2012_05_05

Bild: Christian Irrgang

Roger Willemsen über Afghanistan

Tagesthema 04. Mai 2012

Roger Willemsen: ISAF-Einsatz hat Afghanistan geschadet

Der Buchautor und Journalist Roger Willemsen sieht in der Arbeit von Hilfsorganisationen derzeit die einzige Möglichkeit, von außen die Lage der Menschen in Afghanistan zu verbessern. Zwar wirke das angesichts wiedererstarkender Taliban, der lähmenden Korruption und des Drogenhandels wie ein Tropfen auf den heißen Stein. „Aber indem wir Brunnen, Schulen und Gesundheitsstationen bauen, retten wir schlicht Leben“, sagte Willemsen am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Einsatz der Internationalen Schutztruppe ISAF habe die Lage hingegen nur verschlechtert: „Es werden unendlich Leidensgeschichten geschrieben.“

Der Moderator ist Schirmherr des in Hagen bei Osnabrück ansässigen Afghanischen Frauenvereins. Dieser feiert am 3. Mai in Köln mit einer von Willemsen moderierten und von weiteren Prominenten gestalteten Gala sein 20-jähriges Bestehen. Er wolle damit den Deutschen den kulturellen Reichtum Afghanistans zeigen, der von Krieg und Gewalt überschattet sei, betonte Willemsen.

Vor 20 Jahren habe er die Gründerin und Vorsitzende des Vereins kennengelernt, die Exilafghanin Nadia Nashir Karim. Sie habe ihm das Land und die Menschen nahe gebracht: „Ich brenne für Afghanistan. Es ist meine blaue Blume.“ 2006 hatte Willemsen das Buch „Afghanische Reise“ veröffentlicht.

Kritik übte der Journalist am Einsatz der Bundeswehr und der übrigen Armeen in Afghanistan. Die Soldaten hätten weder die Infrastruktur verbessert noch Korruption, Drogenhandel und alltägliche Gewalt eingedämmt. Einer der führenden Köpfe unter den Dealern sei ein Amerikaner, der mit Wissen auch deutscher Politiker seine Geschäfte betreibe.

Viele Menschen fürchteten die Schutztruppen mehr als die eigenen Terroristen, berichtete Willemsen: „Besatzer schaffen immer ein starkes Feindbild.“ Wenn hiesige Politiker wie Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) auf die Unterdrückung der Frauen verwiesen, sei das reine Propaganda: „Es soll niemand so tun, als gehe es den Schutztruppen darum, die Rechte der Frauen zu schützen.“

Dennoch seien Fortschritte etwa im Bildungsbereich durchaus spürbar, betonte Willemsen: „Wir haben Schulen für Mädchen, die ersten Studentinnen und sogar die ersten Hochschul-Absolventinnen.“ Verfassungsrechtler vor Ort hielten den Demokratisierungsprozess für unumkehrbar. Sogar einige Taliban schickten mittlerweile ihre Töchter zur Schule.

Andererseits seien auch Zeichen der Desillusionierung unübersehbar: „Wenn die Menschen sehen, dass im Parlament Drogenbarone, ehemalige Warlords und Strohmänner Pakistans sitzen, fragen sie sich natürlich, was für eine Demokratie das sein kann.“

epd-Gespräch: Martina Schwager

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Über die Arbeit der Militärseelsorge

2012_04_02
 Bild: Stefan Arend

Die evangelische Seelsorge in der Bundeswehr ist im Militärseelsorgevertrag von 1957 zwischen der Bundesrepublik und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) geregelt. Danach sind die Militärpfarrerinnen und -pfarrer in ihrer kirchlichen Arbeit frei von staatlicher Einflussnahme. Der Staat sorgt für den organisatorischen Rahmen und trägt die Kosten der Militärseelsorge.

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