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Johann Sebastian Bach, Bild: Elias Gottlob Haußmann

Bachs Motetten: „Jesu komm“

Tagesthema 21. April 2012

Die Motette bei Johann Sebastian Bach

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Die Motetten Bachs, über deren Entstehung wir bis heute sehr wenig wissen, stehen deutlich in der kirchenmusikalischen Tradition des 17. Jahrhunderts (vgl. z.B. die Psalm- und Evangelienmotetten von M. Franck, Vulpius, Schütz u.a). Eigentlich war die Gattung Motette ja schon aus der Mode gekommen, doch hat den Leipziger Musikdirektor möglicherweise gerade dies gereizt. Er führt sie (wie die Kantate) in einer bis dahin unerhört virtuosen und komplexen Weise zur kompositorischen und klanglichen Perfektion.

Dem Musikalischen Lexicon (1732) von Johann Gottfried Walther, einem Vetter J.S. Bachs, zufolge ist eine Motette „eine mit Fugen und Imitationibus stark ausgeschmückte, und über einen biblischen Spruch bloß zum Singen ohne Instrumente (den General-Baß ausgenommen) verfertigte musicalische Composition“. Dies besagt, dass für die Motette im Gegensatz zur Kantate in der Regel keine freien Dichtungen (vgl. allerdings BWV 229), sondern Bibel- oder Choraltexte zugrunde gelegt wurden und bis auf die Continuogruppe gewöhnlich auf eine (die Singstimmen verdoppelnde oder sie ersetzende) Begleitung verzichtet wurde.
Der Leipziger Thomanerchor hat diese Stücke in ununterbrochener Aufführungstradition im Repertoire behalten. So berichtet Ernst Ludwig Gerber 1767, dass er eines dieser Werke „mit tiefer Erschütterung seines ganzen Wesens“ anhörte und auch Wolfgang Amadé Mozart soll bei seiner Durchreise im Revolutionsjahr 1789 beim Hören der Motetten J.S. Bach seine „innigste Verehrung“ ausgedrückt haben.

Bach-Werke-Verzeichnis 229

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Jochen Arnold

Die klangschöne Komposition „Komm, Jesu, komm“ (BWV 229) eröffnet das Programm mit einem innigen Gebet. Als einzige der Motetten verzichtet sie auf ein Bibelwort, obwohl starke Anklänge an Joh 14,6 (Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben) vorliegen. Bach greift hier auf eine bereits 1684 von seinem Vorvorgänger Johann Schelle vertonte Dichtung des Leipziger Poeten Paul Thymich zurück. In der Forschung gibt dies Anlass zur Vermutung, dass die Bestattung der Witwe Schelles am 26.3.1730 Anlass für die Komposition gewesen sein könnte. Philipp Spitta rühmte das „ebenso großartige wie tief rührende Bild innigsten Sterbeverlangens“, das in dieser Komposition hörbar würde. Nach der emphatischen Eröffnung (Komm) und der bildhaften Illustration des „sauren Weges“ lichtet sich die Komposition hin zu einem beschwingten, beinahe tänzerischen Bekenntnis (6/8-Takt) auf den Text „Du bist der rechte Weg“. Eine meditative Aria beschließt das Werk.

Von Jochen Arnold (aus dem Booklett: J.S.Bach: Motetten, erschienen in chrismon-edition)

Johann Sebastian Bach

Er wurde nach dem julianischen Kalender am 21. März in Eisenach geboren, am 28. Juli 1750 ist er in Leipzig gestorben. Johann Sebsatian Bach war ein deutscher Komponist sowie Orgel- und Klaviervirtuose des Barock. Er gilt heute als einer der bekanntesten und bedeutendsten Musiker. Seine Werke beeinflussten nachfolgende Komponistengenerationen und inspirierten Musikschaffende zu zahllosen Bearbeitungen.

Höhepunkte abendländischer Vokalmusik

CD-Cover

Die Vorzüge der Motetten von J. S. Bach rühmen hieße Eulen nach Athen tragen. In den vier großangelegten doppelchörigen Werken, darunter das jubelnde „Singet dem Herrn ein neues Lied“ (BWV 225), die berühmte fünfstimmige Motette „Jesu,meine Freude“ (BWV 227) und das lange in seiner Echtheit umstrittene vierstimmige „Lobet den Herrn alle Heiden“ (BWV 230), begegnet uns Chorkunst in virtuoser Vollendung.

Ein Genuss für alle Experten, die mit einer neuen, profilierten Deutung konfrontiert werden. Und für Neueinsteiger, die mit Bachs Motetten eine neue Welt entdecken können.

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