2012_05_04

Bild: kemai / photocase.com

„Blinde sehen“

Tagesthema 03. Mai 2012

Vor 122 Jahren begann die Hildesheimer Blindenmission Ihre Arbeit in Südostasien

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Eine Vorschulklasse in Nanjing: In dem riesigen China müssen vor allem die Lehrkräfte geschult werden, Sonderschulen für Sehbehinderte gibt es dort nicht. Bild: HBM / Evangelische Zeitung

Offene Augen für die Partner

Das Erfolgsmodell „Patenschaft“ soll eine hoffentlich ebenso erfolgreiche „Schwester“ bekommen: die Partnerschaft. Das hat sich die Hildesheimer Blindenmission auf ihre Fahren geschrieben und ihre bisherige Arbeit in Südostasien verstärkt.

Was für die Beziehungen zwischen Kirchengemeinden in Deutschland und der sogenannten Dritten Welt gilt, ist künftig auch für die Hildesheimer Blindenmission (HBM) das Ziel. Bisher suchte sie vor allem Menschen in Deutschland, die bereit sind, für etwa ein Jahrzehnt ein sehbehindertes Kind in Südostasien mit jährlich rund 300 Euro zu unterstützen. Jetzt sollen verstärkt auch Gruppen wie Kirchengemeinden oder Schulen angesprochen werden, die sich bereiterklären, konkrete Vorhaben über einen begrenzten Zeitraum zu fördern.

Unverändert aber soll Südostasien den Schwerpunkt bilden, sagt Pastor Frank Ewert. „Dort ist weiterhin das Sozialgefälle sehr groß, und von einer wirksamen Sozialgesetzgebung sind viele Länder noch weit entfernt“, erklärt der Direktor der HBM. In Südostasien, genauer in Hongkong, hatte die Blindenmission vor 122 Jahren begonnen, später kamen andere Länder wie Taiwan oder Indonesien dazu. Einige unterstützte Einrichtungen konnten längst in eine Selbstständigkeit entlassen werden, andere benötigen auch nach Jahrzehnten noch regelmäßige Hilfe.

„Aber wir fördern nie zu 100 Prozent“, betont Pastor Ewert, „wir suchen uns immer einen Partner vor Ort.“ Unterstützt wird vor allem das eigene Bemühen. So ist etwa eine Schule in Taichung (Taiwan) längst in der Lage, mit ihrem eigenen Orchester, das auf Tournee durch die USA geht, sich selbst zu finanzieren. Zumal der Staat inzwischen die Fachlehrer bezahlt.

In anderen Ländern ist man noch weit entfernt von diesem Ziel, etwa in Myanmar (früher Burma). „Wir hoffen, im Sommer dorthin eine Fachkraft entsenden zu können“, erklärt Ewert. Der jahrelange Wirtschaftsboykott habe die Ausbildung von qualifiziertem Personal eingeschränkt, nun müsse erst einmal Aufbauarbeit geleis-tet werden. Dazu gehöre auch eine verbesserte Hygiene und medizinische Behandlung.

Denn „die wenigsten Kinder werden blind geboren“, erläutert Ewert. Die medizinische Betreuung aber könne die Hildesheimer Blindenmission nicht leisten, „das überlassen wir unserer großen Partnerorganisation, der Christoffel-Blindenmission“, schätzt Ewert die Möglichkeiten seiner Organisation ein. Früher unterstützt edie HBM auch einmal eine Augenklinik, die an einer Schule betrieben wurde.

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In Myanmar ist nach vielen Jahren des Wirtschaftsboykotts noch viel Aufbauarbeit zu leisten. Mit Unterstützung der Hildesheimer Blindenmission entsteht eine neue Sehbehindertenschule. Bild: HBM / Evangelische Zeitung

„Aber pädagogische Prävention ist mindestens ebenso wichtig"“, erklärt Ewert. Deshalb sei es so wichtig, etwa in China Vorschulklassen zu fördern, in denen sehbehinderte Kinder auf den Unterricht in normalen Schulklassen vorbereitet werden. In Nordchina kümmert sich die HBM, gemeinsam mit der Christoffel Blindenmission, um die Weiterbildung von Lehrern an Regelschulen, damit dort auch blinde Kinder unterrichtet werden können. Die Helfer aus Deutschland wissen, dass sie dafür auch die universitäre Ausbildung sowie die Lehrpläne umkrempeln müssen. „Aber Extra-Schulen für Sehbehinderte wären in diesem riesigen Land gar nicht zu machen“, ist Pastor Ewert überzeugt.

