2012_05_02

Bild: Hans-Peter Niesen

Ein neues Kirchendach

Tagesthema 01. Mai 2012

Die nach historischem Vorbild gefertigten Ziegel der Northeimer St.-Sixti-Kirche waren nicht sturmsicher

16-21-kirchendach
28000 Ziegel wechseln Uwe Gehlkopf (ganz links) und seine Kollegen Jens Fröchtenicht, Marcus Großkopf, Sascha Voß und René Flucke (v. l.) auf dem Dach der Northeimer St. Sixti-Kirche aus. Bild: Hans-Peter Niesen / Evangelische Zeitung

Vor acht Jahren wurde die rund 500 Jahre alte St.-Sixti-Kirche in Northeim komplett neu eingedeckt. Weil sich die nach historischem Vorbild neu gefertigten Krempziegel jedoch als nicht sturmfest erwiesen haben, muss die evangelisch-lutherische St.-Sixti-Gemeinde sie jetzt gegen sogenannte Hohlfalzziegel austauschen lassen. Die Kosten in einer Größenordnung von rund 220 000 Euro übernimmt größtenteils die hannoversche Landeskirche. Die Moringer Firma Henkel Bedachungen hofft die Arbeiten bis Ende Mai beendet zu haben.

Zurzeit ist die das Stadtbild prägende Kirche mit ihrem markanten, in sich gedrehten Turm am Rand der historischen Northeimer Wallanlagen eingerüstet. Vorarbeiter Uwe Gehlkopf und seine Mannschaft entern jeden Tag die Gerüste, um die nach wie vor wie neu wirkenden Krempziegel zu bergen und sie gegen die Hohlfalzziegel auszuwechseln. „Wir arbeiten Zug um Zug. Flächen, die abgedeckt sind, werden gleich wieder neu eingedeckt.“

Die Männer müssen vorsichtig sein. „Das Dach ist mit einer Neigung von 51 Grad sehr steil. Normal sind nicht mehr als um die 43 Grad“, sagen die erfahrenen Handwerker, die insgesamt 28 000 Ziegel aufs Dach bringen müssen.
Um die neue Eindeckung, die bestens zum „roten Meer“ der historischen Northeimer Fachwerkdächer passt, möglichst gut gegen Wind- und Sturmböen zu sichern, verklammern die Dachdecker sie zusätzlich. Steigertahl: „Wir haben den Eindruck, dass hier jetzt ein äußerst sicheres Dach entsteht, mit Ziegeln aus der Region, die über Generationen am Ort bleiben.“

Die Kirchengemeinde hatte Glück im Unglück. Durch die wiederholt vom Dach gewehten historischen Krempziegel kam niemand zu Schaden. 2005 stürzten beispielsweise 150 herunter, 2007 nochmals etwa 70 Stück. Dann beruhigte sich das Geschehen. Ein Gutachten bescheinigte den Krempziegeln Bruchsicherheit und Festigkeit. Doch die Experten hatten die Rechnung ohne den Wind gemacht. Im Mai 2010 fegte eine Böe erneut Ziegel vom Dach. Dabei liegt die Kirche relativ geschützt.

Eine Ursache für die Sturmschäden war offenbar, dass sich die Krempziegel nicht mit dem sogenannten Harzer Unterdach vertragen. Mit dieser zusätzliche Verschalung und Verlattung unter den Ziegeln werden Dächer besonders hochwertig regen- und schneefest gemacht. Nach zahlreichen Gesprächen einigten sich schließlich die Northeimer Gemeinde und die Landeskirche, dessen Amt für Bau und Kunstpflege sich für die Ziegel nach historischem Vorbild stark gemacht hatten, auf eine Neueindeckung.

Die ausgemusterten Krempziegel landen jedoch nicht auf der Bauschuttdeponie. Sie sollen für die Eindeckung zweier kleinerer Kirchen im Kreis Hildesheim verwendet werden, deren Dächer nicht so steil wie St. Sixti sind. Steigertahl: „Wir werden versuchen, Ziegel, die vor acht Jahren gespendet und signiert worden sind, auszusortieren.“ Sie sollen den Spendern nach Möglichkeit als Erinnerung zurückgegeben werden. Unterdessen wartet bereits die nächste Aufgabe auf die Kirchengemeinde. Auch das Innere der Kirche ist renovierungsbedürftig.
 

Von Hans-Peter Niesen (Evangelische Zeitung)

Nicht wegen des neuen Daches

Gemeinde aus Northeim gewinnt bundesweiten chrismon-Wettbewerb

Die evangelische Kirchengemeinde St. Sixti in Northeim bei Göttingen hat beim bundesweiten Wettbewerb des Magazins „chrismon“ den ersten mit 5.000 Euro dotierten Preis gewonnen. „Wir sind völlig begeistert, dass unsere vielseitige Gemeindearbeit ausgezeichnet wird“, sagte Pastorin Katrin Gerken-Heise am Dienstag. Insgesamt hatten 196 evangelische, katholische und freikirchliche Gemeinden an einer Abstimmung im Internet zur „Gemeinde 2012“ teilgenommen. Eine Jury wählte dann unter den ersten 20 die Gewinner aus.

Die St.-Sixti-Gemeinde habe seit 1997 rund 1.000 Mitglieder verloren und sich mit innovativen Projekten um neue Mitglieder bemüht, heißt es in der Begründung der Jury. In der Veranstaltungsreihe „Sixti Acts“ hatte die Gemeinde unter anderem mit Bäckern oder einer Weinhandlung kooperiert. „Wir wollten die Menschen aus der Stadt mit in kirchliche Veranstaltungen einbeziehen“, sagte Gerken-Heise.

Die Sieger stehen fest - der chrismon-Wettbewerb