypern, Kreta, Malta bis nach Rom mit dem Evangelium betupft. Ein Reisender in Sachen Frohe Botschaft. Viele Wandertage – große Wirkung: Europa wird christlich.

Beeindruckend? Mit Einschränkungen. Denn das, was Paulus vor fast 2000 Jahren an Reisekilometern zurücklegte, haben seine Nachfolger vor knapp 200 Jahren, zur Blütezeit der Missionswerke, lässig in den Schatten gestellt. Ein Beispiel: Im Ludwig-Harms-Haus in Hermannsburg, dem Sitz der 1849 gegründeten Hermannsburger Mission – heute Evangelisch-lutherisches Missionswerk in Niedersachsen – gibt es das „Café Candace“. Die Bibelfesten erinnern sich: Candace, Königin in Äthiopien; einer ihrer Minister macht Urlaub: Sightseeing Jerusalem; als Andenken kauft er eine Schriftrolle und versteht nur Bahnhof. Philippus muss loslaufen und dem Mann die Sache mit Jesus erklären. Nachzulesen in Apostelgeschichte 8.
Nach dieser Königin ist ein Café in einem Missionswerks-Begegnungszentrum benannt, weil der Gründer dieser Missionsgesellschaft in der Lüneburger Heide, der Hermannsburger Pastor Ludwig Harms, Missionare nach Afrika schicken wollte, aber nicht auf Schiffen der Kolonialmächte. Darum ließ er einen Zweimaster bauen – nur mit Klingelbeutel und Gottvertrauen als „Business-Plan“. Die Sache klappte und beim Stapellauf erhielt der Segler den Namen „Candace“.

Im Café Candace steht ein Tisch mit einer Europa-Afrika-Karte. Darauf kann man einen kleinen Holzsegler von Hamburg um Gibraltar und das Kap der Guten Hoffnung herum bis nach Sansibar und zurück nach Port Natal segeln lassen, wo die ersten Hermannsburger Missionare nach fast 20 000 Kilometern Seereise an Land gingen und die Missionsstation „Hermannsburg“ im südafrikanischen Zululand gründeten.

Immer noch war das Reisen mit der Frohen Botschaft im Gepäck mühselig. Doch ganz so fremd blieb die afrikanische Fremde für die Missionare um 1850 nicht. Denn die Candace transportierte auch Werkzeuge, Ackergeräte, Stoffe, Kleinvieh, Baumaterialien in ihren Ladeluken zu den afrikanischen Missionaren und in den Kajüten die größten Schätze für die Gottesmänner unter dem Kreuz des Südens: „Missionsbräute“, junge Frauen, die sich bereit erklärt hatten, nach Afrika zu reisen, dort einen Missionar zu heiraten und ein Leben als Missionarsfrau zu führen. Und das, ohne ihre zukünftigen Männer persönlich zu kennen.

„Ich will euch in diesem Leben nicht mehr wiedersehen“, soll Harms, der übrigens selbst nie in Afrika war, seinen Missionaren mit auf den Weg gegeben haben. Und so war das dann wohl auch Mitte des 19. Jahrhunderts für die Reisenden in Sachen Mission: Ihre Missionsreisen waren der Anfang eines neuen Lebens. Was daraus geworden ist, sehen wir auf der Weltkarte der Religionen. Vom Südkap bis zur Südgrenze der Sahara gilt Afrika als christlich. Dutzende selbstständige christliche Kirchen bevölkern (nicht nur) den afrikanischen Kontinent. Fast alle sind in internationalen Dachorganisationen, wie dem Lutherischen Weltbund oder dem Weltrat der Kirchen eingebunden.
Und entsprechend sehen die Reisenden in Sachen Mission heute aus. Sie behandeln die Kontinente wie Stadtteile des globalen Dorfs. Man trifft sich auf internationalen Synoden, in Ausschüssen und bei Konsultationen oder „Exposure-Reisen“.

hpx-web
Martina Helmer-Pham Xuan

Martina Helmer-Pham Xuan heißt die Chefin des Hermannsburger Missionswerkes heute. Ihr Name verrät es bereits: Für die in Oberbayern geborene Pastorin der Braunschweiger Landeskirche ist Internationalität selbstverständlicher Lebensstil. Sie ist verheiratet mit einem vietnamesischen Pastor, den sie während des Theologiestudiums in Berlin kennenlernte und war – unter anderem – sechs Jahre Pastorin der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde für Singapur, Malaysia und die Philippinen und danach Theologische Referentin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Asien, Australien und den Pazifik. Die Direktorin des Missionswerkes ist also an weitläufige Pfarrbezirke gewöhnt und an Arbeitsstil und -pensum eines Topmanagers. Wenn nach einer stundenlangen Sitzung ihre männlichen Kollegen erschöpft darüber nachdenken, wie sie möglichst aufwandslos aufs heimische Sofa kommen, meint die drahtige Mutter zweier Kinder: „Nach so einer Sitzung muss ich jetzt erst Mal joggen.“

Mit der Parole ihres Altvorderen Ludwig Harms hat Helmer-Pham Xuan nicht viel am Reisekoffer. Statt: „Ich will euch in diesem Leben nicht mehr wiedersehen“, heißt es bei ihr eher: „Ich werde euch vielleicht erst nächstes Jahr sehen.“ Heute ist der Austausch von Fachwissen und Fachleuten zwischen selbstständigen Kirchen die Missionsdevise. Und das bedeutet: kräftig Bonusmeilen sammeln zwischen Hannover-Langenhagen und dem Jan-Smuts-Airport, Johannesburg. Vier Auslandsreisen sind selbstverständlich im Jahresplan einer Missionsdirektorin 2012: im Juli die Zentralafrikanische Republik, im Dezember Südafrika, im April Brasilien und dann wieder im Juli Indien. Dazwischen trifft man sich auch. Zum Beispiel in Bonn, Berlin, Meißen, Hamburg, Dresden, Genf, Braunschweig ...

Das Zurücklegen vieler Kilometer ist sicher einfacher und angenehmer geworden für die Reisenden in Sachen Frohe Botschaft. Aber ein komisches Leben ist es schon, ständig mit dem Evangelium im Gepäck – oder wie soll man das deuten, wenn man neben einer Missionsdirektorin an einer Ladenkasse in Lüneburg steht und sie fragt plötzlich leise nachdenklich: „In welcher Stadt sind wir gerade?“ So groß sind die Unterschiede zwischen Sardes, Saõ Paulo und Stuttgart wohl nicht, wenn man im Auftrag des Herrn unterwegs ist.

Von Klaus Hampe, Sprecher des Evangelisch-lutherischen Missionswerks in Niedersachsen (aus: Evangelische Zeitung)

Mehr über das Missionswerk Hermannsburg