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Aus der Evangelischen Zeitung

Musikprojekt „Neuland“ startet mit interaktiver Klanginstallation in Stade

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Fester Stand. Start von Neuland in Stade. Bild: Wiebke Ostermeier www.lichtemomente.net

Ein ganz normaler Sonnabendvormittag in Stades Altstadt: Touristen sind mit ihrer Reiseführerin unterwegs, Bürger erledigen ihren Wochenendeinkauf und Passanten schlendern über den Platz am alten Hafenfleet Wasser-West, erfreuen sich an den historischen Fassaden und betrachten den Elbewer „Willi“, der vor sich hin dümpelt.

Plötzlich erklingt von überall her Bläsermusik. Aber wo sind die Musiker? Und was hat es mit der Holzplatte mit den leuchtenden Glasflächen und den darauf stehenden Menschen auf sich? Offensichtlich besteht ein Zusammenhang zwischen den Flächen und der Musik. Wenn jemand eine Fläche verlässt, verstummt ein Instrument. Urplötzlich finden sich alle Instrumente zu Händels „Halleluja“ zusammen, als die Personen auf den Flächen rotieren.

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Auf dem Spielfeld. Start von Neuland in Stade. Bild: Wiebke Ostermeier www.lichtemomente.net

Des Rätsels Lösung: Die interaktive Klanginstallation „Neuland – Kirchenmusik an ungewöhnlichen Orten“ hatte jetzt in Stade ihre Premiere. Neun Musikerinnen und Musiker des Bläserensembles Lappland beteiligten sich an dieser landeskirchlichen Aktion zum Jahr der Kirchenmusik. Ziel ist, dass Menschen an Orten im Alltagsleben innehalten und eine völlig neue Begegnungen mit Kirchenmusik erfahren.

„Der Spielort in Stade ist nicht zu übertreffen,“ sagt Projektkoordinatorin Silke Lindenschmidt vom Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik am Michaeliskloster Hildesheim. Rund um das Hafenfleet haben sich die Bläser verteilt, spielen aus Fenstern auf verschiedenen Etagen und nun auch direkt vom Deck des Elbewers „Willi“. „So wird eine räumliche Akustik geschaffen, die fast an eine Kirche erinnert,“ erläutert Silke Lindenschmidt. Die Aktion kommt an: Viele Passanten beteiligen sich, die Standfläche ist immer gut besetzt.

Frauke Klintworth steht mit ihrer Posaune am Fenster im zweiten Stock des Schwedenspeicher-Museums. Auf einem Smartphone empfängt sie die Signale für ihren Einsatz, die auf den Standflächen ausgelöst wurden. Leuchtet es grün, muss sie spielen, bei rot setzt sie aus, weil jemand die Fläche verlassen hat. Weitere Informationen erhält sie über ein kleines Funkgerät. Höchs-te Konzentration ist gefragt.

Vier Choräle, alle in F-Dur und von Landesposaunenwart Ulf Pankoke bearbeitet, bilden die Grundlage, auf der die Musiker zu Improvisationen ansetzen, wieder zum Thema zurückfinden und auch ganz individuelle Akzente setzen können.

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Das NEULAND-Team im Gespräch mit Passanten.. Start von Neuland in Stade. Bild: Wiebke Ostermeier

Ausgeklügelt hat das System der Computerspezialist Markus Jablonski. Konzentriert steht er am Laptop und überwacht die Signale, die drahtlos von den Standflächen in den Computer gesendet werden und dann wieder auf den Smartphones der Musiker erscheinen. Jeweils 45 Minuten dauert ein Musikeinsatz, dann ist Pause. Insgesamt zieht sich die Aktion über vier Stunden hin.

Die Beteiligten und Zuhörer sind begeistert. „Eine einmalige Sache, die Atmosphäre schafft,“ sagt Pastor Volker Dieterich-Domröse von der Stader Markus-Gemeinde, der eigentlich zufällig am Wasser-West vorbeikam. „So gewinnen auch eher Kirchenferne einen völlig neuen Zugang zur Kirchenmusik.“

Bis Mitte Juli soll „Neuland“ an verschiedenen Orten noch 38 Mal in der Landeskirche laufen. Außer Bläsern beteiligen sich auch Chöre und Solisten. Aktionen sind in Einkaufszentren, in Fußgängerzonen und auf einer Inselfähre geplant. Die Auftrittsorte sollen aber eine Überraschung bleiben und werden geheim gehalten.

Von Ernst Otto Oberstech (Evangelische Zeitung)

Informationen: Musik aus Neuland