Für die Konzentration der Arbeit auf Südostasien spricht nach Meinung der HBM auch die „ähnliche Kultur“. Die Länder dort machten eine vergleichbare Entwicklung in Sachen Globalisierung, Industrialisierung und Umweltschutz, letztlich sogar politisch wie einst die europäischen Staaten durch. Und nicht zuletzt hätten viele Länder dort unter europäischen Kolonialmächten gelitten. „Die Menschen dort sehen unsere Hilfe als eine Art Wiedergutmachung dafür an.“

Doch nicht als Finanzierer würden die Helfer angesehen, sondern als Begleiter bei einem selbst geleisteten Fortschritt

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Südostasien bleibt Haupteinsatzgebiet der Hildesheimer Blindenmission, erklärt Pastor Ewert. Bild: Michael Eberstein / Evangelische Zeitung  

„Wichtig ist, dass der Gedanke gestärkt wird, wir als Staat sind verantwortlich für unsere behinderten Bürger“, betont Ewert. Und erzählt, dass nicht nur dieser Gedanke auf fruchtbaren Boden fällt. „Viele Schulen stehen auf großen Geländen. Land steht dort reichlich zur Verfügung. Wenn es uns gelingt, auf diesem Land zum Beispiel mit den Kindern Gemüse anzubauen, haben wir viel erreicht. Die Nachbarschaft erlebt, dass sie auch von blinden Kindern profitiert.“

So dürften es auch die Nachbarn der Schule in Medan (Indonesien) sehen. Dort werden einfache, aber beliebte Möbel gebaut. An anderen Schulen wurden mit finanzieller Unterstützung von der HBM große Hallen mit Bühne errichtet, die jetzt für die üblichen Familien- und Dorffeste vermietet und gern genutzt werden.
Eine ähnliche Wirkung verspricht sich Ewert von dem jüngsten Förderprojekt der HBM in Surabya (Indonesien). Dort soll ein größerer Hof überdacht werden. „Da müssen wir uns mit einem großen Anteil von etwa zwei Dritteln beteiligen“, sagt Pastor Ewert. Doch insgesamt gehe es nur um wenige zehntausend Euro. Und die hofft er, durch Spenden und Kollekten aus hiesigen Landeskirchen rasch aufbringen zu können. In die kleine Verwaltung der Hildesheimer Blindenmission jedenfalls fließe das Geld jedenfalls nicht, denn dafür gebe es einen landeskirchlichen Zuschuss.

Spendenkonto:
Hildesheimer Blindenmission e.V., Sparkasse Hildesheim
Konto 4002695
BLZ 25950130 oder
EKK Hannover, Konto 600628
BLZ 25060701

Von Michael Eberstein (Evangelische Zeitung)

„Geh doch nach Indonesien“

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Veronika und Sophie Kähler sowie Rudolf Rengstorf setzen sich für blinde Kinder ein. Foto: Karin Lankuttis / Evangelische Zeitung

Ehemaliger Stader Superintendent Rengstorf arbeitet für Hildesheimer Blindenmission

 „Geh doch nach Indonesien“, hatte Rudolf Rengstorf Sophie Kähler vorgeschlagen. Die Staderin, die gerade für ihr Abitur lernt, wird ab August ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Hildesheimer Blindenmission in einer Schule für blinde Kinder in Medan ableisten.

Rengstorf ist ein Freund der Familie, insbesondere der Großmutter Veronika Kähler, die jetzt ihren 75. Geburtstag feierte. Statt um Geschenke bat sie ihre Gäste um Spenden für die Hildesheimer Blindenmission. Rudolf Rengstorf warb dafür. Das macht er oft und ehrenamtlich. Denn der ehemalige Stader Superintendent ist seit gut vier Jahren stellvertretender Leiter der Organisation. Seinen Ruhestand verbringt er in Hildesheim, wenn er nicht gerade in Südostasien weilt.

Weil er zeitweise für den Geschäftsführer einsprang, war er in Hongkong und Taiwan, in Indonesien, Myanmar und auf den Philippinen sowie in China unterwegs. „Das ist eine gute Arbeit“, urteilt Sophie Kähler, die schon ein Auswahlverfahren bestanden hat. „Ich arbeite gerne mit Kindern“, sagt die erfahrene Basketballtrainerin. Außerdem hat sie Lust, Indonesisch zu lernen. Auf jeden Fall wollte die 17-Jährige vor ihrem Medizinstudium ins Ausland gehen.

Die Blindenmission missioniert nicht. „Entscheidend ist, blinden Kindern zu helfen, nicht, sie zu Christen zu machen“, sagt Rengstorf. Denn in manchen Ländern gelte es als Schande und Strafe der Götter, ein behindertes Kind zu haben. Diese würden oft versteckt. Die Mission setze sich dafür ein, dass blinde Kinder die gleichen Rechte bekämen und selbstbestimmt leben könnten, wie es dem christlichen Menschenbild entspreche. „Alle Mühe lohnt sich, wenn man sieht, wie sie aufblühen“, freut sich der 69-Jährige. Mühe hat er damit, Spenden zu sammeln. Der Jahresetat der Schule betrage 650 000 Euro. Die Schulen in Hongkong und Taiwan tragen sich laut Rengstorf mittlerweile selbst. Neu sind Projekte in China in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk.

Die Organisation sei immer von Frauen geprägt gewesen, lange Zeit von Diakonissen, sagt der Theologe. Die Gründerin Luise Cooper war eine Pastorentochter aus Jork-Borstel. 1890 gründete sie den „Frauen- und Jungfrauenverein“, aus dem die Hildesheimer Blindenmission hervorging.

Von Karin Lankuttis (Evangelische Zeitung)

Die Hoffnung der Christen

Auf die Frage von Johannes dem Täufer, ob Jesus der ist, "der da kommen soll" oder ob sie auf eibnen anderen warten sollen, lässt Jesus seine Jünger antworten: "Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert."

Matthäus 11, 5.6